Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893603
Zweiundzwanzigstes Buch. 
eine derselben zeigt den grossen Lehrer des Ordens, Thomas von Aquiu, er- 
leuchtet durch Christus und unterstützt durch die Weisheit so der Evangelisten 
wie der griechischen Philosophen, wie er die Ketzer zu Schanden und die 
Sache der Kirche zur siegreichen macht. Wir kommen später auf dies Werk 
zurück. Als Porträt des Englischen Lehrers hat das Werk ein besonderes 
Interesse, obgleich kaum festzustellen ist, 0b das 14. Jahrhundert eine ge- 
sicherte Vorstellung von dem körperlichen Aussehen des hl. Thomas besass. 
Das Bild des hl. Dominicus liess Giovanni Coco, ein Freund des Prediger- 
ordens, durch testamentarische Verfügung von 1386 herstellen; seine Voll- 
endung fällt um 1345. Dies Altarwerk, jetzt in der Akademie der Künste 
zu Pisa, zeigt in dem Mittelbild die stehende Gestalt des hl. Dominicus, der 
in der Rechten sein Attribut, die Lilie, in der Linken ein Buch, mit dem die 
Mission seines Ordens bezeichnenden Spruch: ,Vem'te jilii, audite me, timoreziz 
Domini docebo vosl, trägt. Bei allem würdevollen Ernst verrathen die Züge 
Domenicds etwas Weiches, der Umriss des runden Kopfes ist regelmässig 
und edel; die Backenknochen treten breit hervor, der lange Hals ist umwallt 
von weichem, welligem Haar. Die Seitenflügel erzählen die Legende des 
Heiligen, von seiner Geburt an, wo Giovanna Aza in Kindesnöthen liegt und 
der Hund (Dominicaner I canes dominli) mit der brennenden Kerze am Bett 
auf die künftige Laufbahn des Neugeborenen hindeutet, bis hinab zu der 
pompösen Beisetzung der irdischen Reste des grossen Ordensstifters, wie sie 
1238 in S. Domenico zu Bologna stattfand. Diese Bilder athmen die Ver- 
bindung florentinischer und sienesischer Manier, mit stärkerem Vorwiegen 
der letztern. 
Bedeutung Werfen wir noch einmal einen Blick auf das, was Giotto und seine 
difioifkfgf Schule bedeutsam macht und dem grossen Meister seine Stellung in der 
Kunstgeschichte gibt. Die Elemente der giottesken Kunst sind seiner Zeit am 
besten durch Tikkanen analysirt worden. Er hat die starke Concentration 
der Handlung durch das Ineinandergreifen der Einzelmotive und das Weglassen 
des nicht zur Verdeutlichung des Erzählten Nöthigen betont, d. h. also (las 
directe Hinsteuern auf das von ihm gewollte dramatische Ziel, Woraus sich 
die malerische Vertheilung der Rollen, auch der vielseitige Charakter seiner 
Composition nicht minder ergab als das Bedürfniss der Symmetrie und einer 
richtigen Raumvertheilung. In den Gruppenbildern (z. B. der Apostel in dem 
Weltgericht der Arena) tritt hier zum erstenmal die concave Kreisform als 
Basis der Aufstellung uns entgegen  ein Motiv, welches wir in Fra Barto- 
lommeds Giudizio in S. Maria Nuova und bei Raffael (S. Severo, Disputa) wieder- 
finden. Dass der Künstler, den älteren Uebungen entgegen, in der Schilderung 
des Schmerzes Mass zu halten wusste, ist einer seiner besondern Vorzüge, 
wie wir ihn in der Pieta der Arena bewundern. Gi0tto's Gebärdensprache 
geht auf Ausdrucksfähigkeit aus und er kann wol als der Erste bezeichnet 
werden, der das Porträt mit Erfolg in die bildende Kunst einführt. Aber so 
sehr er auch das stereotype byzantinische Oval in der Kopfbildung verlässt, 
er kommt doch noch nicht darüber hinaus, dass seine Gesichter eine merk- 
würdige Uebereinstimmung behalten, die der ganzen Schule eigen ist: das 
Vermögen der Individualisirung ist noch nicht zum Durchbruch gekommen. 
Charakteristisch sind ihm die langgeschlitzten Augen, die zwar auch schon bei 
Cimabue vorkommen, die dann bei Taddeo Gaddi zur Unleidlichkeit auswachsen. 
Giottds Figuren sind zu langgestrcckt; sie haben meist neun oder noch mehr 
Gesichtslängen, ein Kanon, der sich bis tief ins 15. Jahrhundert erhielt und
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.