Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886479
Altchristliqltxe Mällelli. 
sein. Noch grösser wird die Schwierigkeit durch die von den Vätern ge- 
gebene Ausdeutung der auf den einzelnen Scenen wiederkehrenden Details. 
So soll auf den Jonasbildern die Querstange des Schiffes das Kreuz, das 
Behemah die Hölle, der Schatten der Kürbisstaude die Verheissungen des 
Alten Bundes andeuten. Auf der Hochzeit zu Kana (dem Bilde der Trans- 
substantiation und der Taufe?) sollen die sechs Wasserkrüge die sechs Zeit- 
alter der Welt bedeuten. In der wunderbaren Brodvermehrung soll bei den 
fünf Broden an die fünf Bücher des Pentateuchs zu denken sein. In der Dar- 
stellung der Hamorrhoissa, welche die Ecclesia ex gentibzis symbolisirt, soll 
der Saum des Kleides Christi die Kirche, ihr Bluttluss die Vergiessung des 
Blutes der Martyrer vorstellen. Schlimm ist weiter, dass die Vater selbst in 
der allegorischen Erklärung solcher Scenen und ihrer Einzelheiten keineswegs 
übereinstimmen. Noch bedenklicher muss aber die Willkür erscheinen, welche 
über deren Exegese hinaus noch anderes in die alten Bildwerke hinein- 
geheimnisst hat. S0 hat man in der Grabaedicula des Lazarus ein Bild der 
triumphirenden Kirche gesehen, weil ihre Steine an den in der Vision des 
Hermas geschilderten Thurmbau erinnern; in den sieben Früchten, die an dem 
Paradiesesbaum hängen, sollen die sieben Hauptsünden symbolisirt sein; J onas 
unter der Kürbisstaude soll das Vertrauen auf Gott vorstellen, u. s. W. 1 Was 
alles man in ein Bildwerk hineindeuten kann, zeigt Le Blant an der unsinnigen 
Ausdeutung, welche man drei Scenen der berühmten Cassette von Brescia 
gegeben hat, die ganz einfach Davids Kampf mit Goliath, den ungehorsamen, 
von dem Löwen getödteten Propheten (3 Kön. 18, 24) und das Opfer des 
Elias (ebd. 18, 31-38) wiedergeben 2. 
Unter diesen Umständen glaubt Le Blant eine symbolische Ausdeutung 
nur da zugeben zu dürfen, wo die Absicht der Allegorisirung klar und un- 
zweideutig ausgesprochen und durch die begleitenden Umstände bestätigt wird. 
Dagegen schlägt er einen andern Weg ein, um eine Reihe von Sar- 
kophagreliefs zu erklären. Er geht dabei von dem richtigen Gedanken aus, 
dass nur die in das Volksbewusstsein eingedrungenen Allegorien eine künst- 
lerische Verwendung gefunden haben dürften und dass darum vor allem 
Soenen, welche die Idee der Beseligung und der Auferstehung nahelegten, 
wie die Jonasbilder, Lazarus, Daniel in der Löwengrube, die Auferweckung 
des Jünglings von Naim, der Tochter des Jairus, die Vision des Ezechiel, so 
oft wiederholt werden. 
Sehr beachtenswerth ist dann aber weiter eine Thatsache, von welcher Die Todten- 
die fernere Argumentation Le Blants ausgeht. Es steht fest, dass Texte "tmgiem 
aus den Todtenliturgien nicht selten auf altchristlichen Grab- 
Sehriften Verwendung fanden. Stellen aus den Psalmen, Job und 
Johannes, welche beim Ofßcium MOTÜMOTII-In recitirt wurden, begegnen uns auf 
Epitaphien in Vercelli, Neapel, Comachio, Rimini und anderwärts. Die Parabel 
V0n den zehn Jungfrauen, welche bei der Bestattung von Virgines Deo dicatae 
verlesen wurde, erscheint auf ihren Epitaphien. In dem Fragment einer 
Lyoner Inschrift VT INTER ELECTV    war nicht schwer das alte Gebet: 
Uf    inter electos iubeas adglregcvre, zu erkennen. Andere Grabschriften bieten 
dle Formeln des Gelasianischen und Gregorianisohen Sacramentars DOMINE    
SVSOIPE ANIMAm, oder in der Inschrift SOLVS DEVS ANIMAM TVAM] 
DEFENDAD ALEXANRE das Gebet bei der letzten Oelung: Dominus Iesus 
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