Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892089
Zehntes 
iiguren werden erwähnt, letztere schon um 727 in dem von König Ina von 
Wessex gestifteten Oratorium (Christus und Maria mit den zwölf Aposteln). 
Wie es scheint, war die alte Bischofsstadt York Hauptmittelpunkt dieser 
Thatigkeit im 8. Jahrhundert, und von da kam auch Kaiser Karls d. Gr. 
Hauptrathgeber in künstlerischen Dingen ins Frankenreich herüber. 
Die Steinplastik der Iren kennzeichnet sich in ähnlicher Weise durch 
die Verwendung der geschlossenen und offenenen Spiralen, das geometrische 
Motiv der Key-Patterns und das Band- und Flechtwerk (interlaced zcork), zu 
welchen später erst Thierbestandtheile hinzutreten. Vertreten ist diese Sculptur 
Grab- hauptsächlich oder einzig durch die Grabmonumente, deren erste Gruppe 
  Jahrhundert) aus höchst roh ornamentirten Megalithen besteht, die nun 
von den Christen gewordenen Kelten mit Kreuzen bezeichnet wurden (vgl. 
Fig. 477); dann folgen Grabplatten mit einem Krückenkreuz (in Irland bis 
Ende des 9., in England im 7. und 8. Jahrhundert), zum Theil mit Itunen- 
inschriften versehen (vgl. Fig. 478). Unter diesen sind die Platten von Clon- 
macnoise mit dem Namen des hl. Findan und des Suibine, ,doct0r Scotorunz 
peritissiwzusQ bemerkenswerthi; eine dritte, seit dem 9. Jahrhundert nur hier 
auf den britischen Inseln allein auftretende Gruppe bilden die Grabplatten mit 
Füllungen von regelmässigem Flechtwerk in vertieften Feldern und in den 
spätern Arbeiten mit historischen und biblischen Scenen. Dahin zahlen die 
Denkmäler von Rockland, Bexhill, Colsterworth; als eines der ersten dieser 
Richtung wird der Grabstein des Königs Eadulf zu Alemouth in Northumber- 
land (Anfang des 8. Jahrhunderts) genannt. Höchst merkwürdig sind dann 
die phantastischen schottischen Sculpturen in Forfarshire. 
Huvhkrßllw- Vor allem aber sind es die Hochkreuzez, in denen sich die Eigenart 
der religiösen Kunst der Kelten und Angelsachsen bewahrt. Es scheint, dass 
dieselben seit dem 6. Jahrhundert aufkommen, anfangs in der keltischen Form 
mit ausgerundeten Armen und einem mittlern Kranze; dann wird die Gestal- 
tung durch Wegfallen der Fenster zwischen Kreuzung und Kranz schlanker, 
um im 10. Jahrhundert den Höhepunkt künstlerischer Ausgestaltung zu ge- 
winnen. Das älteste datirbare Werk dieser Art ist dasjenige von 651 zu 
Collingham (Yorkshire) mit Flechtornament und sehr rohen Evangelistenbildern. 
Ungefähr derselben Zeit gehören mehrere englische und schottische Hochkreuze, 
vor allem aber das Ruthwellkreuz an (Fig. 479) 3. Zu den besten Exemplaren 
1 Vgl. G. PETRIE Christian Inscr. in Irish 
language. Dublin 1872. E. HÜBNER Inscr. 
Brit. Christ. Berol. 1876. ANDERSON, Smoxns 
und RQMILLY ALLEN l. c. Für die späteren 
Jahrhunderte CH. BOUTELL Christian Monu- 
ments in England and Wales. London 1854. 
2 Vgl. betreffs der Hochkreuze ausser der 
angegebenen Litteratur STUART Sculptured 
Stones of Scotland. 1856. RoMILLY ALLEN 
The Crosses of Ilkley (J ourn. of the Brit. Arch. 
Soc. XLI 351). STEPIIENS Handbook of Runic 
Monum. p. 124. ALFR. RIMMEN Ancient 
Stone Grosses of England. London 1875. 
3 ANDEBSON 1. c. 185. 225. 261; II 1341i 
(Abbild).  STOKES 1. c. p. 124 f.  
STnPnENs 1. c. II 405. 419 (Abbild).  
HAMMERICH Aelteste christl. Epik der Angel- 
sachsen u. s. f. Aus dem Dänischen über- 
setzt von A. MIGHELSEN, Gütersloh 1874, 
S. 32 f. (Abbild).  Miss Stokes setzt das 
Ruthivellkreuz erst ins 11. Jahrhundert und 
sieht in seinen Sculpturen ein nach den Vor- 
schriften des Malerbuches vom Berge Athos 
gearbeitetes Werk  Auch ALB. Coox 
(,Academy' 1890, N0. 930, p. 153; vgl. Bnownn 
ebd. N0. 931, p. 170; ferner ebd. 1888, N0. 833 
u. 834) nimmt eine spätere Entstehung an. 
Indessen hat HENRY BRADLEY (,Academy' 1888, 
N0. 833, p. 279) die Mangelhaftigkeit der für 
eine spätere Datirung beigebrachten Beweise 
aufgewiesen und zu Gunsten des 7. Jahrhunß 
derts geltend gemacht, dass ein datirtes Denk- 
mal, die runische Inschrift vom Jahre 670 
(z erstes Jahr des Königs Ecgfrith), nämlich 
der Obelisk von Bewcastle, ganz ähnliche 
Formen wie das Ruthwellkreuz zeigt.
        

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