Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891979
Erste Ansätze 
Kunst bei 
Völkern. 
nordischen 
Der Uebergang von dem Holzbau zum Steinbau wird sich bei den Franken, 
welche in das römische Gallien eindrangen, sehr rasch vollzogen haben; bald 
war das Auge ihrer Schriftsteller geschärft genug, um die einfachen aus 
Bruchsteinen mit Mörtel  allicano morä) hergestellten Bauten von dem 
römischen Quaderbau (,Opus ilqovnavzuvnQ zu unterscheiden. Neben beiden kommt 
auch auf dem Festland der Eichenholzbau mit Rohrbedachung (,Opus scoticurrf) 
in Anwendung. Den noch immer namentlich auf deutschem Boden vorwiegenden 
Holzbau wird man sich als einen rohen Blockverband zu denken haben; 
aber auch bei dem Steinbau war sicher die decorative Leistung auf ein Mini- 
mum beschrankt. Man verfügte nicht mehr über die Mittel, welche die An- 
tike zur Belebung und Ornamentirung ihrer Bauten zu verwenden in der Lage 
war, und so half man sich, um dem Auge eine gewisse Unterbrechung zu 
bieten, durch verschiedene dieser Zeit und noch den nächstfolgenden Jahr- 
hunderten eigene Auskunftsmittel. Dahin zählte der Wechsel verschieden- 
farbiger Backsteine bei Fenstereinfassungen und Gurtbändern, wie er 
uns schon in S. Apollinare Nuovo in Ravenna begegnet; der Wechsel von 
Bruch- und Ziegelsteinen, den man bis ins ll. Jahrhundert an rheini- 
schen Bauten beobachtet; der Wechsel in der Lagerung, den das Bapti- 
sterium S. Jean zu Poitiers, die alte Basilika zu Beauvais (Basse-Oucvre), die 
Kirchen zu Savonnieres und Gennes darbieten. Derselben Absicht diente  
offenbar die Sitte, in das Mauerwerk der Kirchen Spolien älterer Bauten, 
groteske Köpfe, Sculptiureste der Antike u. dgl. einzumauern. 
Für unsere Kenntniss der Innenausstattung der merowingischen Innenaus- 
Kirchen ist Gregorius von T ours (573-595), der Historiker der Franken, stäffitllläffiälor 
unsere Hauptquelle, vor allem durch die Nachrichten über die von Bischof 
Perpetuus in Tours erbauten, von ihm selbst theilweise wiederherge- 
stellten Kirchen seiner Bischofsstadt 1. Er beschreibt ausserdem andere Kirchen- 
bauten, so den von Bischof Namatianus in Clermont in der Auvergne errichteten, 
welcher, wie erwähnt, eine Kreuzanlage war. Die Innenmauern waren mit viel- 
farbigem Marmor ausgelegt; alles erscheint, was für die Bauten dieser Zeit wol 
überhaupt beabsichtigt war, angelegt, um den Eintretenden mit Ehrfurcht und 
heiliger Scheu zu erfüllen Cterror namque ibidßül Dei et claritas magna cou- 
spicit-ur"; Hist. Franc. II 16). Bei einem andern Bau, der von Avitus ausge- 
schmückten Kirche des hl. Antolianus zu Arvenna, ist, abgesehen von gewissen 
nicht völlig erklärten architektonischen Details 2, von einer gemalten Cpictznu 
inzagizzataQ Decke (ßamerrf) die Rede 3. Sehr beachtenswerth ist die Notiz, 
welche Gregor (Hist. Franc. I1 17) uns über die Leitung derartiger Ausmalung 
von Gebäuden gibt. Als der Bischof Namatianus seine Kirche neu erbaute, 
wollte sich auch seine hochbetagte (ehemalige) Gattin, die jetzt das Wittwen- 
gewand (ßeste nigraQ trug, durch eine Stiftung verewigen. Sie erbaute also 
1 Vgl. für die Martinskirehe in '1'0u1's die 
Untersuchungen QUIGHERATS (Rev. arehäol. 
1869 u. 1870), abgedruckt in dessen ,Mel. 
(Fareh. et d'histoire', reun. par R. DE LA- 
STEYRIE (Paris 1886), p. 30 s. Betreffs der 
noch zu erwähnenden Controverse über die 
Form der Kirche ibid. und m: LASTEYRIE in 
Mem. de PAcad. des Inscr. t. XXXIV (1891). 
DEHIO und BEZOLD Kirchliche Baukunst I. 
Dßmo im Jahrbuch der königlich preussi- 
sehen Kunstsammlung. 1891, S. 1, und im 
Repert. für Kunstwissenschaft XVI 218. GRAF 
a. a. O. RATEL Les basiliqxxes de St-Martin 
ä Tours. Bruxelles 1886. AUGUSTI Beitr. 
II 160 f. 
9 ,Erectis tamen parietibus super alt-are 
aedis illius, turrem a columnis, pharis, 
Heraoliisque transvolutis arcubus erexerunt, 
miram camerae fucorum diversitatibus ima- 
ginataxxl adhibentes picturamf Vgl. dazu 
AUGUSTI a. a. O. S. 170. 
3 De glor. mart. I 65.
        

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