Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1892010
Ansätze 
Plrste 
pordischen Völkern. 
Kunst bei 
Die Steinplastik bewahrte anfangs gewisse Ornamente des Völker- 
wanderungsstils, setzte diesen aber durch Aufnahme spätrömischer und 
besonders altchristlicher Motive und Vermischung derselben mit fränkischen 
Traditionen eine neue Decorationsweise zu. Zeugen derselben sind eine An- 
zahl steinerner Altäre (Charens, Rodez, Sauvian, Peilhen, Bagnols, Tarascon, 
Valognes), fast alle provencalische Werke, deren Anschluss an die altchrist- 
lieh-römische Kunst der Provence ohne weiteres ersichtlich ist. Ebenso lehnen 
sich an diese auch die sparsam erhaltenen Sarkophage und Grabplatten 
an (Garin, Arles, Narbonne, Epinal, Macon, Bourges), wo zum Theil aber 
auch durchaus frühmerowingische Muster, das Flachornament und Elemente 
des Völkerwanderungsstils, abwechseln. Im nördlichen Frankreich und den 
Rheinlanden erhalten sich bis ins 10. Jahrhundert Grabplatten mit rein 
geometrischen, durch einfache Längs- und Querlisenen gebildeten Mustern. 
Seit dem 6. und 7. Jahrhundert vereinzelt, häufiger seit dem 8. Jahr- 
hundert tritt in der merowingischen Plastik auch das Pflanzenmotiv auf, 
vor allem in den entweder nebeneinander gestellten Akanthusblättern oder 
in den seit dem 8. und 9. Jahrhundert geläufigen im Halbkreis ausge- 
bogenen Ranken. Endlich tritt das ügürliche Element vorzüglich in der 
Elfenbeinplastik entgegen, die gen Ausgang des 9. und Anfang des 
10. Jahrhunderts ihren ersten Höhepunkt erreicht. Für eine schon im 7. J ahr- 
hundert bestehende Elfenbeinschnitzschule zeugen die uns erhaltenen Pyxiden 
(Sens, Rouen, Paris, Hannover, Wien u. s. f), auf denen theils Löwenjagden, 
theils dem altchristlichen Bilderkreis entnommene alt- und neutestamentliche 
Sujets vorkommen; weiter die Knochen- und Elfenbeinkämme1, unter 
denen die des hl. Lupus zu Sens, des hl. Hubertus zu Tongern, des hl. Re- 
maclus zu Maastricht, des hl. Gauzelin (922-962) zu Nancy die hervor- 
ragendsten sind. Auf die Elfenbeintafeln und Buchdeckel führt uns 
die Betrachtung der karolingischen Kunst zurück. 
Das Verhältniss der merowingischen Kunst zu den sie umgebenden Rich- 
tungen hat Clemen in einer durchaus lehrreichen Uebersichtstabelle (a. a. O. 
S. 187) darzulegen gesucht. Ihr wesentliches Resultat lässt sich dahin zu- 
sammenfassen: Die Gothen hatten den aus vierfacher Mischung  heimischer 
Tradition, oströmischer, orientalischer Tradition, Beeinfiussung durch römische 
Exportkunst  entstandenen Völkerwanderungsstil durch ganz Europa ge- 
tragen. Die merowingische und langobardische Kunst verquickten ihn mit 
der weströmischen Tradition. Darauf wird die merowingische Kunst die füh- 
rende, beeinflusst die ostfränkisch-rheinische wie die irische Kunst und diese 
wieder beeinflusst die angelsächsische. Die beiden letzteren schöpfen neue 
Kraft aus ihren heimischen Ueberlieferungen; die angelsächsische Kunst ge- 
winnt Einfluss auf die fränkische Kunst unter den Karolingern, die jetzt die 
Führerrolle übernimmt und auch die angelsächsische und langobardische 
beeinflusst. 
Auf dem Boden des eigentlichen Deutschland ist von der vorkaro- 
lingischen Kunst verschwindend wenig übrig geblieben. Die römischen Tradi- 
tionen werden sich in den einstmals von den Römern beherrschten R-hein- und 
Donaugebieten noch eine Zeit lang erhalten haben. Die Inschriften des 5. und 
Anfänge 
deutscher 
Kunst. 
1 Verzeichnet bei WESTWOOD
        

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