Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891508
Neuntes 
Buch. 
vorbraclitc, welche man wegen ihrer Verwandtschaft mit der Antike früher 
weit höher als in das 10.-11. Jahrhundert datirte. Ein Hauptwerk dieser 
Richtung ist das jetzt (seit 1861) dem South Kensiiigton Museum (Nr. 216) 
gehörende Kästchen aus der Kathedrale zu Veroli, von dem sich ander- 
wärts (Museo Correr in Venedig, Sammlung Meyrick, Bethune) einige lte- 
pliken erhalten haben. Man sieht hier Europe auf dem Stier, Orpheus mit 
seiner Leier, Bacchus zwischen den Leoparden auf dem Wagen, Pegasus, 
Aeskulap, Achill bei Chiron dargestellt. Früher hielt man diese Reliefs für 
antik; Zorzi schrieb eine in Cividale wiederkehrende Figur des Veroli- 
Kastchens sogar dem  Jahrhundert zu. Indessen stellte sich der Unter- 
schied der Behandlung heraus. Nesbitt hat namentlich auf die Eigen- 
thümlichkeiten der Elfenbeiiic dieser 
   Periode hingewiesen, welche bei 
   f, .__ifiä,g- aller Nachahmung der Antike sich 
    v    e:   durch einen YTGWISSGII Manieris- 
Tfi-  '1  fiillljß"? 1'?   .21 mus auszeichnen. Eine ubertriebene 
ß  i g,   Schwäche oder Dünnheit der Glie- 
 gierte! der, auffallendes Hervortreten der 
519 "i-Me   Kniegelenke die Nesteluns des 
31 lniiiiffili f?         .2 li- o   , o 
 E1";  i" 3  Ü?"  "i? Haares in einer Menge von Quasten 
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 {jfe-IHX-  eine oft bis ins Komische gestei- 
a g: 1"     125i), 7 "JA   
    g gerte Uebertreibung in der Be- 
    V3; Xiijä wegung der Gestalten stellen sich 
 17V als Characteristica dieser Zeit im 
T: i?  H; v _  R b; 1'!    
4   H13, Gegensatz zur wirklichen Antike 
5,1l?  S?  heraus 1. Man muss dem hinzufügen, 
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 rj?   w  fl  Pjg  2M dass, gleich den Wandgemalden und 
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   rtvwyzi: iniaturen, auc ie en eine 
E     ww v"   i-srä. eisig  ,     
äliiii  531.1 7,  dieser Zeit durchweg ihren Gestal- 
   w  w.  v reif-M;    
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 i 2  e,   im _  p sionen und meist statuarische Steif- 
ÄäÄA-xi  heit geben, obgleich andererseits 
 "I  xrätg- "f  "11 
 _  Ä auch manche Darstellungen von 
ifimi-iww"   überraschender dramatischer Be- 
Fig. 438. Elfenbein, ehem. in der Sammlung de Bastarde.    
(Nach Didron, Annalcs arehöologiilues.)   
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Werke ist schwer oder vielfach unmöglich; die Mehrzahl der in unseren Museen 
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erhaltenen Zeugen dieser Richtung werden aber zwischen das 10._1ä. Jahr- 
hundert fallen. Unter ihnen sind manche Arbeiten von ausserordentliclier 
Schönheit. S0 die thronende Madonna mit dem Kind, welche ehedem der Samm- 
lung des Grafen de Bastarde gehörte (Fig. 438V; grosse Feinheit und Anmutli 
der Züge ist hier mit Majestät und Grösse der Auffassung verbunden. Auch die 
Gewandung ist voll und breit, mit seltener Meisterschaft behandelt. Wer diese 
1 Vgl. MASKELL lvories (South Kens. 
Mus), London, p. 55, Cat. Nr. 47. Wnslwvoon 
Fictile Ivories in the South Kensington 
Museum (London 1886) p. 221, wo noch 
andere hierher gehörige Elfenbeinarbeiten ver- 
zeichnet sind, deren zusammenfassende Be- 
arbeitung noch ausstellt. S. dazu TIKKANEN 
Genesismosaiken in Venedig und die Cotton- 
bibel (Helsingf. 1889) S. 116. Doßßßnr 
a. a. O. S. 359. 
2 Dnmon Annal. alroh. und danach bei 
BAYET L'art byz. p. 190, Fig. 62.
        

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