Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886171
Katakomben. 
Waren diese Katakomben ursprünglich sämmtlich Privat- bezw. Familien- 
begräbnisse, so tritt uns seit Beginn des 3. Jahrhunderts auch eine Grab- 
stätte entgegen, welche die römischen Christen offenbar als Collegiztm frartlrlzwn 
besassen. Nur so lässt sich der Ausdruck der ,Phil0sophu1nena' (IX 11) ver- 
stehen, nach welchem Bischof Zephyrinus den Callistus mit der Aufsicht über 
.das Coemeterium" betraute. Hier fanden in der That die Päpste des 
3. Jahrhunderts ihre Beisetzung. Die römische Behörde schützte und achtete 
diese Anlagen; wenn später (in der Valerianischen Verfolgung 257, dann 
wieder 303) die Polizei die Zugänge zu den Coemeterien schloss oder den Zutritt 
zu ihnen erschwerte, so war dies kein principieller Angriff auf die Unverletz- 
lichkeit der Gräber, sondern eine Präventivmassregel, hervorgerufen durch den 
Umstand, dass die Christen, besonders in der Zeit heftiger Verfolgung, zuweilen 
ihren von dem Gesetz verpönten Gottesdienst in den Katakomben hielten oder 
dieselben als Schlupfwinkel benutzten. Hatte schon 260 Gallienus das in 
Aegypten über die Ooemeterien verhängte Sequester aufgehoben, so geschah 
dasselbe 311 in Rom für das hier während der Diocletianisehen Verfolgung 
geschlossene Coemeterium des Callist. Infolge dieses letztern Sequesters waren 
die Bischöfe Mareellinus und Marcellus nicht mehr in S. Callist, sondern in 
S. Priscilla beerdigt worden. Infolge einer seit dem Constantinischen Frieden 
eingetretenen Reorganisation des Begräbnisswesens scheint jeder der 25 tituli 
(wir würden sagen ,Pfarreien') sein eigenes, einem bestimmten Priester oder 
Diakon unterstelltes Coemeterium erhalten zu haben. 
Die Toleranzedicte Constantins und Licinius' vom Jahre 312 und 313 
mussten den grössten Einfluss auch auf das Begräbnisswesen der Christen 
haben. Zunächst erlitt das Besitzrecht einen totalen Umschwung. Die Kirche 
konnte als juristische Körperschaft Eigenthum haben, man bedurfte der Bil- 
dung von Oollegia fratruwz nicht mehr. Man hatte ferner nicht mehr nöthig, 
die hervorragendsten Begräbnissstätten tief unter der Erde anzulegen und 
etwaiger Profanation zu entziehen; sofort nach 312 sehen wir die Päpste 
Sylvester I und Marcus in Basiliken beerdigt werden, welche zu den Coeme- 
terien zählten, aber über der Erde lagen. Die Menge der Gläubigen, welche 
jetzt der Kirche zuströmten, führte weiter seit Constantin dazu, dass die 
Beerdigung sub die, d. h. unter freiem Himmel, immer mehr aufkam. 
Solche Beisetzungen sub die kamen auch schon in der Zeit der Ver- Bei- 
folgungen vor, und zwar nicht bloss an Orten, wo, wie im römischen Africa, sifjfßfti" 
die Beschaffenheit des Terrains eine Katakombenanlage unmöglich machte 1. 
Ein merkwürdiger Fund machte zuerst mit der Beschaffenheit solcher Gräber 
bekannt; jetzt sind Grabfelder über der Erde in Vienne, Iulia Concordia, 
Trier, namentlich aber in Rom über der Katakombe von S. Callisto nach- 
gewiesen. Die Leichen waren zum Theil, aber keineswegs alle, in Särgen 
beigesetzt, welche zuweilen aus Thon, meist aus Stein, besonders Marmor, 
gebildet waren, und, wenn nicht besondere Gründe dagegen sprachen, im all- 
gemeinen orientirt wurden? Die einzelnen Gräber (Formae) Waren theils aus Tuff, 
theils aus Ziegeln mit starker Verwendung von Kalk aufgemauert, manchmal 
mit einer Ziegellage und darüber mit einer horizontal absehliessenden Masse 
 
1 Die erste eingehendere Untersuchung 
dieser sub dio angelegten Gräber verdanken 
wir DE Rossx (Rom. sott. III 393  Vgl. 
auch Real-Encykl. d. christl. Alterth. I 307 f. 
2 Die ,Orientirung' oder ,Ostung' wird spä- 
ter eingehender zu besprechen sein, wo die 
Einrichtung der Kirchengebäude des Nähern 
untersucht wird.
        

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