Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893727
Buch 
Zweiundzwzmnzigstcs 
in schauerlichen Scenen des Verraths, Betrugs, der Grausamkeit schildert. 
Hat die dem Künstler auferlegte Allegorie, Welche sich nur durch die bei- 
gesetzten Inschriften erklärt, etwas WYOTSlZlITIITIQIIÖGS und Unnatürliches, so tritt 
seine Begabung um so schöner in den Einzelfiguren hervor. Die Iustitia und 
namentlich die Concordia (Fig. 40) gehören zu den edelsten Schöpfungen nicht 
nur der Schule, sondern der gesammten Kunst, Anmuth und Wlürde in gleicher 
Weise paarend. Ghibertfs Urteil: ,Ambru0gi0 Lorenzetti fu perfettissivno rii 
gramle ingegno: fu nobilissiaizo (lisegnatorc    ed altrißvzente dotto ehe nesszmo dqqli 
(aylf, sagt demnach nicht zu viel. Wenn der grosse Bildhauer Ambruogiok 
Wissen lobt, so mag sich das zunächst auf die Thatsache beziehen, dass der- 
selbe, einer der Frühesten, seine Aufmerksamkeit auf Werke der antiken 
Kunst richtete: wie denn seine Zeichnung einer antiken Statue, längst nach- 
dem diese verloren war, Ghiberti selber erfreute. Aber auch darüber hinaus 
liebte es Ambruogio, seinen Geist durch das Studium der Litteratur und den 
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Amhruogio Lorenzctti, 
Allegorie des 
,guton Rcgimcntesä 
Palazzo pubblico zu Sie: 
Umgang mit Gelehrten zu nähren; darin, wie Vasari sagt, mehr wie ein Edel- 
mann und Philosoph denn wie ein Künstler lebend, und dem Gesehmacke des 
Volkes wie den Wandlungen des Glückes unzugänglich. Dieser gelehrten Rich- 
tung seines Geistes werden wir es auch zuzuschreiben haben, wenn wir in den 
den Fresken des Palazzo pubblico beigesetzten Inschriften sozusagen einen Cursus 
der Moral und Politik, ganz auf Aristoteles gestützt, ausgesprochen finden. 
Mit Wehmuth nimmt man Abschied von diesem grössten Vertreter 
der sienesisehen Malerei. 1345 wird er zuletzt urkundlich genannt. Sein 
Tod fällt fast zusammen mit dem grossen ,Sterbent', der 1348 die Lebenskraft 
seiner Vaterstadt und zugleich diejenige seiner Kunst brach. Der Verfall der 
letztern hatte aber auch andere Ursachen. Solange die Sieneser Kunst auf 
dem ihr eigenen Localboden verharrt, blüht sie; sie geht zu Grunde, seit dieser 
Boden mit dem Hader der Parteien, dem Triumph der Demagogie, endlich 
dem Untergang der nationalen Freiheit ihr unter den Füssen versclnvindet, 
und sie gewinnt nur wieder Bedeutung, wo der Versuch gemacht wird, ihn 
wieder zu gewinnen.
        

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