Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die Kunst des Mittelalters, der Renaissance und der Neuzeit: Renaissance und Neuzeit
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892262
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1893470
italienische 
Frührenaissance. 
Giotto 1 ist nach Vasari 1276, in Wirklichkeit (nach Antonio Pucciis An- 
gaben) W01 um 1266 in Colle bei Vespignano im Mugello als Sohn des Land- 
mannes Bondone geboren 2. Die Chronologie seines Lebens ist noch lange 
nicht klargelegt; im allgemeinen wird festzuhalten sein, dass er seine eige11t- 
liche die Richtung bestimmende Lehrzeit während seines ersten Aufenthaltes 
in Rom (1291) gemacht, wo er die erste Ausbildung sehr bald in seiner 
ausgeprägten Richtung auf das Architektonische fand und sich, wie Zim1ner- 
mann (S. 309) nachgewiesen hat, derjenigen von den in Rom herrschen- 
den Schulen anschloss, welche von byzantinischen Elementen sich soviel als 
möglich frei hielt. Insbesondere scheinen die Fresken in der Unterkirche von 
S. Clemente auf ihn eingewirkt zu haben. Damit war ein Anschluss an die 
altchristliche Kunst gegeben, über die er freilich sehr bald in seinen Compo- 
sitionen wie in seinen Typen weit hinaus ging. In hohem Grade bedeutsam 
aber musste für ihn das Studium der römischen Mosaiken und der cosmatischen 
Arbeiten sein, konnte man doch in den sechs musivischen Darstellungen aus 
dem Leben Maria in S. Maria in Trastevere, welche Vasari dem Pietro Cavallini 
zuschreibt (s. oben S. 86), eine Mitwirkung Giottds erblicken. Jedenfalls 
dürften die Beziehungen zu Cavallini schon jene Zeit füllen. Als unmittelbare 
Früchte dieses ersten römischen Aufenthaltes wird man die etwa denselben 
Jahren angehörenden frühesten Arbeiten Gi0tto's in S. Francesco zu Assisi, 
die Bilder aus der Geschichte Isaaks in der dritten Arcade der rechten Seiten- 
wand in der Oberkirche und die ersten (12) Scenen aus der Legende des 
hl. Franciscus (beginnend auf der rechten Seitenwand der Vierung) bezeichnen 
dürfen. Ware wirklich Giotto von dem Ordensgeneral Fra Giovanni di Muro 
nach Assisi berufen worden, so könnte diese seine erste Anwesenheit daselbst 
nicht vor 1295 fallen. Im Jahre 1298 ist er wieder in Rom, wo ihn Cardinal 
Jacopo Gaetano Stefaneschi, der Nipote Bonifaz' VIII, fünf seither zu Grunde 
gegangene Bilder in der Tribuna von S. Pietro und in der Sacristei daselbst 
,Za tavola principalä, wie Vasari sich ausdrückt, schaffen liess; mit letzterm 
ist wol das Altarwerk (ursprünglich Ciborium des Cardinals Stefaneschi) ge- 
meint, von dem einzelne Tafeln jetzt noch in der Stanza capitolare zu sehen 
sind 3. In dieselbe Zeit fallt das berühmte Mosaikbild der Navicella (die 
Scene bei Matth. 14, 22-34), welches Giotto für das Atrium der Peters- 
kirche ausführte (Fig. 25) und das nach mancherlei Schicksalen, fast gänzlich 
erneuert, auf uns kam (Vorhalle von S. Pietro). Von dem ursprünglichen 
Zustande des Werkes gibt die unter Urban VIII (um 1629) gefertigte Gopie 
' Vgl. MILANESI zu Vnsari (ed. SANs.) I 
371 sg.  R10 L'art chröt. I.  RUMOHR II. 
 LADERGHI Nuov. Antol. 1867.  Dommm 
Giotto (in Dohmds ,Kunst und Künstlel").  
HARRY QUILTER Giotto. Lond. 1880.  Rmum. 
It. B1. S. 56 f.  SELVATICO Scritti p. 215. 
J. J. TIKKANEN Der malerische Styl Giottds. 
Helsingsfors 1884.  Lornm (betr. Arena) 
Zeitschr. f. bild. Kunst IV 12.  SPRINGER 
ebd. XV 346.  C. FREY Studien zu Giotto 
(J ahrb. d. k. prcuss. Kunstsamml. VI (1885) 
107; VII (1886) 101.  Ders. in s. Ausgabe 
des Cod. Magliabecch, wo der Versuch einer 
chronologischen Fixirung von Giottds Werken 
gemacht ist.  Kunstchron. IX 549 (Arena). 
 H. JANITscnEK Die Kunstlehre Dante's 
und Gi0'tt0's Kunst. Lpz. 1892.  M. G. 
ZIMMERMANN Giotto und die Kunst Italiens 
im Mittelalter I (Lpz. 1899). 
2 Dies hat DAVIDSOHN Die Heimath Giottds 
(Repert. f. Kunstw. XX 272 f.) festgestellt. 
Vieles Urkundliche bei FIL. BALDINUCUI Not. 
de' Professori del disegno I (ed. MONNI 1767) 
141 f.  HENRY THODE Franz v. Assisi und 
die Anfänge der Kunst der Renaissance in 
Italien. Berl. 188-5.  T110DE's neueste 
Schrift über Giotto (1900) konnte hier leider 
nicht mehr benutzt werden. 
3 Abbildung bei ZIMMERMANN S. 397, 
Fig. 136 f.
        

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