Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886441
Drittes 
einer festen Methode geleitet zu sein. Bosio besass eine für seine Zeit sehr 
beachtenswerthe Belesenheit in der altchristlichen Litteratur; aber diese seine 
Zeit benutzte noch manche Schriftstücke als echte Erzeugnisse der ersten 
Jahrhunderte, über deren spätere Abfassung heute kein Zweifel mehr waltet. 
War auf diese Weise die litterarische Unterlage noch unsicher, so war auch 
sein Verfahren in der Bildererklärung vielfach rein eklektisch und willkürlich. 
Dass man die Schriftsteller des christlichen Alterthums zur Erklärung der 
Bildwerke der Katakomben heranziehen müsse, war ein richtiger Grundsatz; 
aber vielfach gefehlt wurde darin, dass man Schriftsteller sehr verschiedener 
Zeiten und Orte zur Erklärung eines Bildwerkes anzog, das doch nur aus 
der es umgebenden Atmosphäre zu beleuchten war. Und andererseits hatte 
die von den Alexandrinern auf die Abendländer übergegangene allegorische 
Schriftauslegung vielfach zu der Manie geführt, bestimmten Texten und Vor- 
stellungen einen mehrfachen allegorischen Sinn unterzuschieben. Nicht jeder 
Einfall dieser allegorischen Spielerei hat ein Recht, zur Basis der Bilder- 
erklärung gemacht zu werden; nur diejenige Allegorie oder Symbolik darf 
als massgebend angesehen werden, welche, der Gemeinde geläufig und ins 
Bewusstsein derselben eingetreten, ein Stück ihrer Allen verständlichen Bilder- 
sprache bildete. Unter den Händen von B0sio's Nachfolgern verschlechterte 
sich in dieser Hinsicht die Interpretation eher, als dass sie sich verbesserte: 
das zeigen nicht bloss gewisse populäre Werke über die Katakomben, wie 
diejenigen Gaume's und Otts, sondern selbst die gelehrte Forschung, wie die 
von P. Garrucci vertretene Richtung, war von Ausschreitungen nach dieser 
Seite nicht freizusprechen. Zum guten Theil hingen dieselben mit der eben- 
falls seit Bosio in den katholischen Kreisen feststehenden Ansicht zusammen, 
dass der Zweck der bildlichen Darstellungen in der Katakombenkunst ein 
lehrhafter gewesen sei und dass die kirchliche Lehre daher in derselben eine 
wesentliche Unterstützung empfange. Wir werden sehen, was an dieser Vor- 
stellung Wahres ist. Schon jetzt aber muss hervorgehoben werden, wie sehr 
die Fehler und Einseitigkeiten bei gewissen Vertretern der römisch-traditio- 
nellen Auffassung gegnerischerseits übertrieben und wie unrichtig dieselben 
auf Alle ausgedehnt wurden, welche im allgemeinen auf dem Boden jener 
Anschauungen stehen. Jedenfalls hat de Rossi diese Fehler und Einseitig- 
keiten im allgemeinen streng vermieden, und sicher hat auch der Verfasser 
dieses Werkes sich stets gegen Extravaganzen, wie sie soeben hervorgehoben 
wurden, zu verwahren gewusst. 
am Innerhalb der katholischen Kreise selbst hat Edmond Le Blant, der hoch- 
"mtm verdiente Herausgeber der christlichen Inschriften und Sarkophage Galliens, 
zuerst und am energischesten auf die Bedenken hingewiesen, welchesich bei 
der bis dahin geübten lnterpretationsmethode herausstellten 1. Er leugnet 
nicht, dass ein Theil der altchristlichen Bildwerke symbolisch aufzufassen ist. 
Noe in seiner Arche als Bild des durch den göttlichen Schutz geretteten 
Gläubigen; der Fisch als Bild des Erlösers; Petrus dem Moses, welcher an 
den Felsen schlägt, substituirt; das Lamm als Sinnbild Christi; Susanna 
zwischen zwei Wölfen und das von dem Herrn und seinen Jüngern geführte 
Schiff: das sind auch ihm Darstellungen von unzweifelhaft symbolischem Cha- 
rakter. Zunächst aber erscheint ihm unzulässig, auf Grund eines Zeugnisses 
1 L1: BLANT Etude sur les sarcophages 
chrätiens antiques de 1a ville d'Arles. Par. 
p. vn s. 
p. 223 ss. 
1878. Intlrod. 
archäol. 1879, 
Desgl. 
576 ss. 
in 
der Rev.
        

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