Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886422
Drittes Buch. 
mässigkeit erinnernde Schwerter, Bogen und Becher, noch endlich die Sinnlich- 
keit reizende nackte Figuren anbringen. W01 aber seien Symbole von christ- 
licher Bedeutung statthaft, so die Taube, der Fisch, das Schiff, die 
Leier, der Anker, der an den Fischzug des Apostels erinnernde 
Fischer l. 
31231101! von Dem gegenüber erhebt sich allerdings die Frage, was von dem Kanon 36 
VW des Coneils von Elvira (306) zu halten sei, welcher die Anbringung von 
Gemälden der heiligen Personen und Gegenstände an den Kirchenwänden 
ausdrücklich untersagt (Placuit pictzaras in ecclesia esse non debere, ne guorl 
colimr et acloratur in parietibus depingatur) 2. Die meisten protestantischen 
Ausleger geben dieser Verfügung eine entschieden bilderfeindliche Tendenz, 
Wobei neuestensß freilich zugegeben wird, dass unbekannte locale Verhältnisse 
sie geschaffen zu haben scheinen und dass ihr jedenfalls keine Folge gegeben 
wurde. In der That konnten die Beschlüsse der Väter von Elvira keinen 
Anspruch erheben, über ihre Kirchenprovinz bezw. Spanien hinaus für die 
ganze Kirche Geltung zu haben. Aber ist der Kanon überhaupt und Wirklich 
als ein generelles Verbot bildlicher Darstellung der Heiligen anzusehen? Er 
spricht nicht von der Verwendung der Kunst im allgemeinen, er verbietet 
nicht Bilder in den Grabanlagen oder auf Schmuckgegenständen, wie deren 
 hundert Jahre vorher der alexandrinische Gelehrte beschreibt: er spricht 
nur von den Versammlungsorten der Gläubigen, an deren Wände jene 
heiligen Dinge nicht gemalt werden sollen. Man hat sich bei ,Eccles'ia' 
hier entweder "die auf den Grabanlagen stehenden Memoriae oder Basilicac 
cimiteriales oder die innerhalb der Städte in den Häusern angelegten Oult- 
stätten zu denken. Durch positive christliche Bildwerke gekennzeichnet, waren 
die einen wie die andern der Zerstörung ausgesetzt, welche das erste Edict 
Diocletians kurz vorher über die Conventiczela oder die Ecclesiae der Christen 
verfügt hatte. Es war Grund genug vorhanden, dem Verfolger durch An- 
bringung solcher Bilder nicht geradezu den Weg zur Auffindung und Fest- 
stellung der als Oonventiczala gebrauchten Räumlichkeiten zu zeigen. Es ist 
schwer einzusehen, weshalb ein weiterer Anlass zu dem berührten Kanon ge- 
sucht werden musste und weshalb die von uns gegebene Erklärung, wie 
Victor Schultze meint, nicht mehr in Betracht kommen könne. 
Wir sagen also, dass für die Christen der ältesten Gemeinden durchaus 
kein Grund vorlag, ihre Wohnungen, ihren Hausrath, ihren Schmuck, ihre 
Gräber nicht in derselben Weise künstlerisch auszugestalten und zu zieren, 
wie sie das von Hause aus gewohnt waren und wie uns das die Reste römi- 
schen Alterthums in Anlagen zeigen, welche der Entstehungszeit der ältesten 
Katakomben nahe stehen: in den Ruinen von Pompeji und Herculaneum, in 
denjenigen der palatinischen Gärten, der Oestiuspyramide, den Gräbern der 
Via Latina u. s. W. Die einzigen Rücksichten, welche sie hierbei leiten konnten 
und mussten, das waren einerseits die Fernhaltung all jener Darstellungen, 
welche mit der Lehre der Kirche und mit den guten Sitten der Gemeinde 
unvereinbar waren, und anderseits die Nothwendigkeit, in den dem Besuche 
1 Ibid. p. 289: Ai 8:3: o-gopayföeg 7514711 äirraw 
rrsllszaig, vj 3119653 Ü vaüg oöpauoäpopoüaa, i] 
Äüpa [wuo-uoj, f zäxprjraz HoÄuxpoi-rqg, v? 
äipzupa vaunzvf, Zu Eälsuzog auvszapoirram 15;; 
ylugoä. Käu äheäwv n; i, ävroarölou pepurjasraz 
7.012 161V äE Üöarog äuanwwjlävwv nazöizuv. 
2 Vgl. v. HEFELE Conciliengeschichte I 2 
170. Dazu DE Rossl Roma sotterranea. III 
475. KRAUS Roma sotterranea S. 221 f. 
3 V. SGHULTZE Die Katak. S. 89. Ebenso 
auch noch in seiner neuesten Schrift: Arch. 
d. altchristl. Kunst (Münch. 1895) S. 11.
        

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