Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893611
Frührenaissance. 
italienische 
erst durch Alberti auf das richtige Mass reducirt wurde. Im Nackten ist 
Giotto noch wenig geübt, doch gibt er seinen Gestalten eine breit geordnete 
Draperie, natürlichen und einfachen Faltenwurf, im Gegensatz zu der stramm 
anliegenden Kleidung der byzantinischen Figuren und den auf dem Schooss 
derselben zusammenlaufenden, concentrischen Falten. In seinen Cruciiixen 
(echte Werke von Giotto in Ognissanti, S. Marco, S. Felice in Piazza; viele 
Schulbilder in Toscana zerstreut) hat der Künstler das Bestreben gehabt, der 
Christenheit etwas Angemessenes und Weihevolles an Stelle der bisherigen 
Werke zu setzen, Welche sich entweder durch die byzantinische Starrheit oder 
durch einen Widerlichen Ueberschuss an Muskelformen und krampfhaften Be- 
wegungen auszeichneten. Sein Typus ist indessen nicht mehr der des lebenden, 
mit der Königskrone geschmückten Helden und Königssohns, sondern des in 
sanftem Tode Dahingeschiedenen (vgl. oben II 1 325). Die Gesetze der Per- 
spective hat auch Giotto kaum noch geahnt, und von Verkürzungen ist bei 
ihm fast keine Rede. Zum Helldunkel linden sich nur leise Anfänge, die 
lteiiexe fehlen ebenso fast ganz. In der Farbengebung beschrankt er sich 
auf die Wiedergabe des Haupttons der Localfarben; Luft- und Farbenper- 
spective kennt er noch nicht, die ganze Farbengebung ist monoton, die Land- 
schaft höchst primitiv, dagegen stellt die ornamentale Decoration einen er- 
heblichen Fortschritt dar. 
Mit All dem aber erschöpft sich das nicht, was Giotto für die Kunst- 
geschichte ist. In unserer Einleitung ist der Satz aufgestellt worden, dass 
mit Dante und Giotto sich in Poesie und Malerei die Entdeckung der Natur 
der Seele vollzieht, dass von jetzt ab innerlich Erlebtes dargestellt werden 
will, der Künstler aus seiner individuellen Inspiration heraus arbeitet, damit 
aber auch der lehrhafte Zweck und die fast ausschliessliche Verwendung über- 
lieferter Typen und Formen zurücktreten (I 5). Wir haben anderwärts (Il 2, 22 f.) 
aufgewiesen, welchen Antheil Dante's Kunstlehre und sein eigenes Beispiel an 
dem sieghaften Durchdringen dieser neuen, individualistischen und dramatischen 
Richtung hatte, mit der die moderne Cultur und Kunst eingeleitet wurden. 
S0 hat sich in der That zu Beginn des 14. Jahrhunderts die Scheidung der 
Geister vollzogen. Das Alte stirbt langsam dahin und neues Leben entspringt 
aus dem Vorgehen der beiden Geistesfürsten, die als Hüter am Eingang des 
Rinascimento stehen. 
Die 
altsienesisclne 
Schule 
und 
ihr 
Ausgäng- 
Hinter Florenz, Rom, Venedig treten Siena und Perugia an Bedeutung 
und Anziehungskraft weit zurück; aber Lage und Geschichte geben beiden 
einen unbeschreiblichen Iteiz und schaffen aus ihnen etwas durchaus Eigen- 
artiges, Unvergleichliches 1.  
lZur Geschichte der SiOIIOSOI Schule: 
GAETANO MILANESI Documenti per 1a storia 
dell' arte senese. 3 voll. Siena 1854-1856. 
 Ders., Scritti vari sulla storia dcl1' arte 
toscana, Sicna 1873, bes. p. 11. 123 f.  
VALLE Lettere Sanesi. 3 voll. Roma 1786. 
 R10 Bd. I. II.  R. VISCHER in Zeitschr. 
f. bild. Kunst X lf.  SCHÖNFELD ebd. XV 
293 (betr. Duccio).  THODE Guido v. Siena 
und die Kunst des 13. Jahrh. (Repert. f. 
Kunstw. XIII 1).  WICKHOFF, s. o. S. 99. 
 THODE Loronzetti (Rupert. f. Kunstw. XI 
1).  Vgl. Kunstchronik XV 179; XVI 12.  
NORTON bei ZAHN Jahrb. f. Kunstw. V 66 (Dom 
betr.).  Domsmm- in Donmm Kunst u. Künstler 
des Mittelalters u. d. Neuzeit II, 1, Nr. 42. 43.
        

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