Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886167
Zweitesflächi 
zunächst auch in den jüdischen Begräbnissstätten ihre Ruhe fanden, und in- 
sofern kann man wol annehmen, dass die jüdischen Katakomben, von denen 
bei Rom mehrere aufgedeckt wurden, auch die frühesten Friedhöfe der 
Christengemeinden waren. Aber dies Verhaltniss konnte doch nur dauern, 
solange der Bruch zwischen Judenthum und Christenthum nicht völlig aus- 
gesprochen war. Nach der Zerstörung Jerusalems kann von der Fortsetzung 
solch gemeinsamer Bestattung keine Rede mehr sein. Es mussten sich die 
Christen eigene Grabstätten beschaffen, und da kann es denn wiederum nicht 
zweifelhaft sein, dass sie durchaus an der Ueberlieferung festhielten, welche 
sie aus Palästina mitgenommen hatten. Die Juden haben bekanntlich ihre 
Todten nicht verbrannt, sondern in Felsengräbern beigesetzt; denselben Ritus 
beobachteten die semitischen Völker überhaupt, und namentlich zeigen ihn 
alle Colonien der Phönicier an den Küsten und auf den Inseln des Mittel- 
meeres. Bei den indogermanischen Völkern wechselte der Ritus des Ver- 
brennens mit demjenigen der Beisetzung. Das war auch in Italien der Fall 
und insbesondere in Rom, wo man ursprünglich die Leichen beisetzte, in der 
spätern Zeit der Republik zur Verbrennung überging, welche bis auf das 
Zeitalter der Antonine alleinherrschend blieb; nur einzelne grosse Familien, 
wie die Cornelii, gaben die Beisetzung der Leichen in Särgen nicht auf. Seit 
der Mitte des 2. Jahrhunderts scheint unter dem Einflüsse semitischer, viel- 
leicht auch christlicher Vorstellungen sich letztere neben der Crematio all- 
mählich Wieder eingebürgert zu haben. Dass die Christen jemals ihre Leichen 
verbrannt hatten, ist völlig unerweisbar und durchaus unwahrscheinlich. Es 
lag in der Natur der Sache, dass je nach Bedarf zunächst Einzelgraber an- 
gelegt wurden, von denen uns einige, anscheinend aus der zweiten Hälfte des 
1. Jahrhunderts, erhalten sind. Sie sind durch nichts gekennzeichnet als 
durch das Fehlen jedes polytheistischen Anklanges, und nur gewisse Wen- 
dungen ihrer Inschriften (AT RELIGIONEM PERTINENTES MEAM oder 
FECIT YPOGEVM SIBI ET SVIS FIDENTIBVS IN DOMINO) lassen auf 
christliches Bekenntniss schliessen. Solch ein Grab hiess Memoria. Derartige 
Memoriae werden auch die Grabstätten (rpdnraza) Petri und Pauli gewesen 
sein, Welche der römische Presbyter Caius zu Anfang des 3. Jahrhunderts 
erwähnt. Nach der Ueberlieferung lag die erstere unter dem Clivus Vaticanus, 
die letztere unter dem Hügel am zweiten Meilenstein der Via Ostiensis; beide 
Anlagen sind ohne Zweifel bereits im 4. Jahrhundert beim Bau der grossen 
Basiliken von S. Peter und Paul gründlich zerstört worden. 
Das rasche Anwachsen der christlichen Gemeinde in der Hauptstadt des 
Reiches musste aber bald nach den Tagen Nero's bereits zur Anlage von 
Collectivgräbern für die Gemeinde führen. Aller Wahrscheinlichkeit nach 
entstanden dieselben zunächst dadurch, dass wohlhabende Mitglieder der Ge- 
meinde die Area, auf welcher sie sich selbst beisetzen liessen, auch den An- 
gehörigen der Gemeinde als Mitgliedern ihrer Familie im weitern Sinne oder 
ihrer Clientel zugestanden. Eine Reihe epigraphischer und archäologischer 
Argumente macht zur Gewissheit, dass schon zu Ausgang des 1., spätestens zu 
Anfang des 2. Jahrhunderts auf diese Weise an der Via Salaria Nova das 
Coemeterium der Priscilla und das sogen. Ostrianum (ad Nymphas s. Petri) an 
der Via Nomentana, weiter dasjenige der hl. Domitilla (Nerei et Achillei) an 
der Via Ardeatina entstanden; auch das Coemeterium des Praetextatus an der 
Via Appia und das am siebenten Meilenstein der Via Nomentana gelegene von 
S. Alessandro sind dem 2. Jahrhundert zuzuschreiben.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.