Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891812
Jillväf; 
miüßiäslää, 
von Bildern seitens der griechischen Vorlage ist sehr auffallend. Das Perikopen- 
system, wie es der ,C0mes' an die Hand gibt, ist lateinischen Ursprungsl; 
wie erklärt sich eine Anlehnung an dasselbe in einer griechischen Hand- 
schrift? Wird man nicht annehmen müssen, dass der in dieser Handschrift 
vertretene Bildervorrath aus der Kunst des Abendlandes nach Byzanz hinüber- 
gekommen war, ehe die Gabelung stattfand? Jedenfalls verdient das Ver- 
zeichniss des S. Galler Mönches die ernsteste Aufmerksamkeit. 
Es ist nicht die Absicht dieses Werkes, auf die Kunst nichteuropäischcr um byzan- 
Länder und die Mischung christlicher Kunst mit asiatischen Elementen näher'  
einzugehen. Wir flechten nur einige Bemerkungen ein, um das Bild zu ver- Asien. 
vollständigen, welches wir, leider in zu grosser Kürze, von der byzantinischen 
Kunst gegeben haben. 
Was von klein a siatis ch en Kirchen bekannt ist, scheint sich im allgemeinen 
im Rahmen der byzantinischen Architektur zu bewegen, wenn freilich auch die 
Zurückführung der Prachtanlagen der Hauptstadt auf ein einfaches, streng 
bestimmtes Gesetz hier und da (wie in der Clemenskirche zu Ancyra, in 
Kassela und Myra) versucht ist. Anderwärts herrscht ein ausgesprochenes 
Bedürfniss wechselnder Formen; prächtige Colonnaden und Säulen treten uns 
in Aladja und in den ,Tausend und eine Kircherf des Karah Dagh entgegen. 
Die Kaukasusländer, Georgien und Armenien, waren, spät erst dem 
Christenthum gewonnen und an den äussersten Coniinien desselben gelegen, 
selbstverständlich fremden Einiiüssen durchaus ausgesetzt. Persische und 
arabische Elemente mussten sich hier frühzeitig den byzantinischen beigesellen, 
welche freilich die massgebenden waren. Kugler macht darauf aufmerksam, 
wie sehr der feste, energische Dach- und Giebelbau dieser Länder, der dem 
Aeussern ihrer Architektur sein Gepräge gibt, mit der Gefühlsweise des By- 
zantinismus im Widerspruch steht. Es scheint nicht festgestellt zu sein, wie 
hoch wir die jetzt bestehenden umfangreichen Gebäulichkeiten des armeni- 
schen Hauptheiligthums Etzschmiadzin hinaufzurücken haben; von 302 
wird doch nicht ernstlich die Rede sein können. Ins 10. Jahrhundert wird 
die Kirche der hl. Ripsime in Wagharschabad gesetzt, ebenso die Kirchen 
zu Arkhuri am Ararat und Kharai. Dem Beginn des 11. Jahrhunderts 
gehört die Kathedrale zu Kutais (1003) und eine Kirche von Ani (1010) 
an, deren Kuppel auf gegliederten Pfeilern mit emporlaufenden Halbsäulen 
ruht und deren Wölbungen im Spitzbogen geführt sind. Hier wie in den 
Wandarcaden des Aeussern mit ihren Hufeisenbögen mögen arabische Einflüsse 
obwalten. Unter den kaukasischen Kirchen werden einige merkwürdige Rund- 
bauten des 11.-12. Jahrhunderts angeführt. Ausgesprochen byzantinisch ist 
die Kirche von Pitzunda, die man ins 6. Jahrhundert versetzen will. 
Stellte die Architektur dieser Gebiete auf solche Weise eine eigene 
Mischung dar, so scheint in den decorativen Künsten der Byzantinismus un- 
beschränkt geherrscht zu haben. Die Goldschmiedearbeiten, welche aus den- 
selben bekannt wurden 2, sind allerdings mit einem gewissen localen Charakter 
1 Die griechische Perikopenabtheilung, 
wie man sie jetzt z. B. in dem GsZov m2 
Zspüv Eüayyälcov (Vened. 1887) finden kann, 
ist eine neuere Einrichtung, welche mit dem 
altkirchlichen ,Comes' nichts zu thun hat. 
2 Vgl. BAYET Uartbyz. p. 287, Fig. 94. 95. 96.
        

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