Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891887
ÄWÄIÄLLGÄE: 
nach dem Sturz der bosporanischen Dynastie in Pantikapaon an die Gothen, 
von diesen an die Hunnen und endlich an die Gepirlen gelangt. Der Stil der 
Völkerwanderung. wie ihn der Attilaschatz darstellt, hatte dann grosse Ver- 
breitung, nicht nur in den Pontosgegenden, sondern auch in Italien, Frank- 
reich und Spanien gefunden. ,Die merowingische Kunst gehört ebenfalls diesem 
Stil an; sie ist keineswegs im Westen entstanden. In den Ländern des 
heutigen Ungarn ist dieser „merowingische" Stil um wenigstens ein halbes Jahr- 
hundert früher heimisch als in Frankreich oder Belgienf Labarte wollte diesen 
Stil aus Byzanz ableiten; Hampl folgt einer Hypothese de Lasteyrie's, indem 
er sowol für die byzantinische Kunst als für die der Völkerwanderung eine 
gemeinsame Wiege in den pontischen Städten annimmt. Diese Annahme hat 
vieles für sich; es ist gewiss, dass durch dieselbe ein ,Stück des räthselvollen 
Schleiers gelüftet wurde, der gerade über diesem wichtigsten Zeitraum der 
frühesten byzantinischen Kunst ruht" 1. Wie dem aber sei, diese ganze Kunst 
der Völkerwanderung ist von einer positiven Beeinflussung durch den christ- 
lichen Geist noch frei; christliche Bezeichnungen, wie sie hier auf den Gold- 
schalen von Nagy-Szent-Miklos und auf manchen anderen Grabfunden auf- 
treten2, sind gewissermassen nur äusserliche Zuthaten. Das Kunstwerk ist 
noch nicht einer durch das Christenthum befruchteten Phantasie entsprungen. 
In ein neues Stadium tritt diese ,barbarische' Kunst von dem Augenblick 
an, wo ihre Träger infolge ihrer Niederlassung innerhalb der Grenzen des 
römischen Reiches mit den indigenen christlichen Elementen in Berührung 
kommen und den Einfluss der Religion Christi in sich erfahren. Diese Ein- 
Wirkung trat nicht sofort und überall ein, wo sich germanische Stämme an- 
gesiedelt hatten, und die religiöse Einwirkung war auch keineswegs überall 
und sofort von einer künstlerischen Anregung gefolgt. Die Vandalen in Africa 
haben zu der Kunst kein anderes Verhältniss gehabt als das negative, welches 
ihren Namen gebrandmarkt hat. Das gleiche gilt von anderen Stämmen. 
Die nomadische Wildheit musste ausgegoren haben, ehe die milde Sonne des 
Ohristenthums die Einbildungskraft dieser Nationen auf das Schöne hinzu- 
lenken vermochte. Und auch da War der Erfolg ungleich und wechselnd. 
Italien bietet uns das erste Beispiel einer Gewinnung des Germanenthums 
Gothen. für die römisch-christliche Cultur. Die Gothen Theoderichs haben sich dieser 
rasch a.ngeschmiegt; aber die Kunstwerke, welche unter dem grossen König 
geschaffen wurden, waren das Werk römischer und griechischer Hände, 
höchstens in dem Mausoleum Theoderichs, jenem steinernen Hünengrab, kann 
die Verkörperung germanischer Tendenzen erblickt werden. Diesem geist- 
vollen und hochsinnigen Volke der Gothen war in Italien nur ein kurzes Leben 
Langobardi- beschieden. Glücklicher waren die Langobarden, deren Reich wenigstens 
im") K""St' zwei Jahrhunderte aufrecht stand, bis der Anprall der Franken es zerstörte 
und das langobardische Element von dem lateinischen aufgesogen wurde. In 
seiner besten Zeit umfasste das von Alboin 568 begründete Langobarden- 
reich fast ganz Italien, mit Ausnahme der den Byzantinern verbliebenen 
1 Vgl. T11. v. FBIMMEL im Repert. für 
Kunstwissensehaft XI 173. 
2 Reiches Material bieten nach dieser 
Richtung die Sammelwerke von COCHET (La. 
Normandie souterraine. Paris 1854; Sepul- 
tures gauloises etc. Rauen 1857), L. LINDEN- 
SCHMIT (Handbuch der deutschen Alterthums- 
kunde Bd. I. Braunschweig 1880-1889; 
vgl. die dort angeführte Litteratur I 64; 
Alterthülner der heidnischen Vorzeit u. s.  
 Vgl. Nommom Ueber vorchristliche Kunst 
bei den Germanen (Repertorium für Kunst- 
wissenschaft XI 147). BERTRAND Archeol. 
celtique et gauloise. 2a 6d. Paris 1889.
        

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