Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893929
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Zweiundzwanzigstes Buch. 
Orcagna. 
mann 1355 starb, hinterliess er zur Vollendung der Malerei noch 325 Gold- 
gulden, denen sein Bruder noch 92 weitere hinzufügte. Demnach ist an- 
zunehmen, dass die Malerei 1355 noch nicht vollendet war. Vasari (I 580) 
bezeichnet Taddeo Gaddi und Simone Memmi aus Siena als die ausführenden 
Künstler. Da letzterer 1339 aus Italien nach Avignon verzog und 1344 starb, 
ist die Annahme seiner Mitwirkung jetzt allgemein aufgegeben. Aber auch 
diejenige Taddeds, der allerdings erst 1360 starb, erscheint bei der Ver- 
schiedenheit seiner mehr alterthümlicheli und iinstern Manier nicht wahr- 
scheinlich. Die Vermuthungen Cavalcasellds, welcher die beiden Hauptbilder 
Andrea de Florentia, und Försters, welcher die Glorie der Dominicaner dem 
Maler der obern Reihe der Ranieri-Fresken im Camposanto zu Pisa (dem- 
selben Andrea da Firenze) zuschreibt, haben nur getheilten Beifall gefunden. 
Jedenfalls wird man zwei verschiedene Hände in den grossen Compositionen 
unterscheiden und an jüngere Kräfte aus dem Kreise der Giottesken denken 
müssen, welche genau nach dem ihnen von demPrior des Conventes, Fra Ja- 
copone Passavanti, übergebenen Programm gearbeitet haben werden 1. Nach 
einem solchen ihm überlieferten Programm dürfte wol auch ein anderer Künstler 
der Schule gearbeitet haben, Andrea Orcagna (gest. 1368), der 1357 
in der Kapelle Strozzi im nördlichen Seitenschiff von S. Maria Novella ein 
mit den Fresken in der Spanischen Kapelle in Zusammenhang stehendes 
'Werk schuf 2. Es stellt eine Maiestas Domini dar: Christus mit einer byzan- 
tinischen Kaiserkrone in der mandelförmigen, mit Cherubsköpfen gefüllten 
Mandorla, zu seinen Füsson musicirende Engel von ausserordentlicher Grazie, 
rechts und links von ihm die durch Inschriften bezeichneten: Maria, S. Caterina 
mit dem Rad, S. Michael mit dem Drachen; links Johannes der Täufer, 
S. Laurentius mit dem Rost, S. Paulus mit Schwert und Buch. Links von 
dem Herrn kniet der hl. Petrus, der den Himmelsschlüssel aus seiner Hand 
empfängt, rechts S. Thomas von Aquin, der dem Herrn ein aufgeschlagenes 
Buch darreicht. Man beachte, dass hier Thomas schon vor Petrus den Ehren- 
platz zur Rechten einnimmt und von Maria dem thronenden Erlöser vor- 
gestellt wird. An der Predella ünden sich drei überaus lebendig behandelte 
kleine Scenen: die Navicella (Doppelscene: Petrus auf den Fluthen wandelnd 
und der Herr schlafend), rechts die Feier einer Messe in einem von Domini- 
canern gefüllten Chor, links der Tod eines Königs zwischen der Seelenwage und 
einem in seinen Felsen hausenden Einsiedler, vor dem die Teufel entfliehen. 
Ich sehe in diesen Bildern eine Reminiscenz der grossen Fresken im Campo- 
santo zu Pisa. Das Hauptbild ist unzweifelhaft die Glorie des Aquinaten. 
Künstlerisch geringer als die feinfühlige und zarte Arbeit des Orcagna 
ist dann die malerische Ausstattung der Spanischen Kapelle selbst, in ihrer 
' VASARI l 580. Dazu MARCHESE Memorie 
I4 166. 173. 
2 Abbildung bei FÖRSTER Denkm. ital. 
Malerei I, Taf. 31.  Vgl. HETTNER a. a. O. 
S. 108 f. mit Abbildung. Das Bild ist gezeich- 
net ANNO DNI MOCC  LVIT LANDREAS 
CIONIS  DE  FLORETIA ME PIXIT. Nicht 
zu übersehen ist die von unsern Kunst- 
historikern gänzlich ausser acht gelassene in 
der Cappella di S. Tommaso d'Aquino beim 
Grabe des sel. Aloxius Strozzi (starb 1384) 
angebrachte, aber W01 neuere lnschrift. Welche 
P. Glus. RICHA Notizie storiche delle Chiese 
Fiorentine (Fir. 1705) III 1, 54 aufbewahrthat: 
D. TOMAE ECCLESIAE DOCTORI ANGE- 
LICO  SACELLVM HOC EXIMIA TABVLA 
ARAE SVPPOSITA  ABSIDE ET PARIFIPI- 
BVS PICTIS AB ANDREA  CIONIS  FIT.  
COGNOMENTO ORCAGNA  QVI DIVINVM 
DANTIS INVENTVM IN HIS EXPRESSVP  
INSIGNE AC VENERANDVM  STROZIA 
GENS QVAE ROSSVMGERJ FIL   PATRI- 
ClVM FLOR  PRO PAGNFOREM HABET  
INEVNTE SECVLO XIV  DEDICAVIT.
        

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