Bauhaus-Universität Weimar

Titel:
Die hellenistisch-römische Kunst der alten Christen, die byzantinische Kunst, Anfänge der Kunst bei den Völkern des Nordens
Person:
Kraus, Franz Xaver
Persistente ID:
urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1885311
PURL:
https://digitalesammlungen.uni-weimar.de/viewer/resolver?urn=urn:nbn:de:gbv:wim2-g-1891335
Kunää." 
Pyzaßälvißsä 
der Trübsal, welche Byzanz im 12. und zu Anfang des 13. Jahrhunderts zu 
bestehen gehabt, machen das Buch Job besonders beliebt. Zwischen dem 
10. und 12. Jahrhundert tritt eine eigenthümliche, vielleicht aus Aegypten 
oder Syrien importirte Illustration der Evangelien ein, wo in ziemlich stereo- 
typer Weise jedes Factuln, fast jede Linie ihre bildliche Erläuterung erhält. 
Diese Gattung der Illustration verleiht der byzantinischen Kunst auf lange 
Zeit ihren eigenthümlichen Stempel. Eine andere Kategorie von illustrirten 
Evangelien stellt die Feste des Herrn und der Jungfrau dar, ohne dass das 
Bild in eine nähere Beziehung zum Texte tritt. Es beruht weit mehr auf 
der homiletischen und erbaulichen Erklärung der Kirchenvater. Das glän- 
zendste Beispiel dieser Illustration ist die des Gregorius von Nazianz aus dem 
9.-10. Jahrhundert, welche in zehn verschiedenen Handschriften vertreten 
ist. Derselben und einer noch spätern Zeit (1O._14. Jahrhundert) gehört auch 
die lange Reihe illustrirter Heiligenleben, Menologien, geistlicher Kalender 
u. s. W. an, wie sie in Originalien oder Oopien erhalten sind. Im 12. Jahr- 
hundert erscheinen zuerst die Homilien über die heilige Jungfrau, der Ilzrlüiarzi; 
der Jungfrau, die Sticharien, die illustrirten Kanones u. s. f. Ihre Miniaturen 
tragen einen lyrisch-sentimentalen Charakter, welcher in den Handschriften des 
Johannes Climacus am entschiedensten hervortritt. Zwischen dem 13. und 
15. Jahrhundert treten die Chroniken und die ,Geschichten', wie die Alexanders 
d. G12, auf. In den einzelnen Theilen des aus seinen Fugen gehenden Ostreiches 
bildet sich in den Ornamenten wie in den Ideen eine seltsame Mischung, 
welche antike Traditionen, byzantinische Ikonographie und locale decorative 
Elemente in sich aufnimmt. Die Constatirung der einzelnen Localschulen 
muss der Zukunft überlassen bleiben; immerhin glaubt Kondakoff schon ein 
Grosses erreicht zu haben, indem er der Chronologie der byzantinischen Kunst 
eine gesicherte Grundlage gibt. 
Im Verlaufe seiner Darstellung schildert dann Kondakoff die antike 
Miniatur, die er die frühbyzantinische nennt: den Chronographen von 354, 
die Mailänder Ilias, den vaticanischen Virgil, die Wiener Genesis, die Cotton- 
Bibel, den Josuah-Rotulus. Sein Urteil über diese Werke haben wir bereits 
kennen gelernt. Dem goldenen Zeitalter der byzantinischen Buchmalerei 
(ö. Jahrhundert) schreibt er dann den Wiener Dioskorides, das Evangeliar 
von Rossano und das des Rabulas, endlich den vaticanischen Cosmas zu. Hin- 
sichtlich des Bilderstreites bestreitet Kondakoff die Ansichten Schnaases, der 
damit die zweite Epoche der byzantinischen Kunst anfangen lässt (III 226) 
und der den Ikonomachen einen namhaften Einfluss auf die Geschicke der 
Kunst zuerkennt, sowie diejenigen Labartes (III 31), der dem Ikonoklasmus 
eine viel zu grosse Ausdehnung gibt. Es wird daran erinnert, dass die eigent- 
liche Verfolgung nur von 766_775 dauerte, wenn auch das erste Decret, 
welches die Höherhängung der Bilder verfügte, von 726 und die Erklärung 
der Bilder als ,gottloser' Dinge von 745 datirt. Kondakoff gibt zu, dass die 
Verfolgung sich hauptsächlich gegen die Wandmalerei wandte und dass die 
ikonoklastische Politik der Kaiser auf längere Zeit hinaus der Kunst die 
äusseren Mittel der Existenz, die Protection der massgebenden Kreise, ent- 
zog. Er glaubt, dass die Ikonoklasten sich der Entwicklung des neuen 
der Heiligen Schrift dadurch gewannen, 
dass sie zu gewissen Zeiten des Kirchen- 
jahres als Lectio continua gelesen wur- 
den oder speciell, wie das Psalterium, als 
Grundlage und Kern des jetzt sich ausbilden- 
den Ofiicium divinum in Betracht kommen.
        

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