Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891566
Buch. 
Neuntes 
Stephanskrone in Buda-Pest. Aus der besten Zeit dieser Kunst stammt da- 
gegen ein Werk, welches durch seine Inschriften als eine eigenhändige Schö- 
pfung des Kaisers Constantin VII Porphyrogenitus und eines Kaisers Roma- 
nus (II [976] i?) bezeichnet ist, die grosse Staurothek von Limburg an 
der Lahn, welche der Ritter Heinrich von Ulmen aus Constantinopel brachte 
und 1208 dem Frauenkloster zu Stuben an der Mosel schenkte 1. Dieses 
Kreuzreliquiar besteht aus einer mit Schiebdeckel versehenen Lade. Die 
Kreuztafel selbst ist mit dem Bilde des thronenden Christus inmitten der zu je 
zwei in einem Felde geordneten Apostel, Johannes des Taufers, Mariae und 
der Erzengel Gabriel und Michael geschmückt. Die Figuren erinnern an das 
Elfenbein von Arras. Der Hauptreiz dieser Staurothek besteht in dem über- 
aus kostbaren Schmuck an Perlen, Edelsteinen und Emaillen, mit dem die 
kaiserlichen Künstler Aussen- und Innenseiten derselben bedeckten. 
Von dem ersten Auftreten des Emails in der altchristlichen Periode 
ist bereits oben S. 489 f. die Rede gewesen. 
Die Frage, wann das Email in Constantinopel eingeführt wurde, lässt die 
neueste Forschung unentschieden. Den Charakter byzantiniseher Kunsterzeug- 
nisse des  Jahrhunderts klar zu erkennen und sie nach Ländern und 
Völkern des Reiches zu sondern, ist rein unmöglich, und so bleibt dem For- 
scher nur der Weg der chronologischen Untersuchung 0Hen. Es ist nicht un- 
möglich, dass die byzantinische Kunst lange vor Justinian, also vor der Mitte 
des 6. Jahrhunderts, das Email kannte, doch die hauptsachlichsten Werkstätten 
übten die Emaillirkunst nicht; bei der Beschreibung der ihnen unbekannten 
Emailteehnik sahen sich die Panegyriker zu rhetorischen Umschreibungen 
gezwungen. Kondakoff, dem wir diese Aeusserung entlehnen, führt dann 
als frühestes Beispiel byzantinischen Emails ein Lammchen auf einem Elfen- 
beinbuchdeckel im Mailänder Dom? an. Als ältesten Beleg für denselben 
Kunstzweig als in Byzanz geübt hat man früher auf die Stelle des Liber 
pontiliealis verwiesen, welche unter den Geschenken Kaiser Justins I (518 
bis 527) an Papst Hormisdas eine Hangelampe aus Elektron (Gabata elec- 
trina) erwähnt; doch wollen Lasteyrie und Bucher unter diesem Elec- 
tron nur eine Mischung aus Gold und Silber verstehen. Festern Boden er- 
hält man mit den Mittheilungen des Paulus Silentiarius über den Justiniani- 
sehen Altar der Hagia Sophia. Seit dem Bildersturm kommen kleine Brustbilder 
(Enkolpien) von Heiligen in Gebrauch. Mit der Regierung Basilius des Mace- 
doniers nimmt die Fabrication von Email-Heiligenbildern und Email-Ornamenten 
einen noch grössern Aufschwung, um dann, wie es scheint, in der Zeit des 
Constantinus Porphyrogenitus ihren Höhepunkt zu erreichen. Jetzt Wurden auch 
Schüsseln, Schalen, Geräthe des Hofes, Waffen und Zaumzeuge gleich allen 
kirchlichen Utensilien mit Email ausgelegt. Dass die Herstellung dieses 
Schmelzwerkes eine nur vom Hof ausgeübte Geheimkunst gewesen sei, wie 
Labarte angenommen, ist durchaus unwahrscheinlich. Gerade der Bilder- 
sturm hat offenbar die Juweliere nach dieser von dem Gesetze freigelassenen 
Seite künstlerischer Bethatigung getrieben. Was die Technik anbelangt, so 
hält Kondakoff dafür, dass zwischen dem  Jahrhundert anfangs der 
l Oefter publisirt, am besten von E. Ausüu 
WEERTII Das Siegeskreuz (die Bezeichnung 
ist unzutreffend) der byzantinischen Kaiser 
Oonstantin VII. u. s. f. Bonn 1866 (B. J. 
XLII 212). Die Inschriften bei KRAUS Christ]. 
Inschriften der Rheinlando II 314, wo die 
Siltere Littemtur angägeben ist. 
2 IuxßARTn 1. c. p]. 6.
        

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