Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886360
Drittes 
Buch. 
Die altehristliche Malerei. Stellung der Kirche zur Kunst. Ver- 
hältniss der altehristlichen Kunst zur griechisch-römischen. Die 
Entstehung der constitutiven Typen und die verschiedenen Systeme 
der Interpretation der altehristliehen Bildwerke. Der Bilderkreis 
vor und nach Gonstantin. 
IN {K0 Perugino auf dem schönen Bilde der vaticanischen Pinakothek die 
Himmelfahrt der Madonna malt, da zeigt er die Apostel am Grabe der 
Seligen: das Grab ist offen und es spriesst aus ihm ein Flor herrlichster 
Blumen. 
Man könnte sagen, der grosse Künstler habe das Bild der Christenheit 
am Tage ihrer Befreiung gemalt, an jenem Tage, wo sie nach dreihundert- 
jährigem Leiden aus dem Dunkel der Katakomben emporstieg: den offenen 
Gräbern der Todtenstadt entspross die duftende Blume der christlichen Kunst, 
die letzte und lieblichste Offenbarung des dahinsterbenden Genius der Antike. 
 Aber ist das nicht ein Traum? Wie war das möglich? Hat man uns 
"nicht bis vor dreissig Jahren in fast allen Handbüchern der Kirchen- und Kunst- 
geschichte gelehrt,  die Christen der ältesten Jahrhunderte seien ein kunst- 
und culturfeindliches Geschlecht gewesen? Stand die älteste Kirche nicht, 
wie man seit Luther und Calvin anzunehmen pflegte, dem Betrieb der Kunst 
ablehnend gegenüber, und waren die alten Christen nicht erfüllt von einem 
düstern Kunst- und Bilderhass, den erst das Einströmen heidnischer Gesin- 
nung seit dem 4. Jahrhundert allmählich überwand? 
Nun, diese Lehre vom Kunsthass der ersten Christen ist die erste und 
schlimmste Fabel, welche die moderne Kritik aus der Geschichte der christ- 
lichen Kunst zu entfernen hatte. 
Es ist Wahr, das Christenthum ging zunächst aus dem Judenthum hervor, 
welches der bildenden Kunst vollkommen abgekehrt war, wenigstens in der 
palästinensischen Heimat und bei seinen strengsten Bekennern. Um die Juden 
der Gefahr der sie von allen Seiten bedrohenden Idololatrie der benachbarten 
Völker zu entziehen, hatte das Mosaische Gesetz ein allgemeines Verbot aller 
Bildnisse und Gleichnisse ausgesprochen 1. Man ist gemeinhin der Ansicht, 
dass damit zunächst jede Darstellung Jehovahs, auch die symbolische, unter- 
Der angeb- 
liche Bilder- 
hass der 
alten 
Christen. 
2 Mos.
        

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