Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893779
mische 
lPrühronaissance 
dem Instincte des religiösen Genieis die Quelle des kirchlichen Verfalls 
klarer als irgend einer der Gelehrten jener Zeit, klarer als ein Petrarca, 
der gleich ihr sich für die Rückkehr des Papstthuins aus der babylo- 
nischen Gefangenschaft bemühte. Die Worte ,Pace, pace, pace, babbr) Mio 
dolce, pace e non piü guerraf, die sie dem Papste zurief, stehen da a.ls 
unauslöschliches Denkmal ihres Protestes gegen die Verweltlichung einer 
Institution, deren kirchliche Bedeutung und deren geistlicher Beruf von 
Niemand mehr als von ihr verehrt werden konnte. Liebe war der Grundton 
ihres Naturells: sie hat viele Verehrer und Nachahmer unter uns gefunden 
  Niemand hat sie erreicht in der Kunst, die 
  ialgleStfäll Seiten weiblicher Aninutli und Hin- 
  miikä,   ge ung also in den Dienst Christi und seiner 
     3     Kirche zu_ stellen. 
m7,    i? Dies wunderbare Mädchen war 1380, am 
 jyxzf     29. April, 33 Jahre alt, gestorben: doch erst 
 f" (3,737  14'  1461 ward sie canonisirt; der grösste Mann, den 
E1 "  ;j  Siena erzeugt, war. so glücklich, dein grössten 
 Igäriif    Weibe der Stadt diese Ehre zu erweisen. Das 
  {i V  Haus der Benincasa, seither von unzähligen Pil- 
z l Qß r I.  gern besucht, wandelte sich in ein Heiligtliuin um, 
   H" E?! bald baute. der fromme Sinn der uniwohnenden 
   l  Nachbarn JCHG Ixirehe an, die heute noch steht. 
F F: v.  y  (H  Dies neue Bethaus gab Gelegenheit, die Künstler 
ßi   '31,   -V 1,53 zu beschaftigen, die nunmehr weitteifern in der 
v  n)   "i: E  Verherrlichung der Heiligen. An dem Tabernakel 
  3:_   w.  in S. Domeiiico, wo das Haupt Caterinas aufbe- 
     wahrt wird, prangt ausseii ihr Bildniss von Gie- 
  "T. .3      vaniii di Stefan 0. Der silberne Verschluss der 
"i  J     i  Reliquie ist" von FrancescoudAntonio ge- 
i   r g- S  fertigt. Berühmt wurden die Busten der Heiligen 
i;   j_  91.  von Lorenzo Vecchietta (vgl. Fig. 41) und 
h     k. 1  die eines Florentiners in der Casa Palmieri, Welche 
   _i v.   E  Rio geneigt ist einem der Rossellini zuzuschreiben. 
  pm"   Unter den Miniaturistendiat ein sonst unbekannter 
   Meister, Litti Corbizi, in seinem Diurnale 
Fix. n. Vecchietta, in. Katharina (Bibliothek zu Siena) Caterinas Ruhm einen reichen 
vonSicna. Palazzo pubblico zu Siena.   
(Phon Lombmü) Tribut gezollt. Unter den Eingeborenen schuf 
Neroccio für den Altar von Fontebranda eine 
Holzstatue der Heiligen. Niemand aber war so glücklich in der Wiedergabe 
derselben als Sano di Pietro. Die Republik hatte die von Pius canoiii- 
sirte Jungfrau zu ihrer zweiten Beschützerin gewählt und beauftragte Sano, 
das Bildniss derselben für den Palazzo piibblico zu malen. Dies Werk, ob- 
gleich durch Uebermalung in der Reinheit seiner Contouren und der Wir- 
kung der Halbtöne geschädigt, redet heute noch seine ergreifende Sprache. 
Blick, Haltung, Bewegung, die die zarten Glieder leis andeutende Gewai1- 
dung, alles verräth in dem Bilde dieser Jungfrau die mystische Braut des 
Herrn und liefert den Cemmentar zu dem, was der Künstler in den leider 
verlöschten Worten beigeschrieben hatte: 
tu verginc bella, 
di Cristn. e chiara. 
O Caterina, 
Sacra sposa 
stolla
        

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