Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886398
Malerei: 
Altchristliche 
Gehen wir indessen dem Gespenste des altchristlichen Kunsthasses etwas ßildgr- 
naher zu Leibe. Man hat sich natürlich bemüht, denselben aus den Schriften fifgjälie 
der Kirchenväter zu beweisen, und man konnte in der That die Aeusserungen  ä?- 
mehrerer Autoren vorführen, welche offenbar keine Freunde der Bilder waren. chenschrifl: 
Aber die Abneigung dieser Schriftsteller erklärt sich aus ganz persönlichen Stellw- 
Gründen. Tertullians finsteres, allem Heitern abgeneigtes Temperament 
hatte ihn in die Arme des Montanismus geführt; sein Zeugniss kann nicht 
als das der katholischen Kirche Africas gelten. Eusebius wie alle offenen 
oder heimlichen Arianer lehnten die Bilder Christi ab; das war in ihrer Lehre 
mm LogßS und der Incarnation begründet, und diese Auffassung hat sich in 
dem grossen Bilderstreit der griechischen Kirche und in Mohammeds Religion 
Später ausgelebt. Man muss dies anerkennen, aber man hat kein Recht, die 
Stimme des Arianismus mit derjenigen der katholischen Christenheit zu ver- 
wechseln. Tertullian und Eusebius selbst aber, bei all ihrer Abneigung gegen 
die Bilder, bestätigen doch den Gebrauch derselben innerhalb der Kirche. 
Was zunächst Tertullian anlangt, so lässt ihn sein Eifer gegen den 
Götzendienst allerdings Dinge sagen, Welche die Ansicht verrathen, es sei 
d1e Kunst überhaupt nur eine Handlangerin desselben; erscheint ihm doch 
jede Abbildung (omn-is forma vel formula idoluam se dici exposcirf) als eine Art 
Idololatrie 1. Und in die Kategorie solch verbotener Dinge weist er Tempel, 
Altäre, Schmucksachen, ja selbst die menschliche Wohnung 2. Man sieht, wie 
die Masslosigkeit seines Temperamente den heissen Africaner zu Aeusserungen 
fortreisst, welche der gesunde Sinn der Gemeinde sicher als Ueberspannung 
angesehen hat. Er selbst aber bezeugt in seiner montanistischen Polemik 
gegen die allgemeine Kirche mehr als einmal den Gebrauch bildlicher Dar- 
stellungen seitens dieser. In der Schrift ,De Pudicitia" (c. 7 und 10) wird 
mehrmals ornamentirter Becher gedacht (procedant ipsae picturae calicuvn 
vest-rorunz), welche das Bild des guten Hirten darbieten (pastor, quem in 
calice depingis),  offenbar die älteste Erwähnung unserer Goldgläser, deren 
Fabrication also wenigstens in den Anfang des 3. Jahrhunderts hinaufreicht, 
wo Tertullian schrieb und wo er die von ihm gerügten Dinge in Rom ge-  
sehen hatte. 
Ein Bilderfeind ist auch der Kirchenhistoriker Eusebius; als solchen be- 
zeichnet ihn Nicephorus Gregoras3 ausdrücklich (eizrlvopzllog), und als 
1 TERTULL. De idolol. c. 3: ,Exinde iam 
caput facta est idololatriae ars omnis, quae 
idolum quoquomodo edit. Neque enim inter- 
est, an plastes efüngat, an caelator exsculpat, 
an phrygio detexat: quia nec de materia 
refert, an gypso, an coloribus, an lapide, an 
aere, an argento, an H10 formetur idolum. 
Quando enim et sine idolo idololatria. Hat, 
utique, cum adest idolum, nihil interest, qualo 
sit, qua de materia, qua de efügie, ne qui 
putet id solum idolum habendum, quod hu- 
nlana. efügie sit consecratum. Ad hoc neues- 
saria est vocabuli interpretatio: E7609 graeße 
formam sonat ; ab eo per diminutionem swwlov 
deductum, aeque apud nos formulam fecit. 
Igitur omnis forma vel formula idolum so 
dici exposcit. Iude idololatria omnis circa 
omne idolum famulatus est servitus. Inde 
et omnis idoli artifex eiusdem et unius est 
criminis: nisi paruln idololatriam populus 
admisit, quia. simulacrum vit-uli, et non ho- 
minis sibi consecravitf 
2 Ibid. o. 8: ,Sunt et aliae complurium 
artium species, quae, etsi non contingunt ido- 
lorum fabricationem, tamen ea, sine quibus 
idola nil possunt, eodem crimine expediunt. 
Nec enim differt, an exstruas vel exornes, 
si ternplum, si aram, si aediculam eius in- 
struxeris, si bracteanz expresseris, aut inszzqnia 
aut etiam donmm fabricaveris. Maior est 
eiusmodi opera, quae non efügiem confert, 
sed auotoritatemf Aehnlich e. 15, wo die 
leuchtenden tabernae et vianuae der Christen 
getadelt werden. 
5 Hist. Byz. XIX 3. Ueber die Ausgg. 
vgl. KRUMBAGHEB. Gesch. d. byz. Litt. S. 96.
        

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