Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886409
Drittes 
Buch. 
solchen charakterisirt er sich allerdings selbst in dem in die Acten der zweiten 
ökumenischen Synode zu Nicäa (787) aufgenommenen Schreiben an die Schwester 
des Kaisers Constantin, Constantia 1. Die Fürstin hatte ihn um ein Bild Christi 
gebeten. Er fragt sie darauf, was für ein Bild Christi sie haben wolle? 0b 
das Bild, welches seine Wahre, unveränderte Gottheit ausdrücke, oder ob das, 
welches seine Erscheinung in der menschlichen oder Knechtsgestalt (z-ig m5 
äoülou yopgaäg rreprüäfrevzßg u) aliya) darstelle? Von beiden Existenzweisen des 
Erlösers sei eine eigentliche Abbildung nicht möglich, da wir Weder die göttliche 
Natur des Sohnes noch Christi Erscheinung im Fleische kennen. Solche Bilder 
solle man daher gar nicht haben; auch habe er einer Frau, welche Bilder des 
Paulus und Christi besessen, dieselben weggenommen, damit sie ihr und Andern 
nicht zum Aergernissc gereichten. Es scheine ihm überhaupt nicht angemessen, 
solche Bilder vor den Heiden sehen zu lassen, damit es nicht aussehe, als ob 
die Christen nach Art der Götzendiener ihren Gott im Bilde herumtrügen. 
Dementsprechend bezeichnet Eusebius auch die Errichtung der Statue des 
Herrn durch die Blutflüssige als etwas, das heidnischer Sitte entsprungen 
sei (äüuzxyj auwyäsiq) 2; aber er fügt die bemerkenswerthe Aeusserung bei: ,Man 
kann sich nicht wundern, wenn vom Herrn mit Wohlthaten bedeckte Heiden 
derartiges fertigen liessen, da auch wir Bildnisse seiner Apostel Paulus und 
Petrus und Christi selbst mit Farben gemalt auf noch vorhandenen Gemälden 
gesehen haben, indem die Alten, wie leicht zu erachten, an ihrer Sitte fest- 
haltend, nach heidnischer Weise diese Männer als Heilande (awripeg) derart 
zu Hause zu verehren pflegtenf Ebenso bestätigt Eusebius, dass Constantin 
Bilder bezw. Monogramme mit dem Namenszuge des Herrn herstellen liess 3. 
Auch der hl. Epiphanius war kein Freund der Bilder. Als er auf 
der Reise nach Palästina in einer Dorfkirche ein Velum mit dem Bilde Christi 
oder eines Heiligen fand, riss er es herab, mit der Erklärung, das Tuch 
kann besser verwandt werden, um den Leib eines armen Menschen zu um- 
hüllen. Der Bischof von Salamis bewies hier dieselbe Beschränktheit des 
Geistes, welche ihn trotz seiner Frömmigkeit auch in kirchenpolitischen An- 
gelegenheiten so unvortheilhaft auszeichnete und welche ihn in dem Streit 
über die Lehre des Origenes und in den hässlichen Unternehmungen des 
Theophilus gegen Chrysostomus eine so wenig rühmliche Rolle spielen liess. 
Im übrigen beweist der Vorgang nur die Thatsache der Bilderverehrung. 
Mit viel geringerem Rechte kann man sich auf Asterius, Nilus und 
Augustinus berufen. Ersterer sagt zwar in einer gegen Ende des 4. Jahr- 
hunderts gehaltenen Homilie: ,Male Christum nicht, denn dazu ist seine Mensch- 
werdung zu niedrig, aber trage seine Worte in deinem Herzen'; aber Derselbe 
spricht von einem die Leidensgeschichte der Martyrin Euphemia darstellenden 
Gemälde und er gibt uns ausserdem eines der frühesten Verzeichnisse von 
Bildercyklen, welche auf den zur Bekleidung der innern Kirchenwände be- 
stimmten Teppichen gestickt waren,  eine sehr wichtige Notiz, auf welche 
wir nochmals zurückzukommen haben 4. 
1 Act. Uonc. Nicaen. II a. 787, Action. 
(ed. LABBE) VI p. 494 (Aus den Acten der 
ikonoklastischen Synode von Const. 754). 
2 Hist. eccl. VII 18. 
3 Vit. Coustant. III 3. 49. Ueber Bilder 
des Kaisers, welche in den heidnischen 
Tempeln aufgestellt wurden, was Constantin 
schliesslich verbot, s. ebenda IV 16 und 
SOKRAT. Hist. eccl. I 18, al. 14. 
4 ASTERII Amaseae episc. Homil. de divite 
et Lazaro. Ed. COMBEFIS Auctar. Paris. 1648. 
Vgl. dazu m: ROSSI Bull. 2" ser. II 60 sq.
        

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