Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886203
32195 
Zweites 
datirte Inschrift eines Katakombengrabes ist vom Jahre 409, die letzte Er- 
wähnung der Fossoren fällt 426. Die Belagerung Roms durch Alarich führte 
zuerst zur Anlage eines in der Stadt bei den Thermen des Diocletian ge- 
legenen Kirchhofes; bis dahin war in Rom und wahrscheinlich auch in den 
Provinzen das Zwölftafelgesetz ängstlich beobachtet worden, welches jede 
Bestattung von Todten innerhalb der Stadtmauern aufs strengste verpönte. 
Die Katakomben blieben nun nur mehr Andachtsorte; solange man die Leiber 
der Martyrer in ihnen wusste, fanden gottesdienstliche Feierlichkeiten in ihnen 
statt und wurden von manchen Päpsten zur Erhaltung der historischen Krypten 
Restaurationen vorgenommen, so von den Päpsten Symmachus, Vigilius, 
Johann III (568). Als aber im 8. und 9. Jahrhundert die Bewegungen der 
Langobarden die Umgebung Roms abermals beunruhigten, wurden allmählich 
die meisten Martyrerreliquien aus den vor der Stadt gelegenen Coemeterien 
in die Basiliken der Stadt übergeführt. Das geschah unter den Päpsten 
Paul I (761), Paschalis I (817), Sergius II und Leo IV. Die letzten Restau- 
rationen liess Nikolaus I (860) vornehmen, welcher auch in einigen Kata- 
komben die lange unterbrochene Feier der heiligen Messe wieder anordnete. 
Seit dem 2. Jahrtausend werden nur mehr vereinzelte Besuche in den Kata- 
komben erwähnt; so der des Abtes Nanterus von St. Mihiel im 11. Jahr- 
hundert, der des Petrus Cluniacensis und des Hugo von Flavigny im 12., 
der des Mystikers Herman von Fritzlar im 14. Jahrhundert. Endlich verliert 
sich die Erinnerung der übrigen Coemeterien, deren Bezeichnungen nur mehr 
in den Angaben der liturgischen Bücher Roms und in den im 15. Jahrhundert 
gedruckten Ablassverzeichnissen wiederkehren; nur die Katakombe von S. Se- 
bastiano, das alte ,Coe1neteriu1n ad catacumbaä 1, blieb noch zugänglich. Die 
dunkeln Vorstellungen, welche man aus älterer Zeit über die Bestattung der 
hl. Caecilia und vieler anderer Märtyrer an der Via Appia bewahrt hatte, 
concentrirten sich nun auf S. Sebastiano, dessen Mönche bis auf den heutigen 
Tag von über hundert Tausenden von Martyrern zu sprechen wissen, die bei 
ihrer Kirche begraben seien. 
Wir beschränken uns auf diese Mittheilungen über die Geschichte der 
Katakomben, deren weitere Details hier nicht in Betracht kommen. Für 
uns handelt es sich hier um die Frage, inwieweit diese unterirdischen Grab- 
anlagen zu den Anfängen der christlichen Kunst in Beziehung stehen. Da 
ist nun zunächst zu sagen, dass schon ihre Construction gewisse Ansätze 
zu künstlerischer Behandlung darbietet. Wir müssen, um dies zu be- 
weisen, wiederum auf gewisse architektonische Einzelheiten eingehen. Es 
ist schon bemerkt worden, dass die Christen den semitisch-jüdischen Ritus 
1 S0 heisst es zuerst bei dem Chrono- 
graphen von 354 (XIII Kal. Feb. Sebastiani 
in cataczmzbas, in der ,Depositi0 martyrum'), 
dann in einem Verzeichniss der Coemeterien 
aus dem 6. Jahrhundert; in einer christlichen 
Inschrift (ORELLI n. 4574). Die Localität des 
benachbarten Circus des Maxentius wird im 
4. Jahrhundert als Circus in catacumbas he- 
zeichnet; verallgemeinert ist der Ausdruck 
zuerst im 9. Jahrhundert bei Jol-I. DIAG. 
(Ohren. episeop. s. Neapol. EceL; MURATORI 
SS. I, p. n). Die Ableitung des Namens ist 
durchaus controvers (vgl. die betr. Nachweise 
Real-Encykl. der christlichen Alterth. II 98. 
V. ScnULTzE Die Kais. S. 39). Sicher ist, dass 
die Bezeichnung der durch eine Senkung der 
Gegend bezeichneten Strecke der Via Appia 
zwischen S. Sebastiano und der Rotunde der 
Caecilia. Metella galt, und die von m; WAAL 
und SCHULTZE versuchte Ableitung cata, 
cumbas (cumba, das latinisirte züjzßog, züpßy, 
Schlucht) scheint daher nicht ganz unwahr- 
scheinlich. Ich erinnere an die ähnliche 
Bezeichnung cata mansiones in der Pere- 
grinatio Silviae (ed. GAMURRINI Romae 1888), 
I 16.
        

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