Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891961
Zehntes 
Buch. 
Die ganze Kunst ist die eines ungebildeten Volkes; sie knüpft inhaltlich da 
an, wo die ravennatischen Sarkophage aufgehört hatten." 
Dieser germanische Geschmack, der im 9. Jahrhundert Italiens Kunst 
erfüllt, scheint zwar mit dem 10. Jahrhundert zurückzutreten, aber er 
geht nicht verloren. Im 11. Jahrhundert, wo das speciiisch italienische 
Nationalgefühl sich zu regen beginnt, tritt er uns in dem Flechtornanient 
und selbst in der flachen Behandlung der phantastischen Thiere und deren 
theilweiser Auflösung ins Ornamentale Wieder entgegen. S0 in Maderno am 
Gardasee, in den Capitellen und dem Hauptportal von S. Pietro in Ciel d'oro 
in Pavia, selbt an S. Michele. Das ist das letzte Anklingen deutscher Em- 
piindung, ehe sie von der lateinischen Uebermacht jenseits der Alpen ver- 
schlungen Wird. 
Von den Bauwerken, an denen der germanische Geist in dieser Zeit einen 
bestimmenden Antheil gehabt haben mochte, hat sich wenig erhalten. Von 
dem Taufbassin in Oividale ist bereits gesprochen worden; zu nennen sind 
noch S. Giorgio in Valpolicella  Jahrhundert)1; S. Salvatore in Brescia 
(im Jahre 758W; S. Teuteria in Verona  Jahrhundert)3; S. Maria 
delle Caccie in Pavia (8. Jahrhundert) 4; S. Frediano in Lucca  Der Palazzo 
delle Torri in Turin Wird von Einigen für noch vorlangobardisch erachtet. Der 
Palast der Theodelinde zu Monza und diejenigen der Könige Bertari zu Pavia 
und Luitprand zu Olona sind zu Grunde gegangen. 
Gallo- In keiner Provinz des weiten Reiches hatte römisches Wesen tiefere 
üifffgähc Wurzeln geschlagen als in Gallien; länger als in einem grosscn Theile 
Italiens selbst hat in diesem Lande die römische Cultur sich erhalten. Die 
Inschriften, welche in Rom mit dem 7. Jahrhundert aufhören, lassen sich in 
Gallien noch bis tief ins 8. Jahrhundert nachweisen. Viele andere Anzeigen 
sprechen für eine verhältnissmassig längere Bewahrung römischer Technik. 
Im einzelnen scheint Mailand einen bestimmenden Einfluss auf die kirchliche 
Architektur nach der sinkenden Römerzeit auf Gallien ausgeübt zu haben. 
Die kreuzförmige Gestalt der Marienkirche in Ebredunum (392, Embrun) und 
der Kirche S. Gervasius und Protasius in Tours (443_460) wird auf die Apostel- 
kirche in Mailand (S. Nazaro al Corpo) zurückgeführt. Kreuzförmig waren auch 
die von Bischof Namatianus in Clermont (446-462) und die von Ohlodwig 
nach 496 in Paris gestiftete Kirche der hl. Genovefa angelegt. Diese Gestalt 
scheint eine Zeitlang mit dem einfachen basilikalen Schema, wie es wol die 
alte, von Bischof Perpetuus begründete S. Martinskirche in Tours darstellte 
und wie es nun seit der Einführung des Benedictinerordens in Frankreich 
in den Kirchen dieses Ordens stereotyp wird, gekämpft zu haben. Sie kehrt 
in der Vincentiuskirche zu Paris (S-Germain des Pres, 543 W558), in S. Me- 
dardus zu Soissons, später in den Klostergründungen zu Meaux (628), S.-Denis, 
Centula (S-Riquier bei Amiens), Fontanellum (Vandrille bei Rouen, 648), 
Gemeticum (Jumieges bei Rouen, 655), Oorbie (657) wieder 5. 
1 CATTANEO p. 91. 
2 Ibid. p. 131. 
3 Ibid. p. 114. 
4 Ibid. p. 141. 
5 Vgl. H. GRAF Die Entstehung der kreuz- 
förmigen Basilika (Opus üancigenunx), Stutt- 
gart 1878, und betreffs der sich daran an- 
knüpfenden Controverse Dmuo an den unten 
anzuführenden Stellen, und GRAF im Repert. 
für Kunstwissenschaft XVII (1894) 129.
        

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