Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886192
Katakomben. 
liehen Finsterniss begraben findet, kommen einem unwillkürlich die Worte 
des Dichters in den Sinn: „Grauen umströmt ringsher, auch die Still' ist 
selber entsetzlich" (Aen. H 755)' 1. In einer ungefähr vierzig Jahre später 
geschriebenen Stelle des Dichters Prudentius dagegen wird das Andenken an 
die Resultate solcher Arbeiten aufbewahrt, wie wir sie von Daniasus haben 
unternehmen sehen. Der Dichter schildert nämlich die Ruhestätte des hl. Hippo- 
lytus folgendermassen: 
,Nicht weit von den Stadtmauern, mitten unter wohlgepflegten Obst-ifwreiiläairgtliäfl 
gärten, befindet sich eine Krypta versteckt in dunkeln Abgründen. Ein steiler mkombo; 
[Pfad führt auf gewundenen Treppen in sie hinab; das Tageslicht dringt in 
diese Windungen nicht hinein; nur durch die Tliürweite fällt es bis auf die 
Schwelle des Niederganges. Indem bei unserm Vordringen das nächtliche 
Dunkel in den Irrgängen der Höhle dichter und dichter zu werden scheint, 
öffnen sich von Zeit zu Zeit nach oben durch die Decke gegrabene Schächte, 
durch welche "das helle Tageslicht hereinfällt. Obschon die von den nach 
allen Richtungen hin sich verschlingeiiden Gruftgängen gebildeten engen 
Kammern und schmalen Galerien dunkel sind, so findet doch mancher Sonnen- 
strahl seinen Weg durch die durchgegrabenen Gewölbe hinab in den Scliooss 
des Hügels. So geniesst man von Strecke zu Strecke den Schein des Sonnen- 
lichtes. An einem so verborgenen Orte ist der Leib des Hippolytus bestattet, 
nahe der Stelle, wo jetzt der gottgeweihte Altar steht. Diese selbe Altar- 
platte (Mensa) spendet das Sacrament, die Seelenspeise, für die Anwohner des 
Tiber und deckt gleichzeitig in treuer Hut die dort zur Erwartung des ewigen 
Richters niedergelegten Gebeine des Martyrers. Ergreifend ist die Heiligkeit 
des Ortes. Der Altar, vor welchem die Gläubigen beten, stärkt die Hoffnungen 
der Sterblichen, indem ihre Bedürfnisse Erbarmen und Befriedigung finden. 
Hier habe ich mich oft, gedrückt von Uebeln des Leibes und der Seele, im 
Gebete niedergeworfen und Erleichterung gefunden. Ja, verklärter Priester, 
ich will es laut verkünden, mit welcher Freude ich immer aufs neue das er- 
habene Vorrecht deiner Umarmung geniesse, und wie sehr ich mir bewusst 
bin, dass ich alles das dem Hippolytus verdanke, welchem Christus, unser 
G059, die Macht gewährt hat, alles zu erlangen, was Jemand von ihm erbittet. 
Die kleine Kapelle (Aerliciula), welche das abgelegte Kleid seiner Seele [seine 
verweslichen Reste] birgt, glänzt von lauterm Silber. Reiche Hände haben 
die Stätte mit Platten verziert, deren geglättete [Silben] Flächen das Licht 
Wle Hohlspiegel zurückwerfen; und nicht sich begnügend, den Eingang mit 
parischem Marmor bekleidet zu haben, verwendeten sie grosse Summen auf 
die Aussckmückung des Werkesf Dann geht der Dichter über zu einer Be- 
sclireibung der Wallfahrten zu dem Heiligthum, und mit ein wenig poetischer 
Licenz fährt er fort: ,Früh am Morgen kommen sie zur Begrüssung [des 
Heiligen]. Die sämmtliche Jugend des Ortes verrichtet dort ihre Andacht; 
bis zum Sonnenuntergang dauert ihr Kommen und Gehen. Die Liebe zur 
Religion versammelt die Lateiner und die Fremden zu einer dichten Menge; 
Sie drücken ihre Küsse auf das glänzende Silber; sie vergiessen ihre wol- 
riechenden Salben; sie netzen ihre- Wangen mit Thränenfz 
 Die Beisetzungen in den Katakomben hörten im 5. Jahrhundert auf, als 
infolge der Feldzüge der Gothen (409-410) und Vandalen (457) die Cam- 
Pagna immer unsicherer wurde und schwere Verwüstungen erlitt; die letzte 
1 HIERONYM. 
Ezech. 
Peristeph. 
2 PRUDENT.
        

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