Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886151
Katakonwlß 
tragt war. Immerhin konnte man die Frage aufwerfen, ob und inwiefern 
auch Collectivgräber, wie das officielle Coemeterium S. Callisto, denselben Schutz 
wie das Privatgrab genossen. Dass sie dessen versichert waren, scheint schon 
aus der Thatsache ihrer Construction hervorzugehen. 
Diese Thatsache hat aber durch eine geistreiche Hypothese de RossfsDie IÄIÄPIPC" 
eine willkommene Erklärung gefunden. Schon Mommsen hatte seit 1843 e" egm 
Näheres über die sogen. Armencollegien (Collegia tenuiormn) mitgetheilt, welche 
uns durch eine Inschrift vom Jahre 183 in ihren Details bekannt geworden 
waren. Leute geringen Standes, Sklaven und Handwerker, traten zu einem 
Verein zusammen, um sich die Wohlthat eines anständigen Begräbnisses zu 
sichern. Diese Bruderschaften nannten sich nach irgend einem dahingeschie- 
denen Wohlthäter oder nach einer von ihnen besonders verehrten Gottheit (daher 
Cultores Iovis, Herculis, Apollinis et Dirmae); sie erhoben von den Mitgliedern 
einen kleinen Beitrag beim Eintritt (etwa 15 Mark) und monatlich (etwa 
20  Starb ein Mitglied, so wurden die Kosten des Begräbnisses (etwa 
400 Sesterzen I 60 Mark) aus der Kasse des Vereines bestritten und jedem 
am Scheiterhaufen Anwesenden sodann eine Sesterze (etwa 20 Pf.) ausgezahlt. 
Auch hielt man von Zeit zu Zeit gemeinschaftliche Mahle, denen ein Magister 
prasidirte und bei welchen gewisse inschriftlich uns überlieferte Regeln des 
Anstandes zu beobachten waren. Das demokratische Kaiserthum Roms be- 
günstigte im allgemeinen diese Vereine, allerdings mit der Beschränkung auf 
die Begräbnisszwecke. Die zunächst durch die Lex Iulia für Rom gegebenen 
Privilegien derselben scheinen durch Septimius Severus auch auf die übrigen 
Provinzen des Reiches ausgedehnt worden zu sein; Traian hatte bei seinem 
Verbot der unerlaubten Hetärien sie ausdrücklich geschont. Es lag auf der 
Hand, dass die Christen keinen Grund hatten, auf eine Einrichtung zu ver- 
zichten, deren Wohlthat ihnen als einer Religio illicita ganz besonders ein- 
leuchten musste; und so sehen wir in der That wie dieselben Collegia fratruvn 
bildeten, deren Organisation die nämliche war wie diejenige der heidnischen 
Associationen und die sich auch der nämlichen technischen Ausdrücke bedienten 
wie jene 1. In der berühmten Inschrift von Cherchel in Africa, welche uns 
in einer Nachbildung erhalten ist  das Original war wahrscheinlich im 
Jahre 257 oder 304 zerstört worden  nennt sich ein africanischer Christ 
Cultor- (verbi); er spricht von einer Cella, die er auf der von ihm zu Begräbniss- 
zwecken geschenkten Area erbaut hat: alles Ausdrücke, welche auch in dem 
von Kiesslin g entdeckten Testament sich linden, welches auf einem Grab- 
stein von Langres eingegraben war. 
Ueber den Anfängen der römischen Katakomben liegt natürlich Anfänge 
ein tiefes Dunkel. Wir wissen, dass bereits vor dem Jahre 64 eine blühende 
Christengemeinde in Rom bestand. Wo begruben diese Christen ihre Todten 
und welchen Ritus beobachteten sie dabei? Alle Wahrscheinlichkeit spricht 
dafür, dass die Christen, welche aus dem Judenthum hervorgegangen Waren, 
1 Diese Annahme, von Einzelnen, wie 
V. SCHULTZE, WEINGARTEN u. a., bestritten, 
wird jetzt von den meisten Archäologen wie 
Juristen zugestanden (vgl. Real-Encyklop. d. 
christl. Alterth. I 107). Sie steht in voll- 
komrnenem Einklang mit dem, was die Unter- 
suchungen Foncnnws und HmNRIcfs hinsicht- 
lich des genossenschaftlichen Charakters der 
paulinischen Christengemeinden, speciell Ko- 
rinths, ergaben; diese Annahme erklärt allein 
gewisse Restitutionen von Loca ecclesiastica 
und Coelneterien, welche im 3. und 4. Jahr- 
hundert vorkommen (unter Alexander Severus, 
Gallienus, Aurelian, Maxentius) und welche 
ohne sie in völligem Widerspruch zum rö- 
mischen Rechte stehen. 
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