Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886439
Altchristliche Mßlelli. 
der profanen heidnischen Bevölkerung und vielleicht auch der Inspection der 
Pontiiiees und der Polizei hauptsächlich ausgesetzten Localitäten Bilder von 
positiv christlichem Inhalte zu vermeiden. Dementsprechend sehen wir z. B. 
in dem Coemeterium der hl. Domitilla die der Strasse zugekehrte und Allen 
zugängliche Eingangshalle mit einer decorativen Malerei versehen, welche 
sich in nichts von derjenigen profaner Gräber an der Via Latina unterscheidet; 
die Weinranken, welche hier die Wände schmückten, konnten höchstens dem 
Eingeweihten etwas mehr andeuten. Geht man aber aus diesem Vestibulum 
in die zu dem Innern der Nekropole führenden Gänge, so stösst man sofort 
auf Daniel zwischen den Löwen und andere symbolische Scenen, welche nur 
den Christen eigen Waren. Man sieht an dieser höchst lehrreichen Disposition, 
wie sich die christliche Kunst in ihrem frühesten Stadium entwickelt hat. 
Das decorative System wird einfach so übernommen, wie man es in ganz 
Rom gewohnt war. Sofort aber geht man da, wo es ohne grosse Gefahr 
geschehen kann, zu biblisch-symbolischen Darstellungen über, welche als die 
früheste Incarnation des christlichen Geistes auf dem Gebiete der Kunst zu 
betrachten sind. Einige dieser Allegorien haben einen sepulcralen Charakter, 
d. h. sie beziehen sich auf die Gedanken, welche diese Stätten des Todes und 
des Grabes nahelegen; andere dienen dem Einzelnen wie der Gemeinde als 
Aufmunterung und Erhebung im Kampfe dieses Lebens und unter dem Druck 
der Verfolgung; es treten allmählich Scenen hinzu, welche gewisse Lese- 
Stücke der Liturgie illustriren. All diese Darstellungen sind zunächst rein 
symbolisch-allegorischen Charakters. Erst gegen Mitte des 3. Jahrhunderts 
scheinen biblische Scenen nach ihrem historischen Charakter aufgefasst, und 
selbst Scenen aus der Geschichte der Kirche aufzukommen. Noch später er- 
scheinen die ikonographischen Sujets. Mit dem Siege Constantins und der 
Freigebung der Kirche entfallen zum grossen Theil die Gründe, welche dieser 
die Arcandisciplin und ihrer Kunst den vorwaltend symbolischen Charakter 
aufgedrückt haben: die Darstellungen nehmen jetzt einen specifisch historischen 
Charakter an, sie meinen das eigentlich, was sie vorstellen, und seit Ende 
des 4. Jahrhunderts entwickeln sich allmählich" die grossen Bildercyklen, 
welche wie aufgeschlagene Bibeln jenem Zweck der Erbauung und der Be- 
lehrung dienen, welcher übrigens, wenn auch weniger klar heraustretend, zu 
keiner Zeit auch den vorconstantinischen Katakomben gefehlt hat. Zu den 
Typen, welche die ersten Jahrhunderte geschaffen, treten neue hinzu, der 
Bilderkreis erweitert sich zwischen dem 4. und 6. Jahrhundert wesentlich 
und gestaltet sich zu jener Grundlage christlicher Ikonographie, von der sich 
das Mittelalter niemals gänzlich entfernt hat. 
Aber Wie haben sich jene ersten constitutiven Typen der Entstehung 
altchristlichen Kunst gebildet, und Welche Grundsätze haben  
uns bei der Erklärung ihrer Symbolik zu leiten? Typen- 
Diese beiden Fragen stellen die bedeutsamste Controverse dar, 
welche die Geschichte der ältern christlichen Kunst anlangt und ohne deren 
eingehende Besprechung und Erledigung wir hier nicht weitergehen können. 
Es kann nicht geleugnet werden , dass die im 16. und 17. Jahrhundert 
zuerst auftretenden Versuche einer Interpretation altehristlieher Bildwerke 
Weit entfernt waren, von einer klaren, bestimmten Einsicht getragen und "von 
K rau s, Geschichte der ehristl. Kunst. I. 5
        

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