Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891556
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E2135 
Fast gleichzeitig ist das umfangreichste Werk dieser Art, welches die 
Byzantiner jener Epoche schufen, die berühmten Erzthüren von S. Paolo 
f uori le mura bei Rom, welche den Brand von 1823 überlebten, aber jetzt 
nicht mehr an ihrer ursprünglichen Stelle Platz gefunden haben. Die Abtei 
licss 1070 diese Thüren durch Staurakios in Constantinopel ausführen; die 
Kosten trug der Graf Pantaleo von Amalfil In den 54 Feldern dieser Thüren 
sind Scenen aus der heiligen Geschichte, Martyrer und Heilige dargestellt: 
aber hier waltet der statuarische, steife Zug vor. Die Gestalten haben be- 
reits die verlängerten Dimensionen der echt byzantinischen Kunst, und kein 
Hauch echter Antike gibt ihnen frischeres Leben und Freiheit. S0 Wenig 
befriedigend indes dies Werk in künstlerischer Hinsicht ist, so merkwürdig 
ist es in technischer. Die Darstellungen sind nicht in Basreliefs, sondern 
in aufgesetzter damascinirter Bronce gegeben. Der Contour wurde in den 
Boden des Metalls eingegraben und diese Gruben dann mit Silber und Gold- 
fäden ausgefüllt; Köpfe, Hände und Füsse wurden in Email hergestellt 1. 
Dies Werk leitet uns zu der Goldschmiedekunst über, in welcher Gold- 
die byzantinischen Meister dieser Periode ihre grössten Triumphe feierten. 
Freilich ist Constantinopel selbst nunmehr des unermesslichen Reichthums an Email. 
Schöpfungen dieses Kunstzweiges bar, der sich einst in seinen Mauern an- 
gesammelt hatte: Reliquiarien, Kronen, Thronsessel, Kirchen- und Zimmer- 
schmuck, wie der im grossen Triclinium der Magnaura, wo unter der Re- 
gierung Theophils des Ikonoklasten goldene Bäume mit singenden Vögeln, 
goldene Löwen, die sich bewegten und brüllten, geschaffen wurden,  Wunder, 
über welche die Zeitgenossen? staunend berichten. All diese Herrlichkeit ging 
bei der unbarmherzigen Plünderung der Stadt durch die Latiner 1204 zu Grunde 
oder wurde nach dem Abendland verschleppt 3, so dass sich die Leistungen der 
Byzantiner auf diesem Gebiete nur aus den bei uns erhaltenen Schätzen be- 
urteilen lassen. Dahin zählen die Besitzthümer des Schatzes von Venedig, 
vor allem die sogen. Pala d'oro der Marcuskirche, die allerdings das Werk 
verschiedener Zeiten ist und an der nicht bloss byzantinische Hände gearbeitet 
haben. Ihr Ursprung wird auf den Dogen Piero Orseolo (976-978) zurück- 
geführt, der in der That eine überaus schöne Altarvorsatztafel aus Gold und 
Silber von Constantinopel kommen liess. Indes kann nach Pasinfs Untersuchung 
nur der obere, mit griechischen lnschriften versehene Theil der heutigen Pala 
d'oro als in Constantinopel für Orseolo gearbeitet angesehen werden 4. Re- 
staurationen derselben fanden 1105, 1209 und 1845 statt. Ein verwandtes 
Werk ist die Pala d'oro in der Stephanskirche von Caorla, der alten Kathe- 
drale der venezianischen Lagunenorte, welche Caterina Cornaro auf ihrem 
Heimwege von Cypern mitbrachte und Caorla zum Andenken hinterliess 5. 
Jünger ist die zu Zeiten des Kaisers Michael Dukas (1071-1078) gearbeitete 
1 Abgebildet bei nkemconnm Sculpt. 
pl. 13-20. 
2 THEOPHAN. Chron., ed. Bonn. p. 793. 
3 Diese nach dem Occident gelangten 
Werke hat RIANT (Exuviae sacrae Constanti- 
nopolitanae. 2 voll. Genev. 1877) in höchst 
dankenswerther Weise zusammengestellt. 
4 Ueber die Pala d'oro und den Schatz 
von S. Marco in Venedig vgl. LABARTE l. c 
t. II u. III. JULIEN DURAND Tresor de Feglise 
Kraus, Geschichte der christl. Kunst. I. 
St-Marc. Paris 1862. A. PASINI Il tesoro 
di S. Marco. Ven. 1888; Guide de 1a ba- 
silique de St-Marc E1 Venise. Schio e Paris 
1888. VELUDO La Pala d'oro di S. Marco. 
Ven. 1887. Dazu MOLINIER in Graz. des beaux- 
arts XXXV 361. BARBIER DE MONTAULT 
in Rev. de Part chrät. XXX 343. 
ü PASINI La Pala d' oro di Caorla. Ven. 
1887 (Estr. dal giorn. La. Difesa XX, N0. 91 
bis 93). 
3G
        

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