Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891362
Neuntes 
Verehrung siegreiche Reaction brachte zwar die alte Tradition wieder zu Ehren, 
doch brach sich die neue Geistesrichtung Bahn, welche den Rücktritt des plasti- 
schen Elementes bedingte. Eine Wiederbelebung antiker Formen tritt mit der 
Herrschaft der macedonischen Dynastie im 9. und 10. Jahrhundert ein. Haupt- 
zeugen dieser Renaissance sind die Pariser Handschriften des Psalters und 
des Gregor von Nazianz. So sehr indessen Personificationen und Stimmungen 
hier an die Antike anklingen, so merkt man diesen Figuren doch bald den 
Mangel an Klarheit und fester Bestimmtheit an; die Bewegungen sind unsicher, 
der Faltenwurf nur ungefähr richtig. Nicht die Natur, sondern iiache Zeicl1- 
nnngen und Gemälde haben hier als Vorbilder gesessen. Wo der Maler 
selbständig schafft, lässt er die antiken Traditionen beiseite. Die neue mön- 
chische Phantasierichtung bestimmt den Inhalt der Bilder. In der Auffassung 
des biblischen Textes unterscheidet sich die byzantinische Kunst von der des 
Abendlandes dadurch, dass in letzterer die tcndenzlose Erzählung, in ersterer 
eine beziehungsreiche, fast mystische Umdeutung der Worte vorherrscht. Von 
einem unrettbaren Verfall, einer völligen Erschöpfung kann man bei all dem 
erst seit den Zeiten der Kreuzzüge sprechen, und es schliesst eine grobe 
Unwahrheit in sich, wenn man die byzantinische Kunst in dieser ihrer bessern 
Zeit als mumienhaft, starr und todt bezeichnet. In vielen Dingen hat sie 
im 9.-11. Jahrhundert die abendländische Kunst des Mittelalters überragt, 
und das verdankt sie hauptsächlich den länger bewahrten antiken Traditionen 
und den trelflichen technischen Recepten, welche namentlich dem Kunst- 
handwerk zu gut kamen. 
Diese Auffassung wurde im wesentlichen auch von Perate (p. 248). 
wickhnfiiJanitschek und Wickhoifl getheilt. Besonders hat Wiekhoff noch kürz- 
lich betont, dass, wie Tikkanen an den alttestamentlichen Bildern in der Vor- 
halle der S. Marcuskirche zu Venedig erwiesen hat, ,die vorzüglichste Bilder- 
reihe, die uns das byzantinische Mittelalter hinterlassen hat, bis auf alle 
Kleinigkeiten auf Vorbilder aus dem 5. Jahrhundert (und zwar lateinische) 
zurückgehe', dass demnach die Annahme sich nahelegt, dass die uns neu 
erscheinenden Compositionen der byzantinischen Kunst nichts anderes als eine 
Auswahl oder ein Ueberbleibsel seien von der Masse ursprünglicher altcl1rist- 
licher Compositionen, die sich in den grossen Städten des Orients, in Ale- 
xandrien, Antiochien und endlich in Byzanz, im 4. und 5. Jahrhundert ge- 
bildet hatten. ,Was die byzantinische Kunst reicher machte als die gleich- 
zeitige romanische, wäre also nicht eine lebendigere Erfindungskraft, sondern 
die günstige geographische Lage, die sie zur treuen Hüterin der alten Er- 
findungen bestellt hattef 
Strzy- Ganz andere, ja direct entgegengesetzte Wege gehen die neuesten Unter- 
wäzlkf suchungen über die byzantinische Kunst, welche wir der Energie und Hingebung 
Tllßvriß-cines jüngern Forschers, Joseph Strzygowskfs, verdanken. 
Das früher und bis vor wenigen Jahren allgemein getheilte Urteil über 
Werth und Entwicklungsgang der byzantinischen Litteratur hat in den letzten 
Jahren eine wesentliche Modification erfahren. Man hatte durch Pitra u. A. 
den bisher gänzlich unbekannten ,Pindar der rhythmischen Poesieß Romanos 
den Meloden, den grössten Dichter der Byzantiner, vielleicht den grössten 
Kirchendichter aller Zeiten, kennen gelernt. Die griechische Hymnenpoesie 
1 JANITSCHEK in SPRINGERS Festgruss 
17 (betr. Bilderstreit) und im Bvepert. für 
Kunstwissenschaft XI 188.  WIGKHOFI 
Repert. für Kunstwissenschaft XVU 10. 
im 
17.
        

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