Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893748
Zweiundzwanzigstes 
Buch. 
(gest. um 1381) und Giovanni d'Asciano, gingen ihnen im Exil aus dem 
Wege. Bewahrten sich die Letzteren eine edlere, wundervollere Auffassung 
und Behandlung ihrer Typen, so verfielen die Künstler, Welche wir inmitten 
des demagogischen Treibens zugleich als Prioren und Capitani del Popolo be- 
glaubigt finden, einer raschen Verwilderung und völligem Versiegen der In- 
spiration. Unter den Malern dieser Zeit sind zu nennen: Luca di Tomm e, 
Berna's Schüler (um 1373-1389 thatig), Lippe Vanni (um 1355-1375), 
Bartoli di Maestro Fredi (1330-1410), Andrea Vanni (1332- ca. 1414). 
Bedeutender ist Taddeo Bartoli (geb. um 1362, gest. 1422), dessen jüngst 
aufgedeckte Fresken in S. Francesco in Pisa einen Meister von Geist und 
Energie verrathen, der den sienesischen Schulstil noch mit allen Mängeln 
seiner Vorgänger festzuhalten suchte. Die im Rathhaus und Dom zwischen 
1400 und 1401 ausgeführten .Wandgemälde sind zu Grunde gegangen. Doch 
haben sich ausser manchen Tafelbildern seine Arbeiten im Spedale zu Siena 
erhalten: sein Colossalcruciiix daselbst beweist bei guter Zeichnung doch eine 
plebejische Auffassung: Taddeo War einer oberflächlichen, hastigen Bravour- 
 malerei verfallen. 
Jacopo della So ging Sienais ältere Malerschule einem unaufhaltsamen Verderben ent- 
 gegen: einen leuchtenden Punkt aber weist diese Periode der sienesischen Kunst- 
geschichte doch auf, und das ist Jacopo della Quercia's (ca. 1371-1438) 
Thatigkeit auf dem Gebiete der Sculptur. Weder vor noch nach ihm hat die 
Stadt einen bedeutenden Bildhauer aufzuweisen, wenn auch eine Anzahl guter 
Madonnenreliefs für den achtenswerthen Antheil zeugt, den Siena an der Ent- 
wicklung der Plastik im Zeitalter der Frührenaissance nahm. Tn Quercia da- 
gegen besitzt es einen Namen, der den grössten Florentiner Sculptoren würdig 
an die Seite tritt und den man den Vorläufer Michelangelds nennen darf, 
mit dessen Lebensschicksalen und Charaktereigensehaften dieser Sieneser auch 
manche Aehnlichkeit hat. Wir kommen anderwärts auf den Meister zurück, 
der die Vaterstadt mit der Fonte Gaia schmückte und ihr den Taufbrunnen 
von S. Giovanni schenkte, der aber gleichwol den grössten Theil seines Lebens 
das Brod der Verbannung ass oder in den ,herrlichen und mächtigen Ilerren 
Prioren und Governatoren der Gemeine Siena' mit erbärmlichen und erbarmungs- 
losen Gönnern zu verhandeln, ohne jeglichen Beistand und Trost gegen etwas 
zu kämpfen hatte, das, wie ltio mit ltecht sagt, schlimmer ist als Missgeschick. 
Und so ward auch durch diesen grossen Künstler bestätigt, wie wenig die 
Kunst zusammenleben kann mit der vielköpiigen Tyrannis einer verwilderten 
Demokratie. 
Aus dem tiefen Elend, in welches der Factionsgeist Siena und seine Kunst 
gestürzt, erholten sich beide einigermassen um die Mitte des 15. Jahrhunderts. 
Die Factoren, denen der sinkende Freistaat diese vorübergehende Erhebung 
verdankte, Waren lediglich religiöser Natur: wie die Kunst der Altsienesen 
in der religiösen Inspiration ihre eigentlichste Quelle besass, so war auch 
dieser allein gegeben, aus der verglimmenden Asche neues Leben zu wecken. 
An jeder Zeit, an jedem Herzen hat die erneuernde Kraft des Christenthums 
sich bewährt  wofern die Menschen des Thaues von Oben nur immer 
begehrten: nirgend in der Kunstgeschichte tritt es so klar hervor wie in 
Siena, welch Vermögen der Regeneration im Glauben und in der Liebe Christi 
beschlossen ist. 
 Drei seiner eigenen Kinder dankt Siena seine wenn auch nur vorüber- 
gehende Wiedergeburt. Ein Sohn der Landschaft hatte als Pius II den päpst-
        

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