Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1886142
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ÄVELS 
die so ausgedehnte geometrische Operation Ingenieuren (Mauser-es) anvertraut 
werden musste, welche hier ganz die Methode der römischen Feldmesser (Agri- 
mensores) befolgten. Fraglich kann erscheinen, 0b diese JlIenso-res förmliche 
Pläne (Formae) für die Ausgrabungen entwarfen; dagegen ist kaum zweifel- 
haft, dass sie auf Pergament oder Marmor eingetragene Forznae hatten, auf 
denen die gesetzliche Abmessung der über der unterirdischen Grabanlage ge- 
legenen Area eingezeichnet war. Solche Formae heidnischer Grabstätten und 
Häuser, in Marmor eingehauen, haben sich, wie die Fragmente von römischen 
Stadtplänen, bekanntlich erhalten. Die Anlage unserer Katakomben zeigt, dass 
die Mensorres bei Aufstellung ihres Planes ähnlich verführen wie die Feldmesser 
bei Absteckung eines Lagers oder Gründung einer Stadt. Man zog zunächst 
eine Linie von Norden nach Süden (Decmizanus), dann eine zweite, welche jene 
im rechten Winkel schnitt (Garde), nach Umständen auch sich doppelt kreuzende 
Linien (Decumanus maior, minor). Durch die von Süden nach Norden laufenden 
(Lrivnites translversi) und die von Osten nach Westen gehenden Linien (Limites 
jarorsi) war ein System von Parallelen dargestellt, aus welchem sich die 
Zerlegung des ganzen Areals in eine Reihe von Quadraten (Agri limitati, Actus 
guadrati) ergab. Dass die Aushöhlung der Katakomben im allgemeinen und 
das Einhalten der gesetzlich vermessenen Areae unter der Erde insbesondere 
eine grosse Geschicklichkeit verlangte, liegt auf der Hand. Es ergibt sich 
daraus, dass die Fossoren, denen die technische Leitung der Katakomben 
unterstand, Männer von einer gewissen Bildung gewesen sein müssen. 
Religiöser Nicht minder klar ist, dass Constructionen von so umfassender Natur 
 nicht ohne Vorwissen und Kenntniss der römischen Behörden vorgenommen 
Stätten werden konnten. Diese Anlagen müssen alse auch in den Zeiten der Verfolgung, 
denen sie grösstentheils angehören, den Schutz des Gesetzes genossen haben. 
In der That kann heute kein Zweifel mehr daran bestehen. Man weiss, dass, 
wie das Grab bei den Völkern des Alterthums im allgemeinen geheiligt war, 
so in Rom nach den gesetzlichen Bestimmungen jede Beisetzung den für sie 
bestimmten Boden zu einem geweihten (religiosus) machte. Solch ein Grund- 
stück konnte nicht mehr in fremden Besitz übergehen; der Eigenthümer des 
Grabes genoss also hier eine Ruhe, die durch nichts gestört wurde und für 
deren Aufrechterhaltung die Pontifices als staatliche Baupolizei Sorge zu tragen 
hatten. Auch der Verbrecher, den der Staat am Leben gestraft hatte, wurde, 
wenn die Ueberlebenden seinen Leichnam verlangten, diesen zum Begräbniss 
übergeben, und auch diese Bestattung war alsdann unverletzlich. Das römische 
Gesetz behandelte in dieser Hinsicht die Christen nicht ungünstiger wie alle 
übrigen Bürger. Die Unverletzlichkeit galt aber nicht bloss dem Grabe selbst, 
sondern auch dem Grundstück, welches als zu demselben gehörig durch fest- 
gesetzte Bestimmungen erklärt wurde und dessen Ausdehnung in die Breite 
und in die Tiefe auf den Grabschriften häufig durch den Vermerk IN  FR  P 
(in fronte pedes) oder IN  AG  P (in agro pedes) angegeben wurde. Bei ver- 
mögenden Erblassern war diese Area oft gross genug, um nicht bloss die 
Anlage von Gärten, sondern auch von Gebäuden zu gestatten, in welchen 
die Leichenceremonien, die jährlich wiederkehrenden Todtenopfer und die 
damit verbundenen Festmahle abgehalten wurden. Derartige Gebäulichkeiten, 
wie sie uns an der Via Latina erhalten sind, zeigen gewöhnlich einen halb- 
kreisförmigen Ausbau (Exedra) mit Sitzbänken und anderen Bequemlichkeiten 
für die Gäste, ferner eine Kammer (Custodia) für den Wärter, welcher mit 
der Ueberwachung des Grabes und der der Familie gehörigen Vigna beauf-
        

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