Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886373
Altehristliche Malerei. 
sagt war. Aber gewisse andere Darstellungen hat man doch auch selbst im 
Tempelbau zugelassen. Das ehcrne Meer im Vorhofc, getragen von zwölf ehernen 
Rindern, war doch eine bemerkenswerthe Ausnahme, die freilich von Manchen, 
wie Flavius Josephus, schon als eine Gesetzesverletzung empfunden wurde 1. 
Gemälde hat man auch nach dem Zeugnisse des Philoz nicht geduldet; dass 
man die römischen Fahnen mit ihren Kaiserbildern durchs Land trug, war 
den Juden ein Greuel, und Pilatus musste die nach Jerusalem gebrachten 
Bilder des Kaisers wieder entfernen, weil es, wie Josephus bezeugt, nicht 
erlaubt war, in Jerusalem ein Bild aufzustellen, und ein Aufruhr der Bevölke- 
rung drohte 3. Den vom Tetrarchen Herodes in Tiberias erbauten Palast liess 
das Synedrium niederbrennen, weil er mit verbotenen Thierfiguren geziert war. 
Trotzdem kann man auch dem J udenthum nicht jegliche Kunst absprechen. 
Sein Cult besass in dem Tempel zu Jerusalem selbst ein Bauwerk von hohem 
Worthe und grosser Pracht. Der Gnadenthron aus purem Golde, den die 
Bundeslade trug, die über der Sühnestatte schwebenden beiden Cherubim, das 
Werk des Künstlers Beseleel (2 Mos. 31, 2; 35, 25), die ganze Stiftshütte 
waren schon in dem alten Judenthum Schöpfungen einer gewissen Kunst, und 
der Symbolik brachte bereits die von Moses errichtete ehcrne Schlange ihren 
Tribut dar. Man kann also selbst in Palästina nicht von einer völligen Ab- 
lehnung jeglicher Kunst reden. Noch weniger konnten sich die Juden der 
Diaspora auf die Dauer dem Einflüsse der sie überall umgebenden künstleri- 
schon Neigungen der antiken Culturvölker entziehen. Sie selbst brachten, 
wohin sie kamen, das Bild des siebenarmigen Leuchters als Symbol ihres 
Glaubens mit; so sehen wir ihn auf den jüdischen Epitaphien Roms und Ascolfs. 
Aber die Katakombe der Vigna Randanini zeigt, wie oben bemerkt, positive 
Einwirkungen der römischen Umgebung: figurirte Sarkophage und ornamentale 
Malereien liefern den Beweis, dass die Exclusivität des Hebräerthums doch von 
der herrschenden Strömung nicht unberührt blieb. Aehnliches bestätigte sich in 
der 1885 aufgedeckten jüdischen Katakombe an der Via Appia Pignatelli, wo 
das Palästina eigene Symbol des Palmbaums den siebenarmigen Leuchter er- 
setzt: in einem ausgemalten Arcosolium sieht man die von Genien gehaltene 
Inschrifttafel, unter welcher eine Krone zwischen zwei Palmzweigen (3. bis 
4. Jahrhundert) 4. 
In noch viel höherem Grade musste das bei den Christen der Fall sein. 
Das judenchristliche Element erlag im Occident bekanntlich sehr bald dem 
von Paulus repräsentirten heidenchristlichen, und wenn es bilderfeindliche 
Tendenzen mitgebracht hatte, so konnten sich dieselben gewiss nicht lange 
halten. Das Neue Testament, welches betreffs der Bilderverehrung weder ein 
Gebot noch ein Verbot äussert, konnte zur Begründung eines ,Kunsthasses' 
nicht angerufen werden. Die bis zur Zerstörung Jerusalems noch einiger- 
massen bestehende Verbindung mit der Synagoge war seit dem Jahre 70 
völlig abgebrochen, das Ritualgesetz und die Sabbatfeier verloren sich all- 
mählich aus der Erinnerung des zu Christus bekehrten Samens Abrahams. Die 
aus dem Heidenthum zu dem Evangelium übergetretenen Elemente hatten in 
der neuen Religion keinen Anlass, auf die in dem Bewusstsein der gesammten 
1 Archaeol. VIII 7,  
2 Opp. (ed. MANGEY) I 496 
205. 215. 
3 IOSEPHUS De bello iud. 1. II. 
U 
4 NIK. MÜLLER Le catacolnbe degli Ebrei 
presso 1a. Via Appia Pignatelli (Mittheilgn. d. 
Arch. Inst, röna. Abtheil. Rom 1886. I 49). 
DE Bossl Bull. 1886, p. 139 sq.
        

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