Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886455
Altchristliqlme Malgrjc-zi: 
des S. Jahrhunderts1 anzunehmen, die alte Kirche habe gewissermassen die 
Hand der Künstler geleitet und jedem einzelnen Zug eines Bildes seine be- 
sondere Bedeutung gegeben. Mit dieser Annahme steht die Thatsache in 
Widerspruch, dass unsere biblischen Darstellungen häufig Einzelzüge darbieten, 
welche in der Heiligen Schrift nicht begründet sind oder gar im Widerspruch 
Zu ihren Angaben stehen. So sehen wir neben Pilatus einen Beisitzer, von 
dem das Evangelium nichts weiss 2; David und Goliath erscheinen von gleicher 
Grösseö"; die Zahl der Wasserkrüge von Kana bald grösser, bald kleiner 
als bei Johannes (2, 6) 4; Eva in einer ausgesuchten Toilette, mit Armbändern 
und einem Halsbande geschmücktö; Lazarus nicht in einer mit einem Stein 
beschlossenen Spelmzca, wie Johannes berichtet, sondern in einer mit einem 
Giebel bekrönten Aedicula"; ebenderselbe in einem Leichentuch mit offenem 
Antlitz, während Johannes (11, 44) ihn nach ägyptischer Sitte von Wickeln 
umhüllt, das Haupt verdeckt, zeigt7; monumentale Arcaden in der Wüste, 
hinter den Hebraern, die eben das Rothe Meer passirt habenß; Job auf einem 
eleganten Steinsitz statt auf seinem Mist- oder Aschenhaufenß; Abraham 
nicht vor dem von eigenen Händen aus rohen Steinen gebauten Altar (l Mos. 
22, 9), sondern vor einem schönen, sorgfältig gearbeiteten und an seinen 
Seiten zuweilen die Patera, das Simpulruvn. der heidnischen Altäre, tragenden 
Altar 10; der von dem Löwen zerrissene ungehorsame Prophet (3 Kön. 13, 24) 
wie Lazarus eingewickelt und beigesetzt 11; Daniel auf einem Felsen als Tribunal 
sitzend 12; Maria und Martha dem Herrn an Körperwuchs bald gleich, bald 
ungleich 13. So erscheinen des weitern, ohne dass der biblische Bericht dazu 
einen Anlass gäbe, noch eine oder mehrere Personen neben Moses vor dem 
brennenden Dornbusch, oder bei Abel und Kain, die ihr Opfer darbringen, 
bei Daniel in der Löwengrube, bei Abrahams Opfer, bei der Austreibung der 
Stammeltern aus dem Paradies. Und wie erklären sich Inadvertenzen, welche 
einen Künstler neben den Kopf Adams ABRAM, neben den eines Heiligen 
CRISTVS schreiben lassen? 
Neben solchen Beweisen für die individuelle Initiative und Unabhängig- 
keit der ausführenden Künstler findet Le Blant solche, welche den Einfluss der 
Ateliergewohnheiten darthun, aus denen sich auch die Einführung von der 
heidnischen Kunst geläufigen Typen erkläre: so diejenige der das Epitaph 
haltenden nackten und geflügelten Genien (Putti), die hier und da von ihnen 
umgekehrt gehaltene Fackel, die Tritonen, die ornamentalen Gestalten des 
Atlas oder Telamon, die Pcrsoniücationen der Winde, des Himmels, der 
Flüsse, des Meeres. Aus denselben Gründen erklärt es Le Blant, wenn das J onas 
1 Conc. Nicaen. II, a. 787, act. VI (19ei 
LABBE IV 360). Vgl. Emzmo DAVID Histolre 
de 1a peinture au moyen-äge (1842) p. 73 S. 
2 BOTTARI tav. 48.  LE BLANT 1- ß- 
pl. 9. 
3 LE BLANT Sarcoph. de Gaule n. 17. 
4 Ln BLANT 1. o. pl. 5. 6. 7. 
5 BOTTARI tav. 60. 96.  GARRUGGI 
Vetri 2 II 1- 2. LE BLANT Sarcoph. d'Arles pl. 35 
(Schüssel von Podgoritza). 
6 Auf allen Sarkophagdarstellungen des 
Sujets.  
7 DE Rossx Roma sotterranea II tav. 14. 
15 und die Sarkophage. 
8 Bourmm tav. 194. 
9 L1: BLANT Sarcoph. d'A1'les pl. 63 und 
auf einem Relief des Lateranmuseums. 
w BOTTARI tav. 27. 29. 33. 40. 84. 89. 
Sarcoph. d'Arles pl. 6. 8 u. s. w.  Bom- 
TARI tav. 15. 27.  FERRARIO Mon. di 
S. Ambrogio in Milano tav. 15. 
11 013011101 Mon. crist. di Brescia tav. 6 15. 
12 BOTTARI tav. 88. Sarcoph. d'Ar1es pl. 8. 
ß Die Schwestern sind als untergeordnete 
Personen meist kleiner dargestellt als Chri- 
stus, doch kommen auch Ausnahmen vor, 
wie Bormm tav. 42. 44. LE BLANT Sarcoph. 
d'Arles pl. 7.
        

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