Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893971
Frührenaissance. 
Die italienische 
es ist sehr übermalt, Gotti vermuthet ein einfaches Dreieck als Symbol der 
Dreifaltigkeit) gekennzeichnet. Gotti, theilweise im Anschluss an Oavalcaselle, 
nennt diese Allegorien: 1. Caritfo oder Teologia polemica (deshalb mit Pfeil 
und Bogenl), darunter der hl. Augustin als der grosse Controversist; 2. die 
Teologia mistica (nach Cavalcaselle la Spermzza) mit S. Iohannes Damascenus; 
3. die Teologia (Zovmnatica (nach Cavalcaselle Za, Fede) mit Dionysius Areo- 
pagita; 4. die Teologia, ganz einfach, mit Boethius; in der folgenden Figur, 
die Schlosser als Physik nimmt, sieht 5. Cavalcaselle die Teologia speczzlatiea, 
Ruskin die praktische Theologie, mit Petrus Lombardus. Schlosser nimmt die 
vier ersten Figuren alle für Repräsentanten der scientia divinalis (Theologie) 
und unterscheidet (von links nach rechts): Mystik, mit S. Augustin  Ethik, 
mit S. Johannes Chrysostomus; Dogmatik, mit S. Dionysius Areopagita; 
Historia mit S. Hieronymus. Es sollen damit die historische Methode, die 
dogmatisch-allegorische, die moralisch-tropologische und zum Schluss die 
anagogische Exegese der Heiligen Schrift (d. i. die Mystik) angedeutet sein. 
Ich fürchte, dass alle diese Ausdeutungen moderne Begrilfe in das 14. Jahr- 
hundert hineintragcn, das z. B. von historischer Methode noch nicht sprach. 
Eher irväre (was auch Schlosser nicht entgeht) an den vierfachen Schriftsinn, 
den buchstäblichen, allegorischen, moralischen und anagogisch-mystischen zu 
denken. Mir scheint, dass wir hier zu einem sichern Ergebniss nicht vorzu- 
dringen vermögen, und zwar um so weniger, als die starke Uebermalung 
mehrerer dieser Figuren ihren ursprünglichen Zustand kaum mehr erkennen 
lässt. 
Den geistigen Inhalt des ganzen Gemäldes glaubt Schlosser dahin be- 
stimmen zu können: alles Wissen ist eine Emanation des Heiligen Geistes; 
Thomas ist die Verkörperung alles Wissens, wie Beatrice in der Divina Com- 
media; ohne Liebe ist alles Wissen nichts (I Kor. 13, 1. 21f.). Aber auch 
alles Wissen ist von Gott und in der Schrift enthalten; das ist die scienticz. 
infusa, der die Ketzer unterliegen müssen. 
Ich kann mich auch diesen Ausführungen nicht anschliessen. Es ist oben 
gesagt werden, was die obere Partie des Bildes meint: sie trifft das Verhält- 
niss der theologischen Wissenschaft zur ewigen Weisheit. In der untern Partie 
ist meines Erachtens nichts anderes dargestellt als das Verhaltniss des mensch- 
lichen und natürlichen Wissens zu der theologischen Erkenntniss. Was Thomas 
in seinen beiden Summen verführt  die Praeambula fidei und die Glaubens- 
wissenschaft  das wird hier in den weiblichen Allegorien und in den ge- 
schichtlichen Vertretern dieser Disciplinen dargelegt und in seinen Zusammen- 
hang mit der Erkenntniss und Liebe Gottes gebracht. Wir haben demnach 
auch hier einen Anklang an den grossen Gedanken, den Ralfaels Camera della 
Segnatura später vorführen sollte. 
Wir kommen zu der Ostwand (Fig. 47), welche Vasari zuerst in seiner 
Vita des Simons Martini (I 550) beschrieben hat. Er gibt als Inhalt an 
,la Religione e Ordine del Santa" (Domenico), die Bekämpfung der Haretiken 
(die als Lupi geschildert seien), die Disputationen mit Diesen, ihre Bekehrung 
und den Eintritt der Bekehrten ins Paradies. Unter den weltlichen Personen, 
die ihren Freuden leben, habe der Maler Madonna Laura, unter den um die 
Kirche gescharten, wo alle Stände der Christenheit geschildert sind, auch Fran- 
cesco Petrarea gemalt. Die Kirche werde dargestellt unter dem Bilde des Flo- 
rentiner Domes nach der ursprünglichen Zeichnung des Arnolfo. Im ganzen 
stimmt damit der Abbate Mecatti überein, nur nennt er als Thema des Ge-
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.