Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893856
italienische 
lüiihlwanaissanco. 
vornherein eine grössere Velksthümlichkeit besitzen, während derjenige der 
Dominicaner sofort in die engste Beziehung zum kirchlichen Regiment ein- 
rückte und bald als die stärkste Stütze des Papstthums erkannt wurde. Wenn 
ihm daher frühzeitig der doctrinelle und gouvernementale Charakter zuiiel, 
so ist damit durchaus nicht gesagt, dass er zu der ,Peesie der Legende" in 
kein Verhaltniss getreten sei. Im Gegentheil haben sich die Dominicaner, 
wie das auch Wattenbach anerkennt, frühzeitig der Legendenlitteratur be- 
mächtigt: ihr Fratei- Jacobus von Genua (a Voragine, ca. 1244-1298) hat 
in seiner ,Legenda aurea' geradezu das Handbuch geschaffen, dessen sich die 
Künstler viele Jahrhunderte hindurch bei Schilderung der Heiligenlegenden 
bedienten. Dann aber gab es in der Folgezeit ausgedehnte Gebiete, wo wir 
die Predigermönche der Empfindung des Volkes überaus viel näher treten, 
seine innigsten Freunde werden sehen und wo sich in Poesie, Litteratur, Malerei 
die Seele des Volkes gerade vorzugsweise des Mediums der Deminicaner- 
Schriftsteller und Dominicanerkünstler zum Ausdruck ihrer zartesten und köst- 
lichsten Stimmungen bedient. So war es in Florenz, als der hl. Antoninus dem 
florentinischen Volke als treuester Freund zur Seite stand; als Fra Angelico 
den süssesten Duft mystischer Empfindung seinen unsterblichen Schöpfungen 
einhauchte. So war es Wieder in den Tagen, wo Fra Girolamo Savonarola 
die Reactien des christlichen Gefühles gegen die Schaden der Curie und das 
Verderben der Gesellschaft unter unermesslicher Bewegung des Volkes auf 
der Kanzel von S. Maria del Fiore vertrat. So war es das ganze 14. Jahr- 
hundert hindurch in Deutschland, wo inmitten der traurigen Kämpfe zwischen 
Kaiser und Papst die oberrheinischen Deminicaner und Dominicanerinnen im 
engsten Bunde mit den Gottesfreunden durch den Mund eines Tauler und 
seiner Freunde das aussprachen, was die Besten der Zeit bewegte, und wo 
Susois Feder Werke schuf, die, wie die Schilderung der ,geistlichen Gemahl- 
schaft der ewigen W eisheitß einen unerschöpflichen, das Entzücken der edelsten 
Geister bildenden Bern echtester Poesie darstellen. 
Wir haben diese Dinge hervorgehoben, um einem oft wiederholten Schlag- 
wort entgegenzutreten und die Stellung des Predigerordens zu den Quellen 
der christlichen Kunst in ihr richtiges Licht zu setzen. 
Dabei besteht freilich, dass die Kunst dieser beiden grossen Mendicanten- 
erden und insbesondere diejenige der Prediger im 14. und 15. Jahrhundert, 
wenigstens in ihren gressen, gewissermassen ofiiciellen Kundgebungen, wesent- 
lich andere Bahnen einschlägt, als die von dem Laienelement getragene Uebung, 
welche bereits seit den Tagen Dantcis und Giotte's ihre kommende Grösse 
und Ueberlegenheit ahnen liess. Oder vielmehr, es beharrte die Klosterkunst 
bei einem Princip, welches der gesammtcn altern Kunst der Christenheit 
eigenthümlich war, ja ein Lebensprincip derselben ausmacht. Dieses Princip 
ist die Allegoristik: wie mächtig es im 18. und 14. Jahrhundert noch war, 
zeigt Dante's Commedia, die ganz auf ihm aufgebaut ist; und wie stark sein 
Zauber auch noch im 14. Jahrhundert die Welt der Künstler beherrschte, be- 
weist der Umstand, dass selbst die führenden Meister, wie Giotte, Orcagna, 
Lorenzetti, sich seiner Herrschaft nicht zu entziehen vermochten. 
Wir haben seiner Zeit (I, 77) Charakter und Ursprung der altchristlichen in 
Symbolik betrachtet und den engen Zusammenhang derselben mit der von u: 
Alexandrien ausgehenden allegoristischen Schrifterklarung dargelegt. Wir Mi 
lernten nicht minder den verschlagend didaktischen Charakter dieser hellenistisch- 
römisehen Kunst der alten Christen kennen. Wir überzeugten uns dann von
        

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