Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886184
E911" 
Zweites 
bedeckt. Es entstanden auf diese Weise sogen. Hüttengräber (Sepolcri a 
capanna), die auch seit Boldetti mehrfach unter den Galerien der römischen 
Katakomben, seiner Zeit auch von mir in denjenigen von Syrakus und Neapel 
beobachtet wurden. Der Verschluss war wie bei den Loculi der unterirdischen 
Galerien durch Ziegel- oder Marmorplatten hergestellt. Nur selten waren 
grössore Schächte (Putei, Pozzi scpolcrali) ausgehöhlt, deren Wände dann wieder 
durch Loculi durchbrochen waren. Jene barbarische Sitte des Alterthums, die 
Leichen der Armen in grosse, gemeinsame Versenkungen oder Löcher zu 
werfen, hat das alte Christenthum nicht angenommen. Erst in den wilden 
und jammervollen Zeiten des frühern Mittelalters verlor sich jenes Zartgefühl 
der altchristlichen Epoche, Welches auch dem ärmsten Gliede Christi ein anstän- 
diges und gesondertes Begräbniss zukommen liess, und man kehrte vielfach 
in Italien zu der hier und da bis in die neueste Zeit bewahrten Sitte zurück, 
die Armenleichen in grosse Souterrains zu werfen. 
Die auf den sub die angelegten Coemeterien stehenden Särge gleichen in 
ihrem Aufbau völlig den altrömischen; zuweilen trugen sie eine Art Bedachung 
(1'eg1orium, Criborizun), wie die kleinen heidnischen Tempel und später auch die 
christlichen Altäre. Die Pilaster derartiger Tegurien gingen wie bei jenen 
auch nicht selten in Hennen aus und hiessen darum Hermulae; nur endigten 
sie hier in dem Bilde des guten Hirten, einem Monogramm u. s. w. Auch 
freistehende Cippen oder Stelen sind in Africa nachgewiesen worden. 
Seit den Tagen Constantins nimmt, wie gesagt, die Bestattung sub die 
zu, anfänglich neben derjenigen in den Katakomben, welche bis zur Mitte des 
Jahrhunderts immer noch die vorherrschende blieb und gerade in den Tagen 
des Papstes Damasus vielfach zu Beschädigungen der ältern Katakomben- 
gräber führte, indem Manche aus unverstandenem Eifer um jeden Preis in 
Daulaßus. der Nähe der Martyrer beerdigt sein wollten. Damasus selbst, welcher da- 
gegen Einsprache erhob, nimmt in der Geschichte der Katakomben eine höchst 
hervorragende Stellung ein. Mit grosser Begeisterung widmete er der Er- 
haltung und der Ausschmückuug derselben seine Thätigkeit: zerfallendes 
Mauerwerk suchte er zu stützen; die Krypten der Martyrer machte er den 
Gläubigen durch neue Treppenanlagen zugänglich; an ihren Gräbern brachte 
er jene berühmten Epigramme an, welche, in einer eigenthümlichen, äusserst 
zierlichen Kalligraphie durch Furius Dionysius Philocalus ausgearbeitet, zum 
Theil noch im Original erhalten, zum Theil handschriftlich uns überliefert 
sind. Von da ab treten die Katakomben als Begräbnissstätten hinter den 
unter freiem Himmel angelegten Goemeterien mehr und mehr zurück; sie 
werden aber jetzt um so mehr Stätten der Andacht und Ziel von Wallfahrten 
und Besuchen, deren Eindruck uns zwei zeitgenössische Schriftsteller, der 
incronymuahl. Hieronymus und des Damasus Landsmann, der spanische Dichter 
Prudentius, geschildert haben. ,Während ich', schreibt ersterer, ,als 
Knabe zu Rom erzogen wurde, pflegte ich Sonntags mit andern gleichgesinnten 
Altersgenossen die Gräber der Apostel und Martyrer zu besuchen und in die 
dort tief in der Erde ausgehöhlten Krypten herabzusteigen. Wenn man 
hineingeht, findet man die Wände zu beiden Seiten voll von Todtenleibern, 
und der ganze Ort ist so dunkel, dass es fast scheint, als sei das WVort des 
Propheten: „Sie müssen lebendig in die Hölle fahren" (Ps. 54, 16), an uns 
wahr geworden. Hier und da dringt ein wenig Licht von oben herein, eben 
genügend, um die Schrecken der Dunkelheit auf einen Augenblick zu mildern; 
wenn man aber vorwärts schreitet und sich wieder in der dicksten, nächt-
        

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