Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891437
Kunst. 
byzantinische 
Constantin und Justinian noch immer im Itabmen der altchristlichen, helle- 
nistisch-römisehen Uebung. Es dringen, namentlich von Syrien aus1, sowol 
in die Architektur wie in die Sculptur Elemente und Motive (wie die 
scharf gezeichneten, spitzen Blätter der Laubzeichnung) ein; es stellen sich 
in den Bauformen der Basilika Modifieationen, wie die Galerien über den 
Seitenschiffen, die drei aussen dreiseitigen Apsiden, ein; es tritt das eine 
oder andere neue Sujet in der Ikonographie auf: alles Erscheinungen, 
welche der Kunst Constantinopels einen ausgeprägten localen Charakter 
verleihen, sie aber von dem gemeinsamen Boden, auf dem auch die abend- 
ländische Kunst entsprossen ist, nicht losreissen. Die Gabelung beginnt 
im Zeitalter Justinians, sie wird vom 7. Jahrhundert  sagen wir von 
Hcraclius  ab eine vollendete Thatsache. Die Gründe, welche dazu und 
zu dem raschen Verfall der altchristlich-römischen Tendenzen in Oonstan- 
tinopel geführt haben, sind leicht ersichtlich. Wilde Kämpfe und steigende 
Zerrüttung, wie sie diese Uebergangszeit des Ostreiches aufweist, mussten an 
sich rasch einen tiefen Verfall der Kunst herbeiführen. Es kam hinzu, dass 
das römische Element nunmehr vollends hinter indigenen und barbarischen 
Einflüssen zurückwich; die ganze Bevölkerung, der gesammte Staatsorganismus 
wurde mehr und mehr von der antiken Cultur weggerissen. Vor allem ver- 
sank die frische, Kunst und Poesie anregende Lebenskraft der Kirche. Schon 
unmittelbar nach dem Tode des hl. Chrysostomus trat eine Entartung alles 
christlichen Lebens, ein tiefes, rasches Sinken der Kirche in Constantinopel 
ein. So rächte sich das schwere Verbrechen, welches die Byzantiner an dem 
besten und grössten Mann ihrer Kirche begangen hatten. Hatte die Miss- 
handlung des grossen Kirehenlehrers bereits eine tiefe Entfremdung zwischen 
Morgen- und Abendland herbeigeführt, so wuchs diese im Laufe des 5. und 
6. Jahrhunderts zu steigender Erbitterung, als in den dogmengeschichtlichen 
Kämpfen Byzanz eine Niederlage nach der andern erlebte. Der Streit um 
die drei Kapitel und das fünfte allgemeine Concil zu Constantinopel führten 
ein Schisma herbei, das in einzelnen Theilen des Abendlandes bis zum 8. Jahr- 
hundert währte. Die sogen. Quinisexta oder das zweite trullanische Concil 
von 692 sprach in seinen gegen Rom gerichteten Disciplinarbeschlüssen be- 
reits die tiefeingewurzelte Feindschaft gegen das Abendland aus und ver- 
kündigte den Bruch, den der Bilderstreit bereits zur Thatsache machte. 
Aus dieser Glanzperiode des alten Constantinopel ist uns nur mehr wenig 
erhalten. Bayet glaubt (p. 30) 88 Kirchen- und Klostergründungen zwischen 
Constantin und Justinian berechnen zu können. Es sind deren wahrscheinlich 
noch viel mehr gewesen. Mehr oder weniger beschädigt oder zu Grunde ge- 
richtet bestehen noch die Basiliken des Johannes Studios, S. Sergius und 
Bacchus, der justinianische Bau der Sophienkirche, S. Irene, eine Marienkirche 
und die des Pantokrator, Reste des Saales des Hebdomon, die zwei Obelisken 
und die Säule der Schlange vom Hippodrom, die Theodosische Säule. Von 
dem grossartigen Palast des Constantin, den Justinian I fast ganz erneuerte, 
dem Justinian II, Theophilus und Basilius der Macedonier beträchtliche Ar- 
beiten zufügten, ist nichts erhalten 2. Einige architektonische und plastische 
' Die Einüüsse Syriens, auch auf den 
Occident, haben CuolsY (L'art de bätir chez 
los Byzantins. Paris 1884), DE Voeüli: und 
JANITSCIIEK betont. Vgl. auch läxxluwxsx 
Harte crist. antica (Arch. stor. delPal-tc 
IV [1891] 6). 
2 Vgl. JULEs LABARTE Le palais impörial 
de Constantinople et ses abords, Saintg
        

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