Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892027
Zehntes 
6. Jahrhunderts erlauben den Schluss, dass in Trier, Mainz, Worms u. s. f. sich 
rasch eine Mischung der angesessenen lateinischen hezw. latinisirten Bevölke- 
rung und der fränkischen Einwanderung hergestellt hat. Alles deutet darauf 
hin, dass das Verhältniss der beiden Bevölkerungen rascher als in Italien sich 
freundlich gestaltete. In der alten Hauptstadt der Belgica prima, in Trier, 
entwickelten im 6. Jahrhundert die Bischöfe Nicetius und Magnericus 
eine erhebliche Bauthätigkeit. Der Erstere baute den, wie es scheint, in 
der Völkerwanderung verheerten römischen Dom um. Die Untersuchung dieses 
Restaurationswerkes durch v. Wilmowskyl hat aufgewiesen, wie die frän- 
kische Technik sich noch immer in Abhängigkeit von der römischen bewegt, 
wie verarmt aber und mit wie schwächlichen Mitteln arbeitend sie ihr gegen- 
über erscheint. Eine selbständige Schöpfung des Nicetius war aber sein 
Bergschloss an der Mosel, dessen poetische Schilderung wir Venantius For- 
tunatus (Carm. III 12) verdanken und das die Einen mit Brower (zu Ve- 
nantius p. 84) in Bischofstein an der Untermosel, die Anderen in der Nähe 
von Neumagen (der von dem Dichter als Nebenfluss der Mosel erwähnte 
Rodanus Wäre dann die Thron) suchen. Diese von dreissig Thürmen be- 
wehrte Burg, mit der von Marmorsäulen  getragenen Halle des Wohnhauses 
zeigt bereits die veränderte Lage des Episkopates. Er war aus der ärmlichen 
und einfachen Cella herausgetreten, in der er einst nahe der Basilika der 
Bischofsstadt gewohnt, und war in einen Palast eingezogen. Die Wohnung 
lässt auf den Besitzer schliessen. Kaum war das römische Kaiserthum nach 
Ravenna übergesiedelt, so hatten sich die römischen Bischöfe in den Bel1au- 
sungen der alten Caesaren auf dem Palatin niedergelassen, und so wuchsen 
sie in der Vorstellung des Volkes in die Erbschaft der Kaiser hinein. Die 
hervorragenden Bischöfe der Merowingerzeit, die Sidonius Apollinaris, Avi- 
tus, Gregor, Nicetius treten uns schon als Kirchenfürsten entgegen. Schon 
umgibt sie ein Schimmer weltlicher Herrschaft; die Burg des Nicetius ist 
das erste uns beglaubigte Monument dieser neuen Situation. Leider hat sich 
von ihr so wenig wie von den zahlreichen Kirchen- und Klosterstiftungen 
der merowingischen Zeit in den Saar- und Mosellanden (S. Maximin, S. Martin, 
dem Horreum in Trier, Echternach, Mettlach) erhalten. Als das älteste Denk- 
mal nächst dem Dom, das heute noch in wenigen Resten steht, darf der aus 
einem römischen Castrum wol in merowingischer Zeit zur Kirche umgewan- 
delte Bau in Pfalzel (Palatiolum) bei Trier angesprochen werden 2. In Köln, 
wo sich, wie in Trier, auch noch Thürme aus der Frankenzeit erhalten haben, 
wird das Westpolygon von S. Gereon dem 6. Jahrhundert zugeschrieben. In 
Mainz hat sich von der Bauthätigkeit des Bischofs Sidonius (6. Jahrhundert) 
nichts mehr zu uns herübergerettet. Metz bewahrt noch in den ältesten 
Resten der alten Abteikirche S. Peter in der Citadelleß eine Construction, in 
der wir die wechselnden Ziegel- und Steinschichten und die kreuzweise Stri- 
chelung der merowingischen Zeit wahrnehmen; vielleicht reichen sie in die Be- 
gründungszeit des Klosters (6. Jahrhundert) hinauf. Auch in den Substruc- 
tionen der ,Visitation' daselbst soll fränkisches Mauerwerk stecken 4. Von den 
1 v. WILMOWSKY Der Dom zu Trier. 
Trier 1874. 
2 W. EFFMANN Heiligkreuz und Pfalzel. 
Beitrag zur Baugeschichte Triers. Freiburg 
i. d. Schw. 1890. (Progxz) 
3 KRAUS Kunst und Alterthum in Elsass- 
Lothringen III 430. 
4 Ebendas. III 64:1. Es konnte wegen 
der Clausur bis jötzt niemals untersucht 
werden.
        

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