Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886513
Altchristlieh eiMalerei. 
erklärt sich denn, dass das gesammte decorative System der Katakomben eine 
fast ganz heidnische Physiognomie hat. 
Zur Unterstützung dieser Sätze untersucht nun Rochette einige Typen, 
in denen er directe Entlehnung aus dem Bildersehatz der vorchristlichen Kunst 
glaubt nachweisen zu können. Es sind das vorab: der gute Hirte, in welchem 
er eine Herübernahme des Hermes Kriophoros der griechischen Kunst sieht; 
Noe in der Arche, den er den Münzen entlehnt sein lässt, welche die Fluth 
des Deukalion darstellen; Orpheus, der ja selbstverständlich der Mythologie 
der Griechen entlehnt ist; ebenso wie die Sibyllen aus den bekannten Vor- 
stellungen der antiken YVelt hervorgingen, und das bei den Christen so be- 
liebte Weinlaub, die Vendemmien u. dgl. auch als heidnischer Gräberschmuck 
nachweisbar sind. Die himmlische Mahlzeit und die Agapen der Katakomben 
sind Rochette nichts als eine Herübernahme des Tricliniuln funebre der 
Römer; vollends zur Gewissheit gebracht wird aber die Entlehnung durch 
die Betrachtung des von Bottari veröffentlichten Gastmahls und des Todten- 
gerichts jener synkretistischen Katakombe, deren wir bereits gedacht haben. 
Rochette hält sie für eine Grabstätte der römischen Christen und gründet 
darauf zum guten Theil sein ganzes System. Es versteht sich, dass er nicht 
unterliess, auf die Verwendung rein mythologischer Typen, wie Perseus und 
Bellerophon, Herakles und Theseus, zu verweisen. Diese durchgängige Ab- 
hängigkeit von der heidnischen Kunst wird dann weiter an den epigraphischen 
Formeln, an den Symbolen (Thiersymbolen, Pflanzensymbolen etc.; dem 
Ichthys u. a.) und Personiflcationen, endlich an den in den Katakomben ge- 
fundenen Gegenständen des täglichen Gebrauchs, des Schmuckes, an Lampen, 
Gefässen, Instrumenten aller Art aufgewiesen. 
 Bei all dem hielt Raoul Roehette im allgemeinen durchaus an der symbo- 
lischen Bedeutung der altchristliehen Bildwerke fest, wie er auch den symbolisch- 
allegorischen Charakter des vorchristlichen Gräberschmuckes annahm. 
Als der französische Archäologe diese Ansichten vortrug, war die Kata- 
kombenforschung vollkommen verlassen, und es ist zweifelhaft, ob und was 
er selbst von den Monurnenten dieser Roma sotterranea mit eigenen Augen 
gesehen und geprüft hat. Viele Jahre später zeigten ihm die neuen grossen 
Entdeckungen, wie sehr er sich über Werth und Charakter der vorconstantini- 
sehen Katakombenmalerei getäuscht hatte. Die Ausführungen de Rossiis 
bewiesen ihm, wie sehr er das System der ,Entlehnungen' übertrieben hatte; 
S16 brachten ihm die Ueberzeugung bei, welche er auch aussprach, dass die 
Von ihm in den dreissiger Jahren gelehrte Theorie von der totalen Abhängig- 
keit und Unselbständigkeit der christlichen Kunst der ersten Jahrhunderte 
angesichts der nun gewonnenen Einsicht unhaltbar sei. 
 Diesen Verirrungenl folgten andere, an denen hauptsächlich protestan- 
tische Theologen Deutschlands ihren Antheil hatten. 
Piper, welcher unter den Theologen des protestantischen Nordens lIlPipcr. 
unseren Tagen zuerst und gewiss nicht ohne anerkennenswerthe Erfolge das 
Gebiet der altchristlichen Kunst bebaut hat, konnte sich in seiner Mythologie 
 
'Wie nahe dieselben auch jetzt noch 
liegen, zeigt die Leichtigkeit, mit welcher 
man Analogien ündet, auch da, wo nicht im 
entferntesten an eine Nachahmung antiker 
Werke gedacht werden kann. Ich verweise auf 
O. BENNDORFS Wiener Vorlegoblätter 'I'af. 11 
(Parallele zwischen den Bildern des Polygnot 
in Delphi  Fortfragung verwundeter oder 
todter Krieger  mit Rafaels Grablegung 
des Herrn).
        

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