Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891478
Kunst. 
Die byzantinischci 
an den beiden anderen Seiten, so dass ein zweigeschossiger Umgang entsteht, 
der an der Westseite als Gynaecenm eingerichtet war. 
In der Behandlung der Einzelformen bemerkt man grosse Verschieden- 
heit. Die Capitelle in der Säulenreihe des Erdgeschosses haben an ihren 
geschwungenen Seitenilächen tief eingeschnittenes Rankenwerk von Akanthus, 
über welchem an den Seiten verkümmerte Voluten hervortreten. Die Archi- 
volten sind von einem reichen Ornameutbande umrahmt, das sich über den 
Capitellen fortsetzt. Zwischen den Rundbögen zeigt die Wandfläche wieder 
ein anderes Akanthusornament. In dem Rankenwerk der Capitelle stehen 
Monogramme, statt der Voluten sieht man einmal vier Tauben; sonst kommen 
flgurirte Capitelle nicht vor. 
Die Sculptur spielt hier eine untergeordnete Rolle. Edle Metalle und 
Marmorsorten suchen ihre Wirkung zu ersetzen. Mit solchen in schemati- 
schen Mustern geschnittenen, auch zu Blumengewinden und Thieriiguren zu- 
sammengesetzten kostbaren Marmoren waren alle Wände vom Fussboden bis 
zum Kranzgesimse ausgelegt, ebenso der Fussboden. Paulus Silentiarius unter- 
lässt es nicht, eine eingehende Schilderung dieser farbigen Steinlagen zu geben, 
die seine und seiner Zeitgenossen Bewunderung in ganz besonderm Masse 
herausforderten. Noch reicher war das Sanctuarium bedacht, wo Säulen und 
Wände mitsammt Altar und Ciborium in Silber ausgestattet waren. Die 
Gewölbe waren mit Mosaiken auf Goldgrund geschmückt; in der grossen 
Kuppel prangte die sitzende Gestalt des Weltenrichters auf der Iris, zwischen 
den in den Zwickeln angebrachten Cherubköpfen. Die vierzig Fenster, welche 
die Kuppel umgaben, und zahlreiche andere, welche zwischen Säulen und Pfeiler 
gestellt waren, führten dem Innern eine Fülle von Licht zu, welche die 
NVirkung all dieser Pracht aufs höchste steigern musste. Prokop vergleicht sie 
mit dem Anblick einer von einem Blumenteppich geschmückten Wiese. Bei dem 
nächtlichen Gottesdienste strahlte all dieser Marmor und dieses edle Metall 
im Lichte von 6000 vergoldeten Candelabern. Man kann sich denken, welch 
unvergesslichen Eindruck eine derartige Feier auf die sinnlich angelegte Be- 
völkerung des Südens machen musste. Von den Mosaiken ist wenig übrig 
geblieben. Die Türken haben, als sie von der Hagia Sophia Besitz ergriffen, 
viele derselben zerstört, andere mit Tünche bedeckt. Was Salzenberg von 
noch erhaltenen publieiren konnte, sind Werke späterer Zeit: der Engel mit 
dem Stab und der Weltkugel, der zwischen zwei Rundmedaillons mit den 
Büsten Mariae und des Erzengels Michael thronende Erlöser, vor welchem 
ein den Nimbus tragender Kaiser auf den Knieen liegt (Fig. 437), dann einige 
Reste von Propheten und Heiligen an den Arcaden. 
Man begreift, dass die Sophienkirche nunmehr für den ganzen Umkreis 
der griechischen Kirche sammt den später ihr zugewachsenen Tochterkirchen, 
wie derjenigen Russlands, typische Bedeutung gewann. Die Verbindung der 
Kuppel mit einem viereckigen Raum, die Freilassung des unter der Kuppel 
liegenden Mittelraumes und die Anlage von Emporen ringsum, das Hervor- 
treten der Wölbungen nach aussen wird von jetzt ab Regel. Das ästhetische 
Gefühl der Byzantiner findet sich bei einer Kirchenanlage am besten be- 
friedigt, bei welcher, wie das Prokop öfter mit Genugthuung betont, Länge 
und Breite in dem richtigen Verhältnisse stehen, d. h. wo die Länge die 
Breite nicht sonderlich, höchstens um die Tiefe des Presbyteriums, übersteigt. 
Auch Agathius hebt gelegentlich des Zusammensturzes der Kuppel infolge eines 
Erdbebens (558, 7. Mai) die ,gleichseitige Harmonie der Sophienkirche hervor.
        

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