Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893560
Buch. 
Zweiundzwanzigstes 
Neapel. 
Taddeo 
Gaddi. 
Die Anfange der Renaissance in Neapel zählen zu den dunkelsten Partien 
der italienischen Kunstgeschichte. Die aus dem 13.-14. Jahrhundert ge- 
nannten Namen eines Tommaso degli Angeli (angeblich zwischen 1230-1310), 
Filippo Tesoro (ca. 1270), Simone Napolitano halten vor einer strengen Kritik 
nicht Stand, so dass Crowe und Cavalcaselle (I 263) in der That annahmen, 
Giotto habe durch seine Anwesenheit in Neapel die Kunst dieser Hauptstadt 
gewissermassen aus dem Nichts geschaffen. Indessen waren schon vor Giotto 
toscanische Künstler nach Neapel gerufen werden: so Montano d'Arezzo (1305 
bis  so Bildhauer, welche Bartolommeo da Capua 1314 aus Orvieto ver- 
schrieb. Nach 1317 malte Simone di Martino, das damalige Haupt der 
Sieneser Schule, das berühmte Bildniss des eben kanenisirtcxn hl. Ludwig von 
Toulouse für S. Lorenzo Maggiore in Neapel, dass er sich selbst dort auf- 
hielt, ist nicht wahrscheinlich. Von Giotto selbst hat sich aber in Neapel 
nichts mehr erhalten. Seine Fresken in S. Chiara sind zerstört; was ihm 
sonst zugeschrieben wurde, gehört ihm nicht an. S0 vor allem der hoch- 
interessante Cyklus von Wandgemalden, welche seit 1875 in S. Maria Donna 
Regina aufgedeckt wurden und deren sienesischer Charakter kürzlich die 
scharfsinnige Studie Emile Bertaux' aufgewiesen hat 1. Unter den hier dar- 
gestellten Scenen hat das Weltgericht durchaus nichts mit demjenigen Giotto's 
in Padua gemeinschaftlich. Für die übrigen Bilder, die Darstellungen aus 
der Passion Christi und die angiovinische Königsfamilie im Paradies, könnte 
an Pietro Lorenzetti gedacht werden, der bis 1348 lebte; vor den Ausbau 
der Kirche (1320) könnten die Fresken nicht fallen. 
Dagegen tragen die Wandgemälde in S. Maria l'Incoronata giottcsken 
Charakter, Wenn sie auch nicht von Giotto selbst herrühren können, wie man 
früher allgemein glaubte. Giotto war längst nicht mehr unter den Lebenden, 
als diese Kirche (1352) von Königin Johanna I zur Erinnerung an ihre (zweite) 
Vermählung mit Ludwig von Tarent gegründet wurde; die 1347 gefeierte 
Hochzeit ist mit dem Bildnisse der Fürstin selbst in der Darstellung (les 
Sacramentes vorgeführt. Die Zeichnung dieser Fresken verräth eine schwächere 
Hand als diejenige Giotto's, im übrigen begegnen wir hier der giottesken 
Manier in Anordnung und Gruppenbildung. Das grösste Interesse aber be- 
anspruchen diese Bilder in ikonographischer Hinsicht, insofern sie die erste 
Folge einer vollständigen Darstellung der sieben Sacramente bilden (Abbildung 
der Beichte s. II 1, 397, Fig. 257). 
Drei Geschlechter hindurch hat Giotto die ilorentinische Kunst beherrscht: 
zahlreiche Schüler suchten, was er der letztern zugewonnen, mit mehr oder 
weniger Geist und Geschick zu bewahren. Unter ihnen sind die bedeutendsten: 
Taddeo Gaddi (gest. 1366), von dem wir noch die durch ihre Gewand- 
motive so schönen Fresken aus dem Leben der heiligen Jungfrau in der 
Baroncelli-Iiapelle, am Ende des rechten Querschiffes von S. Croce besitzen 
und dem wir wol auch das grossartige Abendmahl im ehemaligen Befecterium 
des Klosters zuschreiben dürfen. Weiter Agnolo Gaddi, Taddeds Sohn 
(gest. 1396), Tommaso di Stefano (Giottino, gest. nach 1369), Andrea 
()rcagna (gest. 1368), Nardo Orcagna (gest. 1365), Antonio Vene- 
ziano, Francesco da Volterra, welche beide im 14. Jahrhundert im Pisaner 
Campesanto arbeiteten, Spinello Aretino (gest. 1410), Niccolo Gerini. 
' EMILE BERTAUX Santa. Maria di Donna 
Regina c Tarte senese a Nzlpoli nel socolo 
XIV (Soc. 
menti etc. 
di storia 
Serie, I). 
Napol. 
Nuova 
patria, Docu- 
Napoli 1899.
        

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