Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891409
Buch. 
Neuntes 
bewahrte noch die römische Sprache und Form, erst in seinen und seiner Nach- 
folger Novellen bricht das Griechische durch. Noch später tritt der Wende- 
punkt im Münzwesen ein. Zwar finden sich schon unter Kaiser Anastasiusl 
(491-518) griechische Buchstaben auf oströmischen Münzen als Werthzeichen 
verwendet; aber die griechische Legende mit dem 'Eu roüz-gu uiza hat erst 
Hcraclius (610_641), und zwar auf rohen Kupfermünzen eingeführt, die zur 
Ablehnung der Truppen dienten. Der lateinische ,Augustus' weicht dem 
griechischen ßaozÄezig oder Asomirvyg erst Während des 8. Jahrhunderts; ganz 
griechische Legenden auf dem Revers treten erst in der Mitte des 9. Jahr- 
hunderts auf. Selbst die macedonische Dynastie hat auf ihren Goldmünzen 
noch die Büste Christi mit der Legende Iesus Christus rex regnantiznn. Den- 
selben Eindruck empfangen wir aus der Litteratur. Erst mit dem 7. Jahr- 
hundert beginnt  immer nach Krumbachers Zugeständniss  das Eigenleben 
des byzantinischen Geistes, und demgemäss haben auch Finlay wie Zachariä 
von Lingenthal das 7. Jahrhundert, speciell die Regierung der Isaurier, als 
den Ausgangspunkt der eigentlichen byzantinischen Cultur erklärt. 
Es würde allen Gesetzen der Geschichte widersprechen, wollte man mit 
Strzygcwski trotzdem die Kunst Constantinopels, welche sich von den Tagen 
Constantins bis zu denen Justinians entwickelt hat, aus dem Rahmen der 
römisch-altchristlichen herausreissen, u1n sie in einen organisch-engen Zu- 
sammenhang mit der specifisch byzantinischen der späteren Jahrhunderte zu 
bringen. Schon ein flüchtiger Blick auf beide Gruppen sollte, Wie es scheint, 
genügen, um die tiefe Kluft wahrzunehmen, welche beide trennt. Bis auf 
Justinian bewahrt die Kunst Constantinopels den grossen, freien Charakter 
der antiken Kunst, der sich auch in der christlichen Umbildung nie völlig 
verleugnet. Die specifisch byzantinische Kunst aber ermangelt jeder klaren, 
planmässigen und methodischen Durchbildung, jeder Gesetzmässigkeit der 
Form; Idee und Form durchdringen sich in ihr nicht, nirgends begegnet man 
den klar verstandenen stilistischen Principien, welche den Grundzug der Antike 
bilden und welche, wenn auch in sehr verschiedener Weise, die Kunst des 
Abendlandes in ihrer. guten Zeit wieder darstellt. 
Um das Gegentheil zu erweisen, beruft sich Strzygowski, wie wir oben 
sahen, auf die angeblich von Constantinopel ausgegangene Verbreitung des 
neuen Akanthuscapitells und des Kämpfercapitells. Aber es ist mit nichts er- 
wiesen, dass das ,zu Hunderten in allen Küstengebieten des Mittelländischen 
Meeres" nachweisbare, von ihm theodosianisch genannte Capitell auf Constanti- 
nopel und das goldene Thor zurückgeht, wo es 388 auftritt. Das Kämpfer- 
capitell, nach Strzygowski 528 erfunden, soll von Constantinopel seinen Weg 
nach dem Abendland genommen haben; aber hier begegnen wir ihm bereits 
hundert Jahre früher in der Basilica Severiana zu Neapel, in S. Apollinare 
Nuovo in Ravenna. Endlich soll die seit dem 5. Jahrhundert überall einge- 
tretene Wandlung der Darstellungsreihen und der historisch-dogmatische Cha- 
rakter der christlichen Kunst seit dem 4. Jahrhundert ein Beweis für die 
Eigenart und das Emporkommen des Byzantinismus sein. Hier liegt ein merk- 
würdiger Fehlschluss vor. Zuerst wird die Umwandlung der altchristlichen 
Kunst im historisch-dogmatischen Sinn als etwas speciiisch Byzantinisches 
hingestellt, und dann zweitens darauf hin die Mosaikmalerei u. s. f. des 
Abendlandes für Byzanz in Anspruch genommen. Wir haben seiner Zeit ge- 
zeigt, wie die veränderte Situation des Christenthums nach 312 ganz von 
selbst und gerade in Rom die Ablösung des naiv-symbolischen Elementes
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.