Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892100
Zehntes Buch. 
zählen in England das Carewkreuz (Pembrokshire), in Irland die Kreuze von 
Cloninacnoise (Kreuz des Königs Fland, um 914) und Durrow, das von Muredach 
in Monasterboice (924; Fig. 480), das in Tuam und Kells1. 
Diesen Hochkreuzen kommt für die keltische und angelsächsische Cllltlll" 
eine weit höhere Bedeutung zu, als man gewöhnlich annimmt. In einer Zeit, 
wo die Kirchen auf dem flachen Lande noch sehr sparsam gesät waren, 
bildete das mitten in den Feldern oder auf einer kleinen Anhöhe aufgericlitete 
Kreuz für den ganzen uniwohneiiden Than' den Mittel unkt der Andacht 2. 
o 7 P 
Der hl. Augustin hatte am Tage nach seiner Landung auf englischem Boden 
dem König Ethelbert das Kreuz zum Kusse 
in geboten: es war das erste sieghafte Er- 
 scheinen des heiligen Zeichens auf diesen 
 Inseln. Dann pflanzte es der hl. Oswald als 
 ein Symbol der Hoffnung und Befreiung in 
    
i   den Boden Northumberlands ein. Von diesem 
 Tage ab werden die Hochkreuze Sinnbild 
    des Sieges Christi über die Barbarei. Mit 
es" 95H  x.      
  ihnen steigt die Poesie des Kreuzes und des 
  Leidens empor, eine ganz neue Auffassung 
           
i;     bildet sich in dem Herzen des Germanen, 
T".    der sich als Streiter und Genosse des per- 
 Es. fä-slß.        r  
  sonificirten Kreuzes im Ixampfe gegen die 
  Mächte der Ifinsterniss empfindet. Den Be- 
riiiifä.   weis dafür liefert das Ruthwellkreuz. 
73Min? H".     
h-  im Man weiss, dass um 680 ein Knecht 
iz.  gßrliwalgw  ifllli -rr   
gräig-a. 33-1; des Ödo gestifteten Klosters Streaiieshalch 
 1;,  971;  ll     
   sich plötzlich als einen grossen gottbegnade- 
   ten Dichter enthüllte. Es war Kaednion, 
KEIL-ja; if:  {V11   
  dessen Geschichte uns Beda (Hist. eccl. 
Q m;  a i: 5m     
  IV 84) erzahlt hat. Von der Aebtissin llilda 
 als Laienbruder aufgenommen, hat dieser 
  merkwürdige Mann den ersten christlichen 
   Hocligesang in deutscher Sprache aiige- 
 stimmt. Bald folgt ihm Kynewulf. Einem 
Ei von ihnen oder einem Unbekannten wird 
eäfgj- v         
Fig 48a Hochkrm von Muredam Jenes wundeibare Traumgesicht vom heiligen 
(Nach Stokes. Early Christ. Ami. Irelaud.) Kreuz zugeschrieben, welches aus einer 
Handschrift zu Vercelli 1834 herausgegeben 
ö ö 
wurde 3. Das Kreuz erscheint hier personificirt. Der Sänger erblickt in der 
Vision ,den seltsamen Baum  in Lüften schweben  vom Lichte umwoben.  Das 
1 Vgl. STokEs 1. c. Fig. 62-65. 
2 Vita S. Willibaldi (MAmLLoN Acta SS. 
Ben. t. IV): ,Sic mos 0st Saxoniae gentis, 
quocl in nonnullis nobilium bonorulnque ho- 
minum praediis non ecclesiam, sed sanctae 
Crucis signum Deo dicatum cum magno ho- 
nore almum, in alto erectum ad commodam 
diurnae orationis sedulitatem solent haberef 
Vielleicht kann diese Stelle als Beleg dienen, 
dass die Hochkreuze zuerst bei den Angel- 
sachsen awufkanlen und von (liesen zu den 
Iren gelangten. Vgl. noch Lnvaiuzn II 87-107. 
MONTALEMBERT Les moines d'Oecident V 165. 
3 BLUHME hat diesen Codex entdeckt, 
TI-IORPE das Gedicht zuerst (1834) heraus- 
gegeben. Es Endet sich ferner in GREINS 
Bibl. der angelsächsischen Poesie II 143. 
STEPI-IENS 1. c. II 423. HAMMERICH a. a. O. 
EBERT Litteratur des Mittelalters II, wo die 
Bedeutung des Gesanges und des Ruthwell- 
kreuzes durchaus nicht hinreichend gewür- 
digt ist.
        

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