Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893887
Zweiundzwanzigstes Buch. 
der ,Triumphzug des Glaubens im Strassburger Münster. das Glasfenster der 
Kirche zu Brou Christus als den grossen Siegesherrn über Leben und Tod  
Jriumplzatoreuz mortis Christum, aetema pace tewis restituta coeliguc ianua 
onmibzzs bonis arlapertaf. Ich habe anderwärts den Zusammenhang dieser 
Vorstellungen mit dem die Kirche symbolisirenden Bilde des Wagens bei 
Dante nachgewiesen. Dieselbe danteske Vision des Siegeswagens begegnet 
uns noch bei Savonarola 1. 
Aber nicht bloss Christus, auch abstracte Ideen werden in den Trionfi 
gefeiert. Lorenzettis grosses Wandgemälde im Staatspalast von Siena ist 
nichts anderes als der Triumph des guten Reggimento. Nicht lange nach 
seiner Entstehung, zwischen 1357 und 1374, sang Francesco Petrarca seine 
berühmten sechs 'l'rionfi auf die Liebe, die Keuschheit, den Tod, auf den Ruhm, 
die Zeit und die Ewigkeit: sie haben in dem Kästchen zu Gurk eine plastische 
Nachbildung aus der Hand eines der Pisaner Künstler erfahren, wie ander- 
seits die Idee der Carrocci auf dem Gemälde des Piero della Franccsca in 
den Uffizien vorgeführt wird 2. 
Thomas von Die Idee lag nahe, auch den triumphalen Vorzug in ähnlicher Weise zu 
Aqui" feiern, Welchen, seit dem Beginn der Scholastik, die Theologie im Umkreis 
der gesammten Wissenschaft einnahm. Alle übrigen Wissenschaften standen 
zu ihr als der Herrin nur im Verhältniss der Dienstbarkeit; sie waren ihre 
Dienerinnen  ,ancillae'. Und Wiederum ergab sich von hier aus der Ueber- 
gang zu der Glorie dessen, welcher seit Ende des 13. Jahrhunderts fast un- 
bestritten als Fürst und Führer der christlichen Theologie dastand. Die Canoni- 
sation des Jruon frate Tommasof (im Jahre 1323), vielleicht auch Dante's 
Gedicht, hatten das Ihrige gethan, um die Orthodoxie des Aquinaten, an- 
fänglichen Angriffen gegenüber, sicherzustellen. Freilich lehnten die Francis- 
caner die specifischen Lehren des Thomismus hinsichtlich der Gnade und Frei- 
heit ab und unterschieden sich auch auf andern Punkten, wie hinsichtlich der 
unbefleckten Empfangniss, von der dominicanischen Schultheologie. Wer die 
immer und immer wiederkehrende Rivalität kennt, die zwischen beiden Orden 
herrschte, wird kaum bezweifeln, dass dieselbe sich auch in ihren Kunst- 
vorstellungen offenbarte. Die Trionli des hl. Thomas, die ganze Spanische 
Kapelle dürfen als eine Antwort auf das angesehen werden, was die Francis- 
caner in S. Croce durch Giotto und eben erst durch Taddeo Gaddi und andere 
Giottesken (Baroneelli-Kapelle, Abendmahl im Refectorium) zu Ehren ihres 
Stifters hatten malen lassen. 
Traini. Francesco Trainis, von dem wir schon oben gesprochen (S. 115), malte 
zwischen 1341 und 1845 in S. Caterina zu Pisa zwei Bilder, das eine zur Ver- 
herrlichung des hl. Thomas, das andere zu der des hl. Dominicus. Letzteres 
(Fig. 44), jetzt in der Akademie zu Pisa, erzählt die Legende des ,paz'er ordivnls 
Praedicat0rzn1f, anfangend mit der Legende seiner Geburt, wo der Schoosshund 
mit brennender Kerze auf die kommende Mission des Neugebornen deutet, bis zu 
1 SAVONAROLA Triumph. Crucis libr. I 
c. 2; IV c. 9. Vgl. dazu auch GRAUERT 
in der wissenschaftl. Beil. der ,Germania' 
1898, Nr. 35. 
2 Ueber das Kästchen zu Gurk und Pe- 
trarczwls Trionü vgl. noch FRIMMEL Mitth. d. 
k. k. Centralconnnission 1888 XIV 241.  
Zeitschr. f. bild. Kunst XXII 128; ebd. XV 
61 (Mantegnzüs Trionfo des Peirarca).  
Pioro della Francescafs Carro trionfale ist l'e- 
producirt im Klass. Bilderschatz Nr. 451.  
Vgl. auch bei E. MÜNTZ Renaissance I 229 
das Frontispiz zu Petrarcifs Ep. vir. ill. 
3 FR. BONAINI Mcmorie incdite intorno 
alla vita. e ai dipinti di Francesco Traini etc. 
Pisa 1846.
        

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