Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893576
italienische Frührenaissance. 
Unter den Nachfolgern Giotto's ist Keiner bedeutender als Andrea Or- 
eagna, der Sohn des Goldschmieds Cione, der 1366 im Baptisterium des 
hl. Johannes in Florenz den silbernen Altartisch gearbeitet, der altere Bruder 
Bernardo's, der, gleichfalls Maler, seit 1343 auftritt. Andrea, zubenannt 
l'Arcagnolo (abgekürzt Orcagna), hat zwar Giotto selbst W01 nicht mehr ge- 
kannt, aber er erfasste seinen Geist genialer als ein Anderer, fand den Ver- 
irrungen anderer Schüler desselben gegenüber Mass und Naturwahrheit Wieder, 
und führte die giotteske Schule durch das Studium der perspectivischen 
Wirkung einen namhaften Schritt weiter, während er an Reichthum des reli- 
giösen Gefühls und Tiefe der Inspiration Giotto übertrifft und den Weg zu 
Fra Angelico bahnt. In Hinsicht der Composition bildet er das Mittelglied 
zwischen Giotto und Masaccio, während er zugleich (beeinflusst durch den Ge- 
müthsinhalt der sienesischen Werke) die Brücke zwischen Siena und Florenz 
bildet, florentinische Composition mit sienesischer Zartheit und Weichheit vor- 
bindend. Auch er war von der Goldschmiedekunst ausgegangen und er über- 
trug die in ihr nothwendige Sauberkeit und Sorgfalt der Ausführung auf das 
Gebiet der Malerei: immerhin sichert ihm das um 1355-1359 geschaffene 
Wunderbare Tabernakel von Orsamnichele (marmorner Altaraufsatz: vollendet- 
stes Stück die Himmelfahrt Mariae auf der hintern Altarwand) einen der ersten 
Plätze in der Geschichte der aufstrebenden Plastik (Fig. 33) 1. Nie war die 
Assunta edler, leidenschaftlicher, feuriger dargestellt werden. Sein erstes 
malerisches Hauptwerk ist das jüngste Gericht in der Kapelle Strozzi in S. Maria 
Novella (um 1354), wo man des Meisters feinen Sinn für Anordnung, die Natur- 
wahrheit und Individualität der Köpfe, die der Richtigkeit schon sehr nahe 
kommenden Verkürzungen, die Anmuth der Bewegungen, die Biegsamkeit 
der Körper laewundert. Die Vervollkommnung der Luftperspective, die Milde 
und Leuchtkraft der Farben, die reichere Vertheilung der Halbtöne sind Vor- 
züge, (lurch die er sich hier über Giotto erhebt. Paradies (Fig. 34) und Hölle, 
die rechts und links von dem Gericht gemalt sind, beanspruchen das gleiche 
Lob: Orcagnais Auserwählte tragen auf ihrer Stirn jenen Ausdruck hold- 
seliger Versunkenheit, den später Fra Angelico aufs höchste ausgebildet hat. 
Das sehr übennalte, von Vasari dem Bernardo Oione zugeschriebene Inferno 
ist ganz nach Dante's Topographie geschaffen. Höher steht noch das Altar- 
bild derselben Kapelle (1357) mit seinem hoheitsvollen Christus und der 
grandiosen Behandlung der Gewänder. Ihm verwandt ist die übrigens nicht 
völlig beglaubigte ,G-eschichte des Apostels Matthäus" in der Spitalkapelle 
S. Matteo zu Florenz und die ,Ausgiessung des Heiligen Geistes' in der 
Badia. Unerquicklich war des Meisters Verhältniss zu dem Vorstand des 
Dombaues zu Orvieto. Er konnte, durch Arbeiten in der Heimat abgehalten, 
die übernommene vollständige Decoration der Domfaeatle nicht bewerkstelligen; 
er ward seines Amtes entlassen und es war ihm nur die Vollendung eines 
von ihm begonnenen Faeadenmosaiks gegönnt (1360). Dagegen ernannte 
ihn Florenz 1356 zum Mitglied der Commission, welche über den Ausbau der 
Facade von S. Maria del Fiore zu bestimmen hatte, und er hatte die Freude, 
hier sein Projeet angenommen zu sehen. Sein Tod fallt wahrscheinlich ins 
Orcagna. 
Madonna (POrSannüCheIe, tavole (lodeci di- 
segnatc da. FR. PIERACINI 0 incise da P. LA- 
snno, con dichiarazione di G. MASELLI. 
Fir. 1851. 
neilung. 8 
' MILANESI Dclln, Tavola di Orsanmichelc 
etc. Fir. 1870.  ZAHN Jahrb. f. KunstW. 
lV 103.  SURIGNY in DIDRON Ann. XXVI 
26 mit Abbildung.  II Tnbernacolo della 
Kraus, Geschichte der christl. Kunst. II. 2. Abtl
        

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