Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891340
N ountcs 
Stils, wie er ihn im Cosmas offenbart, widersetzten und dadurch die Nach- 
ahmung der verfallenden antiken Manier des  Jahrhunderts hervor- 
riefen  Indessen gesteht er zu (I 195), dass diese Vorbilder des 5. bis 
7. Jahrhunderts allmählich infolge des Bilderstreits gegen Ende des 9. Jahr- 
hunderts hinter der ,eigentlich byzantinischen Manier" zurücktreten. Die Kunst 
gewinnt jetzt einen vorwaltend decorativen Charakter. Zwar ist es dieselbe 
Epoche, welche auch noch daneben die schönen illustrirten Psalterien des be- 
ginnenden 9. Jahrhunderts aufweist; aber unter der Uebermacht orientalischer 
Einflüsse siegt die decorative Tendenz, die sich mit den vorhandenen Elementen 
völlig assimilirt und den speciiisch byzantinischen Stil darstellt. Armenische, 
slawische, georgische, unteritalienische und syrische Elemente iliessen hier in 
Oonstantinopel alle zusammen. Die monumentale Malerei und die Plastik des 
11.-12. Jahrhunderts zeigen eine wunderbare Technik, eine Unmasse mikro- 
skopischer Figuren, Arabesken von seltener Eleganz; aber auch hier tritt die 
Schilderung der menschlichen Gestalt hinter der decorativen Tendenz zurück, 
und die nämliche Umwandlung vollzieht sich auch auf dem Gebiet der Archi- 
tektur, wo die constructiven Gedanken hinter der Ueberfülle der Prolilirung 
und den Rücksichten auf den malerischen Effect zurückweichon. 
Gleichwol erklärt Kondakoff die durch das Emporkommen und den Ein- 
fluss der macedonischen Dynastie (867-1057) bezeichnete Epoche vom Aus- 
gang des 9. bis Ausgang des 12. Jahrhunderts als ein zweites goldenes Zeit- 
alter der byzantinischen Kunst, als deren glänzendste Periode (II 1). Freilich 
bildet sich jetzt der speciiisch byzantinische Typus der Gestalten und Gesichter 
aus; es leidet die Ikonographie unter der Unveränderlichkeit dieser Typen und 
andererseits der Invasion eines eigenthümlichen Naturalismus (II 10). Aber der 
Aufschwung der politischen und sooialen Verhältnisse gab der Kunst neue und 
grosse Aufgaben, deren Lösung zu den glanzendsten Leistungen der techni- 
schen Kunst führte. Dahin gehören die Mosaiken von Constantinopel, die 
musivischen Gemälde aus der Zeit Basilius des Macedoniers in der Hagia 
Sophia (1848 aufgedeckt), Chora, Thessalonich (Sophienkirche), Bethlehem 
(Nativitaskirche, 1143-1180), Kiew (Sophienkirche, 1051), Palermo (Palatina, 
1130-1142; Martorana, ca. 1143), Venedig (S. Marco), die Emails (am 
Altar von S. Sophia in Gonstantinopel; Staurothek zu Limburg, 948-959), 
Werke der Goldschmiedekunst (wie die Pala d,oro zu Venedig); Buchdeckel; 
die Krone des Oonstantin Monomachus zu Pest; die ungarische Königskrone 
und die Krone Karls d. Gr. zu Wien. Mit den kostbaren Psalterien von 
Paris (Bibl. Nat. Nr. 139) und des Vatiean (Reg. Christ. Nr. 1), von Mailand 
(Ambros. Nr. 54) und dem Sinai (Nr. 61), mit den Homilien des hl. Gregor 
von Nazianz (vollkommenste Ausführung in der Bibl. Nat. zu Paris, Cod. 
graec. Nr. 510, um 880-885 für Basilius den Macedonier hergestellt), mit 
dem vaticanischen Menologium, dem vatieanischen Oktateuch (Nr. 746), der 
Bibel von Watopädi auf dem Athos (Nr. 1; 11. Jahrhundert) u. s. f. er- 
reicht die Miniaturmalerei ihre glanzvollste Höhe, von der sie im 12. Jahr- 
hundert herabsteigt, um im 13. und 14. Jahrhundnrt völliger Auflösung 
entgegenzugehen. Diese zweite Renaissance, durch äussere Umstände her- 
beigeführt und auf keiner soliden Grundlage beruhend, war also von kurzer 
Dauer. Die Decadenz beginnt schon mit der grossen Katastrophe, welche 
Constantinopel 1204 traf. Die Wiederherstellung des nationalen Kaiserthums 
1261 war nicht im stande, dem Reiche seinen alten Organismus wiederzu- 
geben: die Zeit von 1204-1453 ist nur eine langsame Agonie Ostroms.
        

Nutzerhinweis

Sehr geehrte Benutzer,

aufgrund der aktuellen Entwicklungen in der Webtechnologie, die im Goobi viewer verwendet wird, unterstützt die Software den von Ihnen verwendeten Browser nicht mehr.

Bitte benutzen Sie einen der folgenden Browser, um diese Seite korrekt darstellen zu können.

Vielen Dank für Ihr Verständnis.