Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893875
italienische 
Frührenaissance. 
nur mehr als ein von diesem Wege abführendes Element erscheinen muss. 
Sie kann nur mehr eine Berechtigung beanspruchen, wo sie an das Leben 
anknüpft und auf das Leben zurückführt. Auch Raifael ist in den Stanzen 
noch Allegoriker; aber er stellt nur sinnfällige Vorgänge dar, in deren Ver- 
lauf sich ein tieferes Geheimniss ausspricht. Wenn dagegen Ambruogio Loren- 
zetti's grosses Gemälde im Palazzo pubblico zu Siena die Concordia veran- 
schaulicht, wie sie zwei von dem Gürtel der Iustitia commzetatiiva und disiri- 
buliva ausgehende, und darüber mit der Sapieaztiia verbundene Stricke fasst und 
der Versammlung der vierundzwanzig Stadtältesten das Ende des Seiles über- 
gibt und dieses dann an die thronende Colossaliigur des Rrjqgimcnto der Repu- 
blik geleitet wird, so liegt dieser Vorstellung kein realer, sinnlicher Vorgang 
zu Grunde und es kann einen solchen nicht geben. Die Vorstellung ist darum 
ungesund und künstlerisch unzulässig. 
Es ist sehr merkwürdig, dass diese theologisirende Allegoristik sich nicht 
in dem Zeitalter der eigentlichen Blüte der Scholastik hervorwagt, sondern 
wesentlich dem Verfall dieser grossen speculativen Bewegung angehört: einer 
Zeit, in Welcher sich von weitem der Zwiespalt der Schultheologie und des 
Realismus des Lebens mit seinen neuen unermesslichen Perspectiven aufthut. 
In demselben Augenblick, wo Petrarea und Boccaccio an den Grundpfeilern 
der scholastischen Bildung rütteln, sucht sich diese durch mächtige allegorische 
Schaustellungen der Vorstellungswelt des Volkes gegenüber zu retten. Sie 
flüchtet sich hinter die Glorie eines Thomas von Aquin, dessen Genie ihr ab- 
handen gekommen, ohne zu sehen, dass auch das mächtigste Genie der Ver- 
gangenheit nicht mehr ausreicht, um ganz neuen Bedürfnissen und neuen Er- 
fahrungen des menschlichen Geistes gegenüber den Dienst als Panacee zu 
verrichten. 
Kein Wunder, dass diese theologische Allegoristilä sich im Dominicaner- 
erden am längsten erhielt. Er war durch seine Traditionen mehr als jede 
andere Schule darauf angewiesen, das Ansehen des Doctor Angelicus hoch- 
zuhalten; er hat, entschiedener als jeder andere Kreis des Welt- oder Ordens- 
klerus, sich dem Eindringen der neuen humanistischen Tendenzen widersetzt 
und die Treue gegen den grossen Meister bewahrt. Drei grosse Kunst- 
schöpfungen sind dieser Neigung entsprungen: Traini's Triumph des hl. Thomas, 
der Cyklus der die Spanische Kapelle in S. Maria Novella schmückenden Ge- 
mälde  beide fast gleichzeitig um die Mitte des 14. Jahrhunderts entstanden  
und Filippino Lippfs Werk in der Cappella Caraffa in S. Maria sopra Minerva 
in Rom, welches dem Sieg der Hochrenaissance nur um wenige Jahre voraus- 
geht. Diese drei Hauptwerke der Dominicanerkunst fordern in einer Geschichte 
der christlichen Kunst eine eingehendere Betrachtung. 
Die ,Gloria' oder der ,Trionfo' ist ein Erbstück der Antike. Die in den Der Tl'l 
Spielen und Festzügen der Italiener seit dem 12. Jahrhundert so beliebten 
Triumphe mit den Triumphwagen u. s. f. leiten sich zweifellos aus den triumphalen 
Aufzügen der römischen Kaiserzeit herl. Der Carroccio, den die Mailänder 
1176 in der Schlacht von Legnano mit sich führten und dessen Abbildung 
uns in einer Miniatur erhalten ist, ist sicher eines der frühesten Beispiele 
weltlicher Triumphwagen: aber auch auf ihm erhob sich der Altar mit dem 
Crucifix. In der kirchlichen Kunst veranschaulichen uns der Haller Altar, 
1 Für nmnchc Details verweise ich auf 
meinen Dante S. 728 f, Dazu Jos. BAYER Aus 
Italien (Lpz. 1885) S. 176 f.  
de Part p. 1a Ren. II 57  66. 
MÜNTZ Hist. 
86. 133. 138.
        

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