Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891426
550 Neuntes Buch. 
bekannten Bildercyklen der Wand- und Mosaikmalerei des Abendlandes. Ihnen 
hat der Osten so gut wie nichts von Bedeutung an die Seite zu stellen. Man 
fragt (lemgegenüber 1nit Verwunderung, mit Welchem Rechte die Erweiterung 
des Bilderkreises, die Zugewinnung neuer Sujets und Typen Constantinolael 
und nicht dem Abendland in Rechnung gesetzt wird. 
Was bis ins 6. Jahrhundert in Constantinopel an Sujets zur Verwendung 
kam, lässt sich zufällig mit annähernder Sicherheit feststellen. Zwar sind die 
Mosaiken und Gemälde, mit denen Justinian die Hagia Sophia schmückte und 
Welche nach dem Zeugnisse des jüngern Stephanus Diaconus die Vater des 
fünften allgemeinen Concils in dieser Kirche bewunderten, zu Grunde ge- 
gangen und ebenso diejenigen, welche in der Marienkirche am Quelle (der 
llyywj) angebracht waren. Indessen kennen wir durch die ,Anthologia graeca' 
(Nr. l1O_115) den Inhalt der in der Hryyj vorgestellten Scenen, für Welche 
der Grammatiker Ignatius die Epigramme schuf (Anthol. Nr. 109). Es waren 
der englische Gruss, die Darstellung im Tempel, die Heilung des Blind- 
gebornen, die Verklärung, die Kreuzigung, die Himmelfahrt des Herrn, die 
Mutter Gottes; also nichts, was über den gleichzeitigen Bilderkreis des Abend- 
landes hinausging. Etwas später dürfte eine zweite Serie von Sujets sein, 
welche uns die griechische Anthologie anderwärts (III 15, Nr. 37 sqq.) 
als in den Kirchen Constantinopels dargestellt verzeichnet. Es sind die Be- 
suchung, die Geburt des Herrn, die frohe Botschaft an die Hirten, die Hirten 
und der Chor der Engel, Bethlehem, die Magier, die Darstellung im Tempel, 
Rachel, die Taufe Christi, die Verklärung, die Heilung des Blindgebornen, 
Lazarus, die Palmen (Einritt Jesu in Jerusalem), Ostern (wol das Abend- 
mahl P), die Kreuzigung, die Auferstehung. Dazu kommen noch an Heiligen- 
bildern Petrus und Paulus, Johannes Evangelista, Matthaeus, Lucas, Marcus, 
Basilius, Polykarpus, Dionysius, Nikolaus 1. Ob diese Zusammenstellung noch 
dem G. Jahrhundert angehört oder ob sie, wie zu vermuthen ist, etwas später 
fällt, lässt sich jetzt nicht mehr ermitteln; jedenfalls stellt auch sie keine 
nennenswerthe Erweiterung des abendländischen Bildervorrathes jener Zeit dar. 
Und ähnlich verhält es sich drittens mit den Typen und Formen. Die 
Wenigen Sculpturreste, welche aus dem 4-6. Jahrhundert für Ooustantinopel 
angesprochen werden können (wie das Trierer Elfenbein, welches ich in die 
Zeit Leo's I, 457-474, setze; s. oben S. 501), haben noch die kurzen, ge- 
drungenen Körperformen der römischen Kunst und sind total verschieden von 
dem, was wir den byzantinischen Typ nennen. 
Die Kunst Die hier vorgelegten Betrachtungen können, wie schon bemerkt, nicht 
 den Anspruch erheben, ein abschliessendes Urteil zu begründen; ein solches 
zwischen kann nur auf Grund eines reichern Materials gefällt werden, und da die 
 Publication eines solchen in Aussicht gestellt ist, wäre es eine Unbeseheiden- 
heit, bereits heute eine so Vielberilfene und viel verhandelte Controverse ent- 
scheiden zu Wollen. Aber wie die Dinge einstweilen und noch heute liegen, 
wird man von dem Entwieklungsgange der byzantinischen Kunst nur folgendes 
Bild gewinnen können. 
ln Constantinopel bewegt sich die bildende Kunst in der Zeit zwischen 
Vgl. 
Auszüge 
,Anth0]0gia 
graecaü 
GARRUCCI 
Storia 
.341 sg.
        

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