Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891391
Kunst. 
_Die byzgtinische 
dung einer byzantinischen Kunst des Mittelalters von einer oströmischen der 
altchristlichen Zeit, also die Unterscheidung zweier paralleler verschiedener 
Theile der byzantinischen und vor allem constantinopolitanischen Kunst. Mit 
Basilius Macedo setze keine neue Richtung ein, sondern nur eine Restau- 
ration der ältern, ein Wiederaufsuchen der Reste antiker Cultur. 
Für den Erweis dieser Behauptungen beruft sich Strzygowski auf das 
von ihm beigebrachte, der bisherigen Forschung gänzlich unbekannte Material, 
welches er in seinen ,Byzantinischen Denkmälerm demnächst zu veröffent- 
lichen beabsichtigt. S0 lange diese Publication aussteht, wäre es schwer und 
unangemessen, ein endgiltiges Urteil über die Streitfrage fällen zu wollen. 
Strzygowski hat das Recht zu beanspruchen, dass dies Urteil suspendirt bleibe 
bis zu dem Tage, wo das von ihm mit so viel Eifer und Eingebung gesam- 
melte Material vorliegt und wo endlich auch eine systematische Durch- 
arbeitung der Denkmäler Constantinopels, an der es noch gänzlich fehlt, 
vollzogen sein wird. 
Zur Stunde lässt sich also nur ein vorläufiges Facit aus dem bisher Bei- 
gebrachten ziehen. So bestechend und hinreissend der Enthusiasmus des 
glücklichen Finders wirken mag, er darf doch Recht und Pflicht einer ruhigen 
und kalten Erwägung nicht beeinträchtigen. Eine solche lässt uns aber die 
Dinge in einem wesentlich andern Lichte als in dem von dem neuesten Ver- 
treter der byzantinischen Kunstforschung bevorzugten erscheinen. 
Wenn Strzygowski die Einheitlichkeit der byzantinischen Kunst behauptet, 
so hat er insofern unzweifelhaft recht, als man ebenso von einer einheitlichen, 
auf einer specifisch nationalen Grundlage ruhenden deutschen oder französi- 
schen Kunst reden kann. Für die Stilfrage ist aber damit wenig oder gar 
nichts gewonnen. Niemand wird von einem deutschen Stil" reden und damit 
zugleich die Kölner Malerschule und Albrecht Dürer, oder zugleich Riemen- 
sclmeider und Schlüter treffen wollen. Die Schöpfungen des justinianischen 
Zeitalters, welche die Hagia Sophia schmückten, die Miniaturen des Pariser 
Psalters oder des Gregorius von Nazianz unter dieselbe Stilbezeiclmung zu 
subsumiren wie die geistlosen und öden Erzeugnisse der nachkomnenischen 
Mönchsschulen ist ebenso ungerechtfertigt. Man wird zur Verständigung über 
die byzantinische Frage' gelangen, sobald man aufhört, mit der Bezeichnung 
,Byzantinisn1us' die Vorstellung von einem einheitlichen und gleichförmigen 
Stil zu verbinden. Die antike Grundlage dieser ganzen Kunst wie des ge- 
sammten Byzantinerthums wird dadurch nicht berührt. 
Diese antike Grundlage darf aber auch nicht missverständlich übertrieben 
werden. Die Betrachtung der byzantinischen Kunst darf nicht getrennt werden 
von derjenigen der Entwicklung des politischen und socialen Wesens des 
Byzantinerthums, seiner Anfänge in den Tagen Constantins und seiner totalen 
Modiiication seit Justinian d. Gr. bezw. Heraclius. 
Die Anfänge Constantinopels, das heisst die Zeit von Constantin bis in 
die Mitte des 6. Jahrhunderts, sind noch gänzlich von Rom und dem latei- 
nischen Elemente beherrscht. Auch Krumbacher bestätigt das von seinem 
Standpunkt des Litterarhistorikers. ,Von einem oströmischen oder byzantini- 
schen Reich kann man', sagt er (S. 3), ,genau genommen erst seit dem 
Jahre 800 sprechenf Nach der Trennung unter Theodosius blieb auch in 
der Osthälfte des Reiches der gesammte Staatsorganismus, Sprache, Gesetz 
und Sitte römisch. In der Rechtspflege wich das Lateinische nur sehr lang- 
sam vor dem Griechischen zurück. Justinians Sammlung der Rechtsbücher
        

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