Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892115
Ansätze 
Erste 
Kunst bei 
den nordischen 
Eölkern. 
Gebilde schien  übergossen mit Golde  und Gemmen standen I vier an dem 
Fusse I und fünf droben  am Achselgespann  alle Engel sehen's I sie, die 
schön erschaffenen. I Ein Schandpfahl war's nicht,  dran die Blicke hingen  der 
heiligen Geister  und der Erdenpilger!" Man sieht sofort, dass Kaedmon unter 
dem Eindruck einer Crux gaizmnata sein Lied sang, die er irgendwo, ohne 
Zweifel in der Abtei selbst, gesehen  Da erblickt er, in seinem Traume 
fortfahrcnd, ,greulichen Werkes Spur, die Wunden des Herrn am Kreuze und 
die rinnenden Tropfen Blutes", und nun hört er, wie der Waldbaume bester 
anhebt zu sprechen und seine Geschichte zu erzählen: wie er einst in Forstes 
Gründen gefällt wurde, wie der Fürst der Menschheit ihn erstiegen und an 
ihm, der Heldenjüngling (man beachte die ganz antike Reminiscenz), den Tod 
erlitten. ,Unter ihm erbebt' ich.  Mich bücken aber I und auf sie (die Henker) 
stürzen  stand mir nicht zu.  Trug den König, den reichen  in Kreuzes Gestalt  
ohne mich zu regen  den Regenten des Himmels 1' Das Kreuz erzählt dann des 
Königs Tod, die Herabnahme des heiligen Leichnames, seine Einsenkung ins 
Grab. Da sangen der Hilda Männer (das sind die treuen Kampfgenossen des 
Todten) ihm Klagelieder  ,zur Abendstunde.  Vom Ehrenfürsten  voll Kummers 
heimkehrend. I Ach, Keiner blieb bei ihm? Weiter berichtet der Waldbaum, 
wie er lange in einsamer Dunkelheit dagestanden und geweint habe, dann 
mit den zwei anderen Kreuzen vergraben, aber endlich von den Degen des 
Herrn wieder aufgefunden und hoch geehrt worden sei (Kreuzerhöhung), bis 
er jetzt in Gold und Silber gefasst wurde: denn es hat zu allen Menschen 
den Weg des Lebens geöffnet. 
Von diesem Hochgesange nun, in welchem das germanische Gemüth sich 
zum erstenmal in die Mysterien des gottmenschlichen Leidens versenkte, hat 
sich ein Theil in einer 25 Zeilen füllenden Runeninschrift neben den lateini- 
schen Inschriften auf dem Ruthwellkreuz gefunden. J. Mich. Kemble, 
dann Dietrich und Stephens haben diesen Text entziffert, und die von 
Stephens 1868 weiter gelesene Inschrift: ,Kadmon machte mich' (Cadmon mae 
fanoeßo), lässt kaum einen Zweifel, dass Kaedmon, dessen Heimat ganz in 
der Nähe lag, der Urheber dieses Gesanges war. ,Fande Jemand etwa an 
den Küsten des Aegäischcn Meeres ein ähnliches Denkmal mit dem Namen 
des Hesiodus und einem einzigen Vers dieses Dichters, welches Aufsehen 
würde eine solche Entdeckung in der ganzen gelehrten Welt hervorbringen! 
Das Ruthwellkreuz aber haben vielleicht die wenigsten Gelehrten auch nur 
erwähnen hören. In der Kenntniss unseres eigenen Volksthumes, der Kennt-. 
niss unserer Väter sind wir noch Kinder!" 
Diese Klage des nordischen Forschers ist nur zu berechtigt, und sie darf 
auch den Kunsthistorikern zugerufen werden, denn Keiner von ihnen hat ge- 
sehen, dass sich hier in dem Ruthwellkreuz wie in kaum einem andern Falle 
das Zusammeu- und Ineinanderwirken von Poesie und bildender Kunst (lar- 
stellt. Das junge Volk der Angelsachsen hatte das Geheimniss des Kreuzes 
in sich aufgenommen, seine Phantasie ward davon rasch befruchtet und so- 
fort ergiesst sich ein breiter, gedoppelter Strom poetischen Schaffens: den 
einen sehen wir in Kaedmons Dichtung, den andern in dem plastischen Werke 
Dessen, der das Ruthwellkreuz auf die Höhen Northumbriens hingestellt hat. 
Auch die mit lateinischen Inschriften versehenen Reliefs auf den Seiten- 
flächen des Ruthwellkreuzes sind sehr beachtenswerth. Man sieht auf der 
HAMMERICH
        

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